Nach dem Mord an sechs Italienern in Duisburg und der Veröffentlichung des Phantombildes eines bislang unbekannten Zeugen sind bei der Polizei erste Hinweise eingegangen.

Nach der Veröffentlichung des Phantombilds sind bei der Polizei erste Reaktionen eingegangen. Über konkrete Tipps wollte sich ein Polizeisprecher noch nicht äußern. Man hoffe jedoch auf eine heiße Spur.

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Die Polizei fahndet mit einem Phantombild nach den Tätern. Es zeigt den dunkelhaarigen Fahrer eines Wagens, der sich kurz nach der Tat fluchtartig aus der Umgebung des Tatortes entfernt haben soll. (© Foto: dpa)

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Nach Polizeiangaben waren unmittelbar nach dem Verbrechen in unmittelbarer Tatortnähe zwei Männer gesehen worden, die in eine geparkte Limousine gestiegen und dann mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Duisburger Zoo gerast seien. Der Fahrer des Wagens sei rund 180 Zentimeter groß, schlank, habe schwarze kürzere Haare und einen dunklen Leberfleck unter dem rechten Auge.

Bei der Bluttat waren in der Nacht zum Mittwoch sechs Italiener zwischen 16 und 39 Jahren vor dem Lokal "Da Bruno" erschossen worden. Die Gruppe der Opfer war gegen 2.20 Uhr von einer Geburtstagsfeier aus der Pizzeria gekommen. Fünf der Getöteten, unter denen auch einer der Mitinhaber des Lokals ist, waren untereinander verwandt. Der getötete 18-Jährige, dessen Geburtstag gefeiert worden war, war in dem Lokal Auszubildender.

Die Duisburger Polizei geht bei dem Verbrechen inzwischen von einer Blutfehde zwischen zwei Familien im kalabrischen San Luca aus.

Beide Clans werden der kalabrischen Mafia 'Ndrangheta zugerechnet. Bei der Bluttat in der Nacht zum Mittwoch waren vor einem Restaurant in der Duisburger Innenstadt sechs Männer im Alter zwischen 16 und 38 Jahren erschossen worden.

Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat einem Bericht der Berliner Zeitung zufolge seit längerem Hinweise darauf, dass italienische Mafia-Banden ein starkes Netzwerk in Deutschland unterhalten.

Vor allem in Hessen und Rheinland-Pfalz, aber auch in anderen Länder gebe es eine Vielzahl von "Filialen" der so genannten Camorra, zitiert das Blatt aus einem geheimen Vermerk des BND aus dem Jahr 2004. Die 'Ndrangheta sei vor allem in Ostdeutschland aktiv.

Enge Verflechtungen zwischen den Organisationen

Neben Rauschgiftschmuggel, Geldwäsche und Schutzgelderpressungen liege der Schwerpunkt aber auf legalen Geschäften, die mit Gewinnen aus Verbrechen in Italien und anderen Ländern finanziert werden.

Nach Ansicht des Direktors der europäischen Polizeibehörde Europol, Max-Peter Ratzel, muss im Kampf gegen die Organisierte Kriminalität die Zusammenarbeit der EU-Länder verbessert werden.

"Wichtige Informationen aus den EU-Ländern liegen Europol zum Teil nicht vor, weil nationale Behörden die europaweite Relevanz nicht erkennen und sie nicht weitergeben", sagte Ratzel der Neuen Osnabrücker Zeitung. Die italienische Mafia sei dabei nicht die größte kriminelle Gefahr in Europa. "Türkische, albanische oder nigerianische Gruppen spielen eine größere Rolle", erklärte Ratzel.

Zwischen den Organisationen gebe es zudem enge Verflechtungen. Der Datenaustausch über Europol müsse deshalb effektiver gestaltet werden. Große Länder wie Deutschland seien durch organisierte Kriminelle besonders bedroht. Größe, Lage und Infrastruktur machten das Land zum besonders attraktiven Markt für Drogen- und Menschenhändler.

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(sueddeutsche.de/dpa)