Auch der finnische Amokläufer suchte sich seine brutalen Vorbilder in der virtuellen Welt.
Finnland ist seit Mittwoch eine Gesellschaft im Schock. Das Land ist erschüttert von den Bildern eines Amokläufers, der mit einer Mordwaffe posiert. Warum tötet ein 18-Jähriger wahllos Mitschüler? Und warum gerade in Finnland? Das skandinavische Land ist für sein vorbildliches Schulsystem bekannt, Politiker - auch aus Deutschland - pilgern in Scharen nach Norden, um vom Pisa-Studien-Musterland zu lernen. Die Finnen waren stolz darauf.
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Aber auch die gutausgebildeten Lehrer, die Psychologen, die Sozialarbeiter, für die das finnische System stets gelobt wird, haben den Schüler Pekka-Eric A. nicht davon abhalten können, zum Massenmörder zu werden. Vielleicht wird man deshalb bald noch ein paar Verbesserungen vornehmen und die Gymnasien erneut üppiger ausstatten.
Aber selbst die beste Schule der Welt ist keine Garantie gegen Wahn und Wirrnis. Schulfrust spielt in den Aufzeichnungen, die der Täter vor dem Massaker im Internet hinterlegt hat, auch gar keine Rolle.
Wohl aber fanden sich in seiner abstrusen Datensammlung Szenen aus Gewaltfilmen und brutalen Computerspielen. Ähnliches Material tauchte im Zusammenhang mit den Schul-Amokläufen in Deutschland und den USA auf. Wie damals wird sich auch jetzt die Frage stellen, ob es Filme und vor allem Videospiele waren, die aus dem Schüler einen jugendlichen Mörder machten.
Im Vergleich zu Deutschland gehen die nordischen Ländern sehr liberal mit gewaltverherrlichender Computer-Software um. Was deutsche Politiker als "Killerspiele'' geißeln, wird etwa in Schweden mit Rezensionen im Kulturteil der Tageszeitungen bedacht. Vielleicht wird der Amoklauf von Tuusula zu einer etwas kritischeren Haltung führen. Ein Killerspiel-Verbot, wie es einige deutsche Politiker immer wieder fordern, wird es aber wohl nicht geben.
Eine solche Zensur würde der starken Tradition von Meinungs- und Pressefreiheit in Skandinavien widersprechen. Überdies ist der Zusammenhang zwischen Amoklauf und digitaler Ballerei umstritten - Jugendliche in aller Welt spielen am Bildschirm, ohne Spiel und Wirklichkeit zu verwechseln.
Finnland bei Schusswaffen auf Platz drei
Aber es bleibt die Frage nach der Waffe, und hier gibt es eine finnische Besonderheit: Das Land, das eine große Armee und eine stolze Jagdtradition hat, ist nach den USA und dem Jemen der Staat mit den meisten Schusswaffen pro Einwohner. Der Amokläufer kaufte seine Pistole im örtlichen Fachhandel, die Erlaubnis dazu hatte er von einem Schützenverein erhalten.
Ministerpräsident Matti Vanhanen deutete nach der Bluttat an, die Waffengesetze verschärfen zu wollen. Das ist gewiss sinnvoll, eine Absicherung gegen Amokläufe aber ist auch das nicht. Wenn es überhaupt etwas gibt, solche Schüler-Massaker zu verhindern, dann sind es wohl viele Schritte. Verwirrte Jugendliche brauchen mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung und vor allem erwachsene Vorbilder, die zeigen, wie man Konflikte ohne Gewalt löst.
"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
(SZ vom 9.11.2007)
Bundespräsident Gauck in Jerusalem
Juhu..wir haben einen Schuldigen...DIE KILLERSPIELE, ein HOCH auf die Zensur
Bei den ganzen Forderungen nach einem Verbot von "Killerspielen" geht es doch gar nicht darum, Menschen vor mutmaßlich dadurch inspirierten Gewalttaten zu schützen, sondern darum, persönliche Geschmacksvorstellungen und gesellschaftliche Normen im Privaten sogar in der Fantasie aller Menschen zu erzwingen!
Man höre sich doch nur das Gerede an den einschlägigen "Stammtischen" und das Geschwätz von den typischen Politikern (Beckstein & Co) an! Auch der Zensur-Kriminologe Christian Pfeiffer, der stets auf Publicity bedacht ist und deshalb leicht mediengängige Aussagen macht, fordert normative Totalverbote, auch für Erwachsene, unabhängig von mutmaßlichen Gewaltwirkungen. Siehe sein offener Brief an den Medienausschuss der Bundesregierung, auf der Seite des "Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen KFN", www.kfn.de, eingestellt!
Man achte auf einschlägige Fernsehbeiträge gegen Computerspiele, z.B. in ZDF-"Frontal 21", da wird vor allem moralinschwangere Empörung zur Schau getragen und an das autoritäre Verständnis appelliert, dass der Staat doch so was "perverses" verbieten solle, unterlegt mit den Aussagen einer höchst einseitigen "Experten"auswahl!
Deswegen sollte man endlich begreifen, dass den mutmaßlichen und nie endgültig bewiesenen Gewaltwirkungen auch ein gesellschaftlicher Wert von Gewaltmedien gegenüber steht, nämlich die Lebensqualität der Nutzer, ihr Leben, ihre Freizeit und Fantasie selbst gestalten zu können! Der Wert ist, dass sich der Einzelne eben nicht selbst im Privaten Normen und staatlichen Vorgaben unterwerfen muss und auch die Dinge tun kann, welche die Gesellschaftsmehrheit als "pervers" empfindet. Es ist doch gut, dass z.B. Homosexualität nicht mehr strafbar ist, weil es die Gesellschaft für "pervers" und "abartig" hält!
Dieser Schutz des Individuums vor dem Zugriff von Staat und Gesellschaft auf sein Privatleben muss auch bei Computerspielen gelten, und wo bereits inakzeptable Zensur geschaffen wurde, muss sie wieder rückgängig gemacht werden! So bei den zahlreichen Horrorfilmen, die durch einen erweiterten §131 StGB seit 1985 verboten sind (Beispiele: "Tanz der Teufel", "Braindead", "Ein Zombie hing am Glockenseil").
Freiheit statt Zensur und Normendiktat!