Mutmaßlicher Pädophilen-Ring Fünfjährige als Lockvogel eingesetzt

Sie beobachteten die Gruppe im Zoo, auf dem Kinderflohmarkt und am Spielplatz - dann schlugen die Ermittler zu: Elf Mitglieder eines mutmaßlichen Pädophilen-Rings wurden in Sachsen-Anhalt vorübergehend festgenommen. Die Polizei ermittelt jetzt auch international.

Die in Sachsen-Anhalt gefassten mutmaßlichen Mitglieder eines Pädophilen-Rings sind vorerst wieder auf freiem Fuß. Es bestehe ein "Anfangsverdacht", der für einen Haftbefehl aber bislang nicht ausreiche, sagte der Einsatzleiter der Polizei, Holger Herrmann, bei einer Pressekonferenz in Magdeburg. Gegen die elf Verdächtigen wird wegen des Anfangsverdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie Besitzes und Verbreitung von Kinderpornografie ermittelt.

Nach Angaben von Herrmann sind drei der Tatverdächtigen bereits "einschlägig vorbestraft". Die meisten Verdächtigen hätten in den Vernehmungen pädophile Neigungen zugegeben, jedoch keine Straftaten eingeräumt. Die ersten Ermittlungen hätten noch keinen dringenden Tatverdacht bestätigt, der einen Haftbefehl begründen würde. Es sei nun Sache der Polizei, dies zu ermitteln. "Wir stehen im Augenblick noch am Anfang der Ermittlungen", sagte Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU).

Die Tatverdächtigen - zehn Männer im Alter zwischen 23 und 60 Jahren sowie eine 57-jährige Frau - waren am Samstag in Aschersleben gestellt und vorläufig in Gewahrsam genommen worden. Sie stammen laut Polizei aus Aschersleben, Berlin, Dresden, Leipzig und Dortmund; einer der Männer kommt aus der Schweiz.

"Immer im Blick und unter Kontrolle"

Die Gruppe kannte sich laut Polizei aus einem Pädophilen-Chatroom im Internet. Am 25. April hatte es demnach einen ersten Zeugenhinweis zu dem geplanten Treffen in Sachsen-Anhalt gegeben, zu dem ein 54-Jähriger aus Aschersleben eingeladen hatte. Ziel dieses konspirativen Treffens sei es gewesen, "Aufenthaltsorte von Kindern zu besichtigen und neue Kontakte zu Kindern zu knüpfen", sagte Ermittler Herrmann.

Die Tatverdächtigen besuchten demnach am Samstag einen Kinderflohmarkt und den Zoo in Aschersleben, wo sie sich "hauptsächlich" am Kinderspielplatz aufhielten. Die fünfjährige Nichte des Tatverdächtigen aus Aschersleben wurden nach Erkenntnissen der Ermittler dabei als eine Art Lockvogel missbraucht, um Kontakt zu anderen Kindern zu bekommen. Sie wurde dem Jugendamt übergeben, ist aber inzwischen wieder bei ihrem Vater.

Die Polizei hatte die Verdächtigen nach eigenen Angaben "immer im Blick und unter Kontrolle". Beim Verlassen des Zoos wurde die Gruppe gefasst. Die Identität der Verdächtigen wurde geklärt; zudem wurden Unterkünfte in Aschersleben, Berlin und Dortmund durchsucht und Datenträger beschlagnahmt. Herrmann geht davon aus, dass die Ermittlungen - auch international - ausgeweitet werden und "noch weitere Personen betreffen" werden. In dem betreffenden Chatroom seien noch mehr Menschen aktiv als die jetzt elf bekannten Verdächtigen.