Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen den Vater des Attentäters von Winnenden, während die Schüler gemeinsam Trost suchen.
Gegen Tote kann man nicht ermitteln, und so rekonstruierten die Verantwortlichen von Polizei und Staatsanwaltschaft fünf Tage lang den Amoklauf von Winnenden, ohne dass sich ihre Recherchen gegen jemanden richten konnten: Der Täter Tim Kretschmer hatte sich erschossen. Am Montag jedoch leitete die Staatsanwaltschaft Stuttgart ein Ermittlungsverfahren gegen den Vater des Attentäters ein.
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Wie diese Schülerin suchten viele Kinder und Jugendliche nach dem Amoklauf in Winnenden Trost. (© Foto: AP)
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Es bestehe der Anfangsverdacht der fahrlässigen Tötung, sagte ein Sprecher des Justizministeriums. Die Staatsanwaltschaft hat sich das gut überlegt, es wird ein schwieriges Ermittlungsverfahren, von dem man nicht sagen kann, ob es zu einer Anklage führen wird.
Relativ wahrscheinlich ist, dass gegen den Vater eine Geldstrafe verhängt wird, weil er die Tatwaffe, eine Beretta, im Schlafzimmer herumliegen ließ, anstatt sie wie vorgeschrieben wegzuschließen. Mehr als eine Ordnungswidrigkeit ist dieser Verstoß gegen das Waffenrecht normalerweise jedoch nicht - aber nur in Fällen, in denen niemand zu Schaden kommt.
Im strafrechtlichen Ermittlungsverfahren und einem möglichen Prozess wegen fahrlässiger Tötung in fünfzehn Fällen müssen die Ermittler nun wohl nachweisen können, dass der Vater von einer psychischen Krankheit des Sohnes wusste, womöglich sogar Anzeichen dafür hatte, dass Tim eine Gewalttat plante und dennoch eine Waffe frei herumliegen ließ - so also fahrlässig zur Tötung von 15 Menschen beitrug.
Seit Freitagabend wird der Vater durch einen Rechtsanwalt vertreten, der am Samstag schon mal dementierte, dass Tim Kretschmer überhaupt in psychiatrischer Behandlung war. "Es hat nie eine richtige Psychotherapie gegeben", sagte Achim Bächle.
Die Ermittler sehen das anders, fünf Mal sei Tim Kretschmer zwischen April 2008 und September 2008 im Klinikum am Weissenhof in Weinsberg "vorstellig" geworden, sagte die Polizei. Nach Angaben des ärztlichen Direktors der Klinik wurde der Jugendliche dort mehreren Tests unterzogen und ihm eine weiterführende Behandlung an der Klinik in Winnenden empfohlen. Jene Klinik, in deren Garten er am Mittwoch den Hausmeister erschoss.
In den Schulen, die direkt neben der Albertville-Realschule liegen, hat am Montag der Unterricht wieder begonnen. Die Jugendlichen trotten mittags zu den Bushaltestellen, die noch am Wochenende von 26 TV-Übertragungswagen zugeparkt waren. Sie sind nun fast alle weg und es ist nicht so, dass man darüber traurig wäre in Winnenden.
Der Ort wurde tagelang durchleuchtet. Im Fenster des Gymnasiums hängt ein Plakat: "Lasst uns in Ruhe trauern." Und an diesem Montag kann man auch fast in Ruhe trauern und in die Schule gehen. Das einzige Hindernis sind heute nicht die Kameras sondern die Bauarbeiter, die den Fahrradweg vor dem Gymnasium aufgerissen haben.
Den Schülern der Albertville-Realschule wurde es freigestellt, ob sie am Montag wieder zusammenkommen wollten. Diejenigen, die kamen, saßen dann in Jahrgängen zusammen mit ihren Lehrern und sechs Schulpsychologen für jeden Jahrgang. "Die einen sind ruhig und wollen nur jemanden an ihrer Seite, andere weinen und müssen getröstet werden, und manche wiederum erzählen, was sie erlebt haben", sagt Annette Kull, die für das Deutsche Rote Kreuz Notfallseelsorge koordiniert.
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