Im Schwester-Mord-Prozess hat die Freundin des Angeklagten ausgesagt. Der Bruder des Opfers verliert für einen kurzen Moment die Fassung.
Die 20-Jährige Zeugin ist seit fünf Jahren die Freundin von Ahmad Sobhai O. Fast jeden Tag hat sie den Deutsch-Afghanen, der vor dem Hamburger Landgericht des Mordes an seiner 16 Jahre alten Schwester Morsal angeklagt ist, in diesen fünf Jahren gesehen.
Anzeige
Nun schildert sie ihn vor dem Gericht als einen Mann, der seine Schwester sehr geliebt habe. Der alles für Morsal tun wollte. "Er hat immer gesagt: Das ist meine kleine Schwester. Ich liebe sie!" Zugleich beschreibt sie den 24-Jährigen als "extrem aggressiven Menschen". Wenn er getrunken habe, sei das noch schlimmer geworden, und ihr Freund habe viel getrunken.
Während der Aussage bricht der in Afghanistan verheiratete Angeklagte in Tränen aus. Er verliert für einen Moment die Fassung und ruft dazwischen.
Am 15.Mai hat er seine Schwester am späten Abend im Hamburger Stadtteil St.Georg mit 23 Messerstichen getötet. Er habe das Mädchen aus Wut über ihren Lebensstil in einen Hinterhalt gelockt und ermordet, wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor.
Seine Verteidigung bezweifelt den Mordvorsatz und spricht von einer Tat im Affekt. Der junge Mann hat die Tat gestanden, aber im Prozess will er sich nicht äußern. So versucht das Gericht mit Hilfe von Zeugen Hintergründe einer Tat aufzuklären, die bundesweit für Entsetzen sorgte, weil hier angeblich im Namen der Ehre ein Mädchen getötet worden sein soll, das nicht nach den traditionellen Mustern ihres Herkunftslands leben wollte.
Vor der Tat habe eine Bekannte dem Angeklagten erzählt, dass Morsal anschaffen gehe, berichtet die Freundin. Deshalb sei er wütend geworden. Morsal habe über die Stränge geschlagen, sie sei tagelang nicht nach Hause gekommen. Im Januar soll der Prozess mit Aussagen der Eltern von Ahmad und Morsal O. fortgesetzt werden, aus deren Haus das Mädchen vor ihrem Tod bei städtischen Betreuern Zuflucht gesucht hatte.
"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
(SZ vom 20.12.2008)
FKK-Slackliner Alexander Schulz