Vergiss Hillary und Obama und die Wahlen: Am Samstag ist Phil der Star in den USA: Das Murmeltier sagt voraus, ob es kalt bleibt oder ob der Frühling kommt.

Vergiss Hillary und Obama und die Wahlen in den USA: An diesem Samstag gibt es einen anderen Star - das Murmeltier "Phil". Jedes Jahr am 2. Februar rückt der Kleine ins Rampenlicht und mit ihm eine kleine Gemeinde mit unaussprechlichem Namen. Dann ist "Groundhog Day", der Murmeltiertag, an dem Amerika und der Rest der Welt erfahren, wie lange es noch stürmt und schneit. Im vergangenen Jahr hatte der Wetterfrosch mit Pelz gute Nachrichten: Er sagte einen baldigen Frühlingsanfang voraus.

Murmeltier-Tag

Tatsächlich: Ein Murmeltier sagt das Wetter voraus. (© Foto: istock)

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Lag er richtig? Der "Groundhog-Club" findet schon diese Frage beleidigend. "Phil" liegt natürlich immer richtig, sagt man hier. Und wer könnte dem auch widersprechen: Seine Voraussage ist schließlich universal. Irgendwo wird es gewiss bald Frühling oder dauert der Winter noch sechs Wochen.

30.000 Besucher bei Phil

Phil lebt in Punxsutawney im US-Staat Pennsylvania oder genauer gesagt in einem nahe gelegenen Wäldchen. "Panxatoni", wie sich der Name der 6000-Seelen-Gemeinde ungefähr ausspricht, ist spätestens seit dem Filmhit "Und täglich grüßt das Murmeltier" von 1993 auch international ein Begriff. Im Mittelpunkt der Komödie steht ein egozentrischer TV-Meteorologe (Bill Murray), der die Nase davon voll hat, jedes Jahr über den "Groundhog Day" aus Punxsutawney berichten zu müssen. Zur Strafe bleibt für ihn die Zeit stehen. Jeden Morgen wacht er auf und erlebt, dass es wieder der 2. Februar ist, wieder der "Murmeltier-Tag". Erst als sich der egozentrische Wetterfrosch läutert und erkennt, was wirklich wichtig im Leben ist, beginnt der 3. Februar.

Durchschnittlich 30 000 Besucher zieht es jedes Jahr an Maria Lichtmess zur Zeremonie mit Phil ins Wäldchen Gobbler's Knob. Die ersten Pilger kommen schon kurz nach Mitternacht, aber erst gegen 7.30 Uhr ist es so weit. Dann kommt der Führungszirkel des Clubs, 15 Männer in Frack und Zylinder. Mit einem Stock schlägt der Zeremonienmeister beim Sonnenaufgang an Phils Winterquartier, einen Baumstamm, weckt den Propheten und hebt ihn heraus. Sieht Phil seinen eigenen Schatten, heißt das sechs Wochen weiter Zittern. Sieht er ihn nicht, lässt der Frühling bald sein blaues Band wieder durch die Lüfte flattern.

Phils Vorhersage wird offiziell verkündet, nachdem er sie dem Präsidenten des Zirkels zugemurmelt hat - auf Groundhogesisch, sprich Murmeltierisch. Niemand anders kann die Sprache verstehen als der Chef des Clubs, und er hat auch die Ehre, die Nachricht für alle gewöhnlichen Sterblichen der Welt ins Englische zu übersetzen.

Die alljährliche Tradition - ungefähr in der Mitte zwischen dem kalendarischen Winter- und Frühlingsanfang - geht auf das 19. Jahrhundert zurück. Brauchtum-Forscher glauben, dass sie ihren Ursprung in Legenden amerikanischer Ureinwohner und deutscher Siedler hat, die dann miteinander verschmolzen. Danach glaubte ein seinerzeit in Punxsutawney lebender Indianerstamm, dass seine Vorfahren Murmeltiere waren. Die christlichen Siedler wiederum brachten den Glauben mit, dass ein Murmeltier an Maria Lichtmess aus dem Winterschlaf erwacht und dann wieder für weitere sechs Wochen im Bau die Augen schließt, wenn es draußen seinen Schatten gesehen hat.

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(dpa/jüsc)