An den Überschwemmungen nach Hurrikan Katrina sollen Truppen der Streitkräfte Schuld haben. Dass einige Opfer entschädigt werden, könnte eine Klagewelle auslösen.

Juristischer Erfolg für die Opfer des Hurrikans Katrina: Ein US-Bezirksgericht sprach fünf Klägern eine Entschädigung von 720.000 Dollar (etwa 482.000 Euro) zu.

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1,3 Millionen Menschen entlang der Ostküste verloren durch den Hurrikan Angehörige und materiellen Besitz. (© Foto: dpa)

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Als Begründung führte Richter Stanwood R. Duval an, dass das Ingenieurkorps der US-Streitkräfte für die zerstörerischen Überflutungen von New Orleans nach dem Wirbelsturm verantwortlich sei. Das Korps sei für den Bau eines Abflusskanals verantwortlich gewesen, habe diesen aber nicht ausreichend gewartet. Dadurch habe Katrina freie Bahn gehabt, die Bezirke Lower Ninth Ward und St. Bernard Paris zu überfluten, sagte Duval nach Angaben der Finanznachrichtenagentur Bloomberg.

Duval schränkte allerdings ein, dass das Ingenieurkorps nicht für die fehlerhafte Konstruktion des Kanals verantwortlich sei und zudem nicht für die Überschwemmung vom Ostteil der Stadt verantwortlich gemacht werden könne.

Die Entscheidung des Gerichts könnte einen Präzedenzfall schaffen. Anwälte sagten, das Urteil könne zu Klagen von mehr als 100.000 Anwohnern und Geschäftsleuten führen.

Ein Anwalt der Kläger lobte das Urteil, denn es bekräftige die langjährigen Versäumnisse der Armee, die Region angemessen zu schützen: "Es ist höchste Zeit, dass wir uns genau ansehen, wie die Jungs ihre Arbeit machen", sagte Joe Bruno. Es sei das allererste Mal überhaupt, dass das Ingenieurskorps für "seine monumentale Fahrlässigkeit" zur Verantwortung gezogen werde, sagte der Verteidiger Pierce O'Donnell.

Nach Ansicht der Anwälte verbreiterte sich der Kanal infolge von Erosion und fehlender Wartung - und sei wie eine "Autobahn" für Katrina gewesen. Der Richter sagte, bei dem Hochwasser nach dem Wirbelsturm habe der Kanal wie ein "Trichter" gewirkt.

Aus Kostengründen verworfen

Der Kanal war im Jahr 1965 als Abkürzung zwischen dem Mississippi und dem Golf von Mexiko gebaut worden. Laut Duval war sich die Armee der Gefahr bewusst und habe auch über Abhilfe nachgedacht, diese Idee dann aber aus Kostengründen verworfen. Das Ingenieurskorps hätte dafür sorgen müssen, dass der Kanal keine Gefahr für Mensch und Umwelt sei.

Dagegen erklärte Vertreter des Korps vor Gericht, die Dämme der Stadt seien das Problem gewesen. Sie hätten der Gewalt von Katrina nicht standhalten können.

Katrina wütete im August 2005 in den US-Bundesstaaten Louisiana, Mississippi, Florida, Georgia und Alabama und tötete mehr als 1800 Menschen. Etwa 1,3 Millionen Menschen entlang der US-Golfküste verloren ihre Existenz. Mit 125 Milliarden Dollar Gesamtschaden ist Katrina der bislang zerstörerischste Sturm.

Die US-Regierung unter dem damaligen Präsidenten George W. Bush war nach der Naturkatastrophe unter starken Druck geraten. Weil die Lage zunächst völlig unterschätzt wurde, dauerte es Tage, bis umfassende Bundeshilfe anrollte.

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(AP/dpa/ehr/jab)