Präsident Giorgio Napolitano hat bei einem Besuch des Erdbebengebiets in den Abruzzen Baumängel kritisiert. In L'Aquila bereitet man sich derweil auf die Trauerfeier vor.

Bei einem Besuch des Erdbebengebiets in den Abruzzen hat der italienische Präsident Giorgio Napolitano "unverantwortliche" Baumängel kritisiert. "Niemand darf die Augen verschließen", sagte Napolitano am Donnerstag in der am stärksten betroffenen Stadt L'Aquila.

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Präsident Giorgio Napolitano besichtigt die Trümmer in L'Aquila. (© Foto: AFP)

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Dies gelte für Verkäufer ebenso wie für Käufer von Immobilien. Die Verantwortung laste auf vielen Schultern, von den Bauherren bis hin zur Bauaufsicht. Die Gebäude müssten "sicherer" sein, unabhängig von der schwierigen Vorhersehbarkeit von Erdbeben. Nach einem Erdbeben im Jahr 2002 waren 2005 verschärfte Baubestimmungen beschlossen worden, deren Inkrafttreten jedoch im Herbst auf Juni 2010 vertagt worden war.

Bei dem schwersten Erdbeben in Italien seit drei Jahrzehnten kamen am Montag nach den jüngsten Angaben von Ministerpräsident Silvio Berlusconi 279 Menschen ums Leben, darunter 20 Kinder. Die Zahl der Verletzten wurde mit 1170 angegeben, darunter 179 Schwerverletzte. Die Polizei sprach am Donnerstag außerdem noch von bis zu 30 Vermissten.

Die Hoffnungen, noch Überlebende zu bergen, schwanden von Stunde zu Stunde. Nachbeben erschwerten die Rettungsarbeiten. Besonders das zweite Beben gegen 03.00 Uhr morgens, das noch in Rom und in weiten Teilen Mittelitaliens zu spüren war, schreckte die Menschen aus dem Schlaf hoch und versetzte viele von ihnen in Angst und Schrecken. Vor allem in den Zeltstädten, es gibt immer noch 28.000 Obdachlose, brach teilweise Panik aus.

In der Regionalhauptstadt L'Aquila liefen derweil die Vorbereitungen für die Trauerfeier. Diese ist für Karfreitag, der zum nationalen Trauertag ausgerufen wurde, vorgesehen und soll von allen großen Fernsehsendern des Landes übertragen werden. Die Messe wird die Nummer Zwei des Vatikans, Kardinal Tarcisio Bertone, zelebrieren. Unter anderem werden neben Napolitano Regierungschef Silvio Berlusconi und viele Minister erwartet.

Die italienische Regierung will der verwüsteten Erdbebenregion in den Abruzzen mit einem Bündel von Maßnahmen helfen. Am Gründonnerstag beschloss das Kabinett in Rom finanzielle Erleichterungen für die Geschädigten der Naturkatastrophe, stellte aber ein erstes Eildekret bis nächste Woche zurück.

Es geht dabei vor allem um 110 Millionen Euro für den Wiederaufbau zerstörter Schulen sowie um etwa 70 Millionen an zusätzlichen Mitteln für den Zivilschutz. Nach Ostern wollen sich die Fachminister erstmals auch über einen Plan beugen, den Bau tausender Häuser in und um die weitgehend verwüstete Abruzzen-Hauptstadt L'Aquila mit 200 Millionen Euro zu unterstützen.

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(dpa/AP/AFP/af)