Nach Amoklauf Vater von Tim K. will Waffen nicht mehr anrühren

Am Samstag findet die zentrale Trauerfeier für die Opfer des Amoklaufs von Winnenden statt. Unterdessen geben zahlreiche Bürger ihre Waffenbesitzkarten ab - auch der Vater von Tim. K.

Nach dem Blutbad von Winnenden haben bis jetzt 20 Bürger des Rems-Murr-Kreises in Baden-Württemberg von sich aus ihre Waffen abgegeben. Insgesamt seien aber 2.300 Waffenbesitzkarten ausgestellt, sagte Landrat Johannes Fuchs am Donnerstag. Auch der Vater des 17-jährigen Amokläufers Tim K. kündigte an, er wolle seine Waffenbesitzkarte abgeben. Er hatte die Tatwaffe entgegen den Vorschriften in seinem Schlafzimmer aufbewahrt; seine übrigen 14 Waffen wurden eingezogen.

Nach Amoklauf

Der Schock sitzt tief: Winnenden wenige Tage nach dem Amoklauf.

(Foto: Foto: dpa)

Der Internetausgabe der Berliner Morgenpost sagte der Anwalt des Vaters von Tim K., Sein Mandant wolle nicht warten, bis die Karte eingezogen werde, sondern sie von sich aus zurückgeben. "Jedes Mal, wenn er eine Waffe anrührt, muss er unweigerlich an diese Vorfälle denken", wird Rechtsanwalt Achim Bächle weiter zitiert.

Erneut zog der Anwalt Berichte über Depressionen des Todesschützen in Zweifel. Laut Bächle könnte Tim K. diese nur vogeschützt haben. Eine psychatrische oder psychotherapeutische Behandlung habe es jedenfalls nicht gegeben.

Die Polizei zeigte sich unterdessen überrascht von Interview-Äußerungen der Geisel des Amokläufers: Igor Wolf hatte das Auto gefahren, das der 17-jährige Tim K. Nach der Erschießung von 13 Menschen kaperte. Er sagte dem Stern, der Täter habe ihn während der knapp zweistündigen Irrfahrt gefragt: "Meinst du, wir finden noch eine andere Schule?". Geistesgegenwärtig will Wolf das Thema gewechselt haben. Polizeisprecher Klaus Hinderer sagte dazu am Donnerstag, von dieser Äußerung habe Igor Wolf der Polizei nichts gesagt.

Neue Erkenntnisse über das Motiv des Amokläufers gibt es offenbar nicht. Wolf hatte den 17-Jährigen nach eigenen Angaben gefragt "Warum machst du so einen Scheiß?". Tim K. Habe ganz laut geantwortet: "Aus Spaß, weil es Spaß macht." Bei dem Massaker am 11. März hat er 15 Menschen und sich selbst erschossen.

Ob der Todesschütze bereits beigesetzt wurde, ist weiterhin unklar. Der Bürgermeister von Leutenbach, Jürgen Kiesl, sagte, in der Heimatgemeinde Weiler zum Stein sei noch keine Anfrage über einen Beerdigungstermin eingegangen. Es wird damit gerechnet, dass Tim K. An einem unbekannten Ort beigesetzt wird. Am Donnerstag wurden weitere Opfer des Amokläufers beerdigt. Weiler zum Stein ist Landrat Fuchs zufolge noch immer geschockt: "Die Gemeinde ist wie gelähmt."

Trauerfeier mit Merkel und Köhler

Die zentrale Trauerfeier findet am Samstag mit einem ökumenischen Gottesdienst in der katholischen St. Karl Borromäus Kirche in Winnenden statt. Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel haben ihre Teilnahme angekündigt. Sie wollen sich im Anschluss mit Angehörigen der Getöteten treffen. Die Trauerfeier soll nach Angaben der Stadt in das Sportstadion übertragen werden, das in unmittelbarer Nähe des Tatorts, der Albertville-Realschule, liegt. Dort könnten 20.000 Menschen untergebracht werden, hieß es.

SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier forderte derweil eine breite Debatte über die Verschärfung von Waffengesetzen. Wenn man die Hintergründe der Tat besser kenne, müsse man darüber ohne Scheuklappen diskutieren, sagte Steinmeier der Berliner Zeitung. Die Politik sollte allerdings nicht durch täglich neue Vorschläge den Eindruck erwecken, dass "wir nur an ein paar Gesetzen schrauben müssen, um eine Wiederholung ein für alle mal auszuschließen".