Er hat seinen Airbus mit 137 Passagieren trotz Turbulenzen sicher gelandet und wird dafür als Held gefeiert. Nun werden dennoch kritische Töne laut.

Bisher wurde Oliver A., der Mann, der seinen Airbus knapp an einer Katastrophe vorbeilenkte, als Held gehandelt. Immerhin hat er trotz der Böe, die eine der Tragflächen erfasst hatte, 137 Passagiere am Wochenende sicher auf den Boden gebracht.

Beinahe-Crash in Hamburg; ddp

Der Airbus mit 137 Passagieren an Bord entging nur knapp einer Katastrophe. (© Foto: ddp)

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Jetzt gibt es aber dennoch Kritik an dem Piloten: Er soll sich vor dem Anflug auf Hamburg für die schwierigere Landebahn entschieden haben. Bei widrigen Wetterverhältnissen wie am Wochenende, als Orkantief Emma über Deutschland tobte, entscheidet der Pilot darüber, ob er landet.

Mitarbeiter der Flugsicherung geben per Funk durch, welche Bahn sie für geeigneter halten. Letztendlich aber bestimmt der Pilot, welche Landebahn er ansteuert.

Nach der Beinahe-Katastrophe hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) eine Untersuchung eingeleitet. "Wir werden die Frage stellen müssen, warum das Flugzeug nicht auf der Landebahn 33 gelandet ist, sondern auf der 23, wo der Seitenwind viel stärker war", sagte Lothar Müller von der BFU am Montag.

Kurz vor dem Aufsetzen auf Landebahn 23 in Hamburg-Fuhlsbüttel hatte am Samstag eine starke Windböe den aus München kommenden Airbus A320 erfasst. Die Maschine geriet in Schräglage und berührte mit der linken Tragfläche den Asphaltboden. Der Pilot startete durch und landete das mit 131 Passagieren und sechs Besatzungsmitgliedern besetzte Flugzeug wenig später sicher auf einer anderen Landebahn.

Bei dem Manöver wurde niemand verletzt. Experten sprachen von einer fliegerischen Meisterleistung. Es gebe keine Hinweise auf ein Fehlverhalten des Piloten, betonte der BFU-Sprecher. Zur Untersuchung der Ursache für das Beinaheunglück gehört auch die Auswertung der Flugschreiber.

Markus Kirschneck, dem Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, zufolge habe der Pilot ein ganz normales Manöver erfolgreich durchgeführt. "Das ist für uns Piloten wie Einparken", äußerte sich Kirschneck . Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) war vor Windgeschwindigkeiten bis zu 55 Knoten (102 km/h) gewarnt worden.

Der stellvertretende Leiter der Abteilung Flugmeteorologie, Erland Lorenzen, sagte, der Pilot sei über den Tower jederzeit über die Witterungsverhältnisse informiert gewesen. Laut Deutscher Flugsicherung (DFS) lag die Windstärke innerhalb der für den Airbus zugelassenen Grenze. "Das Problem waren die Böen", sagte DFS-Sprecher Axel Raab in Langen bei Frankfurt am Main.

Nach DFS-Informationen habe die sogenannte Seitenwindkomponente bei konstant 25 Knoten gelegen, während für den Airbus bis 30 Knoten und - in Extremfällen sogar bis 40 Knoten - zugelassen seien. Der Kapitän habe sich für die Landebahn 23 entschieden, weil diese im Unterschied zur 33 über ein komplettes Instrumentenlandesystem verfüge.

Aufregendster Flug ihres Lebens

Dem Piloten zollte der DFS-Sprecher Respekt: "Der versteht was von seinem Handwerk." Im Internet ist das Video mit den dramatischen Szenen, das ein Hobbyfilmer mit Namen "Stefan 171" gedreht hat, bis Montag bereits fast zwei Millionen Mal angeklickt worden.

Im Fernsehen schilderten Passagiere den aufregendsten Flug ihres Lebens und berichteten, dass es an Bord keine Panik oder Hysterie gegeben habe. Vielmehr sei es nach dem Durchstarten totenstill gewesen.

Für Flugkapitän Oliver A. und seine 24-jährige Kopilotin Maxi J. begann zum Wochenanfang längst der Alltag. Beide flogen wieder quer durch Europa, als sei nichts gewesen. Ein Lufthansa-Sprecher meinte zu der Meisterleistung vom Samstag: "Das war eine Situation, wie man sie nie in Wirklichkeit üben kann." Landungen mit unvorhergesehenen Seitenwinden und unter schwierigen Bedingungen würden aber ständig am Computer simuliert.

"So etwas hat es in Hamburg noch nicht gegeben", meinte Flughafen- Sprecherin Katja Tempel. Der Hamburger Airport war von den Emma-Ausläufern am Samstag besonders betroffen. Gleich mehrere Maschinen starteten wegen der Orkanböen durch, ähnlich brenzlige Situationen wie bei der Lufthansa-Maschine soll es aber nicht gegeben haben. 19 Flüge mussten unter anderem wegen hoher Windgeschwindigkeiten gestrichen werden, 118 Flüge verspäteten sich.

Sehen Sie hier das Video der dramatischen Landung: http://www.youtube.com/watch?v=RodWwhqTE8s

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(sueddeutsche.de/dpa/cag/gdo/odg)