Nach dem verheerenden Erdbeben in China hat ein starkes Nachbeben der Stärke 6,1 das Katastrophengebiet der Provinz Sichuan erschüttert. Weiterhin droht ein Damm in Beichuan zu brechen. Die Regierung hat eine Entschädigung für Angehörige der Todesopfer beschlossen.
Die Menschen in der chinesischen Provinz Sichuan kommen nicht zur Ruhe: Ein heftiges Nachbeben der Stärke 6,1 hat die Erde im Katastrophengebiet am frühen Morgen (Ortszeit) für 45 Sekunden zittern lassen, wie das Geologische Institut der USA (USGS) mitteilte. Zahlreiche Menschen rannten in Panik auf die Straßen.
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Erst das Erdbeben, dann die Angst vor Überschwemmungen, schließlich Nachbeben: Tausende Chinesen fliehen in Beichuan, in der südwestchinesischen Provinz Sichuan. (© Foto: Reuters)
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Bei dem verheerenden ersten Beben der Stärke 7,9 am Montag waren nach offiziellen Angaben mindestens 29.000 Menschen ums Leben gekommen. Die Regierung in Peking befürchtet insgesamt jedoch mehr als 50.000 Tote.
Wie die Regierung bekanntgab, sollen alle Familien, die durch das Erdbeben Angehörige verloren haben, zunächst eine Entschädigung von 5000 Yuan (460 Euro) bekommen. Die Überlebenden im Katastrophengebiet sollen außerdem eine tägliche Essensration und zehn Yuan (90 Cent) bekommen.
Tausende Menschen wurden inzwischen aus der Stadt Beichuan evakuiert, weil sich ein von einem Erdrutsch aufgestauter Fluss in die Stadt zu ergießen droht. Die Menschen flohen aus ihren Häusern in höher gelegene Gebiete.
Es ist nicht klar, ob es bei der Flucht Verletzte gab. Die Behörden hatten die Menschen zuvor gewarnt, dass es zu der Überschwemmung kommen könnte.
Die ARD-Korrespondentin Ariane Reimers, die mit einem Team in Beichuan ist, berichtete, anfangs habe es kurz Panik und Hektik gegeben, doch sei die Evakuierung nach zehn Minuten dann eher wie ein "geordneter Rückzug" verlaufen. "Alle helfen sich gegenseitig, auch an Engpässen." Die Menschen riefen "lauft, lauft" oder "schnell, schnell", berichtete Reimers, während sie selber mit dem Kameramann und einer Assistentin den Berg heraufrannte. "Alle ziehen aus der Stadt ab."
Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete zuvor, dass der Wasserpegel eines Sees bei Beichuan rasch ansteige und Schwerverletzte deshalb sofort in Sicherheit gebracht werden müssten.
Beichuan befindet sich in der Nähe des Epizentrums des Erdbebens, dass die Region vor fünf Tagen völlig verwüstete. Zehntausende Menschen starben, Millionen sind obdachlos.
Zur Angst vor einer riesigen Flutwelle kommt die Gefahr von Seuchen in den Erdbebengebieten. Vertreter von Regierung und Behörden warnten vor den Folgen der mangelnden Trinkwasserversorgung und den schlechten hygienischen Bedingungen. Als besonderes Infektionsrisiko gelten die 12,5 Millionen Tierkadaver im Katastrophengebiet.
Im ebenfalls schwer verwüsteten Landkreis Wenchuan wurde am Samstagmorgen ein deutscher Tourist gerettet. Anders als zuvor berichtet musste der Mann jedoch nicht aus Trümmern geborgen werden. Er hatte zusammen mit Einwohnern des Dorfes Taoguan unversehrt bis zum Eintreffen der Rettungskräfte ausgeharrt.
Die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua hatte zuvor gemeldet, der deutsche Tourist sei 114 Stunden lang in den Ruinen eines Hauses verschüttet gewesen.
Das Auswärtige Amt hatte am Freitagabend in Berlin gesagt, dass nach der Erdbebenkatastrophe in China noch einige Deutsche vermisst werden. "Einigen wenigen Vermisstenmeldungen gehen die deutsche Botschaft Peking und das Generalkonsulat von Chengdu in Zusammenarbeit mit den chinesischen Behörden mit Hochdruck nach", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes. Am Donnerstag hatte das Amt noch von einem verletzten deutschen Staatsbürger gesprochen.
Leichte Schäden an Atomanlagen
Nach Angaben der französischen Atomaufsicht gab es leichte Schäden an einigen Atomanlagen. Radioaktivität sei aber offenbar nicht frei geworden. Die chinesischen Behörden hätten schnell reagiert und sofort alle Atomanlagen in der vom Erdbeben betroffenen Region abgeschaltet, um sie zu kontrollieren, sagte Thierry Charles, der für Sicherheitsfragen zuständige Direktor der französischen Atomaufsicht.
China betreibt den Angaben zufolge in der Provinz Sichuan einen Forschungsreaktor, zwei Brennstofffabriken und zwei Anlagen zum Bau von Atomwaffen. Alle Betrieben lagen zwischen 70 und 150 Kilometer vom Epizentrum entfernt. Die chinesische Atomaufsicht (NNSA) wies ihre Mitarbeiter aber am Tag nach dem Beben an, sich auf Umweltprobleme vorzubereiten.
Oberste Priorität habe das Trinkwasser, hieß es in einer undatierten Mitteilung der zum Umweltministerium gehörenden Behörde. Charles erklärte unter Bezug auf Angaben der NNSA die Schäden seien an älteren Atomanlagen aufgetreten, bei denen schon vor dem Erdbeben mit der Demontage begonnen worden sei.
Mehr als 100.000 Soldaten und 34.000 ärztliche Helfer arbeiten derzeit im Erdbebengebiet, wo voraussichtlich mehr als 50.000 Menschen ums Leben gekommen sind. Mehr als 100.000 Menschen seien verletzt, berichtete das Gesundheitsministerium am Samstag.
Darunter seien 15.800 Schwerverletzte. Fünf Tage nach dem Erdbeben wächst die Seuchengefahr. Doch berichtete das Ministerium, es habe bislang keine großen Ausbrüche von Epidemien gegeben.
Die rund fünf Millionen Obdachlosen verbrachten eine fünfte Nacht in meist notdürftigen Unterständen. Die chinesische Luftwaffe fliegt am Wochenende zehn weitere medizinische Teams und 1100 Tonnen Hilfsgüter aus Militärlagern nach Sichuan. Darunter sind 5000 Zelte, 200 Stromgeneratoren, Nahrung, Kleidung und Decken, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.
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(Reuters/dpa/AP/AFP/cag/bavo/dgr)
Studie von UN-Kinderhilfswerk