Die Menschen liefen in Panik aus den Häusern, warfen sich auf die Straße, um zu beteten, die Moscheen schwankten - wie die Menschen in Islamabad das Jahrhunderterdbeben erlebten.
Es war ihr freier Tag, und viele Menschen lagen noch in den Betten, als die Katastrophe über sie hereinbrach. Zuerst wurden die Tiere unruhig. Schrilles Vogelgeschrei gellte durch die Straßen von Islamabad.
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Menschen vor den Trümmern eines Hauses in Islamabad (© Foto: dpa)
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Ganze Schwärme flogen aus den tausenden Bäumen in der pakistanischen Hauptstadt in den Himmel auf, bevor sich in der Erde ein unheilvolles dumpfes Grollen aufbaute.
Und dann begannen die Häuser, die Moscheen und Straßen zu zittern. "Noch nie in meinem Leben habe ich so ein heftiges Erdbeben erlebt", berichtet der Sicherheitsbeamte Mohammed Akram. "Die Minarette der Moscheen schwankten, die Menschen liefen aus ihren Häusern, einige fingen an, zu Gott zu beten."
Gehen unmöglich
Es war 08.50 Uhr in Islamabad, als ein Erdbeben der Stärke 7,6 auf der Richter-Skala ganz Nordpakistan, Kaschmir und den Nordosten Afghanistans erschütterte. Über eine Entfernung von mehr als tausend Kilometern war der Erdstoß zu spüren. Die Behörden rechnen mit tausenden Toten. Das volle Ausmaß der Verwüstungen ist noch nicht zu ermessen.
In der Hauptstadt flohen tausende Menschen auf die Straßen. Etwa eine halbe Minute lang bebte der Boden so stark, dass ein normales Gehen oder Laufen unmöglich war, und die Menschen reihenweise stürzten. Im Zentrum stürzte ein zehnstöckiges Wohnhaus ein.
"Wir sind alle aus unseren Häusern gelaufen. Die Menschen waren noch im Schlafanzug, und viele Frauen kamen barfuß und ohne Schleier heraus", berichtet Sajida Burki, die in einem der beiden Nachbartürme wohnt. "Wir haben die Menschen in dem anderen Gebäude auf ihre Balkone laufen sehen, aber noch während die Erde zitterte, ist das ganze Gebäude eingestürzt, und mit ihm all diese Menschen."
Graben mit bloßen Händen
Die Behörden vermuten noch etwa hundert Menschen unter den Trümmern des Wohnturms. Mit bloßen Händen versuchten Anwohner, die Verschütteten zu befreien. Die Polizei rief die örtlichen Unternehmer auf, Metallschneider und Kräne zur Verfügung zu stellen.
Überall in den Straßen von Islamabad sitzen zu Tode erschrockene Menschen. Manche liegen auf dem blanken Boden. Einige weinen, andere scheinen vollkommen verwirrt, und alle haben sie Angst.
In den Stunden nach dem ersten Erdstoß erschüttern mindestens 14 Nachbeben die Region, von denen eines eine Stärke von ungefähr sechs auf der Richter-Skala hat. "Diese Nachbeben könnten für Gebäude, die schon Risse haben, das Aus bedeuten", sagt der Leiter des pakistanischen meteorologischen Instituts, Qamar Uzzman.
Viel schlimmer noch als Islamabad hat es die rund hundert Kilometer nördlich gelegene Bergregion Kaschmir getroffen. Sowohl im pakistanischen als auch im indischen Teil wurden durch die Erschütterungen oder durch dadurch ausgelöste Erdrutsche ganze Ortschaften dem Erdboden gleich gemacht.
Warten auf die Nachbeben
"Im Fluss Neelum staut sich das Wasser, weil komplette Dörfer hineingestürzt sind", berichtet ein Rettungshelfer der pakistanischen Armee. Der Polizeichef der pakistanischen Nordwest-Grenzprovinz, Riffat Pasha sagt, in seinem Gebiet seien schon jetzt zwischen 550 und 600 Tote zu beklagen, und ihre Zahl werde mit Sicherheit noch steigen. Es werde noch mindestens 24 Stunden dauern, bis die Behörden ein genaueres Bild von der Lage hätten.
Aus den Bergdörfern im indischen Teil Kaschmirs gab es vorerst nur spärliche Berichte. "Die Erdstöße haben Erdrutsche hervorgerufen, durch die die Hauptstraße zwischen Srinagar und Uri blockiert ist", berichtete ein Anwohner.
Viele Verletzte konnten nicht in die Krankenhäuser gebracht werden. Strom und Telefonnetze seien ausgefallen. In der Sommerhauptstadt Srinagar wurden im größten Krankenhaus der Stadt mehr als 200 Menschen mit Verletzungen und Schocks behandelt.
"Das war das schlimmste Erdbeben, das ich in meinem ganzen Leben mitgemacht habe", erzählt die 84 Jahre alte Aisha Begum. Nach Expertenmeinung werden die Menschen in der Region in den kommenden Tagen nicht zur Ruhe kommen: Die Nachbeben würden noch mindestens 48 Stunden lang das Gebiet erschüttern.
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(AFP/Rana Jawad)
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