Von Peter Schmitt

Ein seit November inhaftierter Fernfahrer aus Hof soll seit 1974 bis zu 19 Menschen getötet haben. Das erste Opfer war eine 14-jährige Mitschülerin.

Am 17.November des vergangenen Jahres wurde Volker E. festgenommen, als er gerade in einer Lkw-Waschanlage in Wesseling bei Köln seinen Silozug reinigte. Die Polizei suchte ihn wegen Mordes an einer 20-jährigen Prostituierten aus Bulgarien. Die unbekleidete Leiche der jungen Frau war Anfang des Monats in einem Gebüsch bei Hostalric nahe der spanischen Mittelmeerautobahn gefunden worden. Am Tag darauf hatte eine Überwachungskamera an der Autobahn den Tankzug und seinen Fahrer erfasst.

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Die Aufnahme und Zeugenaussagen anderer Prostituierter führten zur Verhaftung des 48-Jährigen. Bei der Festnahme soll er gesagt haben: ,,Endlich habt ihr mich geschnappt. Ich konnte einfach nicht aufhören zu töten.'' Da war den Ermittlern der ,,Sonderkommission Fernfahrer'' bereits klar, dass die Bulgarin Miglena Petrowa R. nicht das einzige Opfer gewesen sein konnte, das E. erwürgt oder erdrosselt hatte.

Nach der Wiedervereinigung nach Bayern abgesetzt

Mittlerweile hat der 48-jährige Fernfahrer aus Feilitzsch im Landkreis Hof sechs Morde an jungen Frauen gestanden. Die Mordserie reicht zurück bis ins Jahr 1974, als E. im sächsischen Plauen lebte. Nun aber hegt die Polizei einen geradezu ungeheuerlichen Verdacht: Möglicherweise hat E. bis zu 19 Menschen auf dem Gewissen.

Bereits bei den ersten Vernehmungen konnten weitere vier Frauenmorde in Spanien und Frankreich geklärt werden. Dann gestand der 1,80 Meter große schlanke Mann eine Tat, die mehr als 30 Jahre zurück liegt. Kripobeamte in Plauen hakten es rasch als Selbstmord ab, als im Mai 1974 in einer Wohnung ein totes 14-jähriges Mädchen mit einer Schlinge um den Hals aufgefunden wurde.

Nach seinem nun abgelegten Geständnis hatte der damals 15Jahre alte E. seine Mitschülerin erdrosselt. Im August 1988 kam er doch noch in Haft. Er hatte in seiner Heimatstadt zwei junge Frauen überfallen und bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt. Nach der vorzeitigen Entlassung 1994 setzte er sich unverzüglich nach Bayern ab, wo Polizei und Justiz sein Vorleben unbekannt war.

Blutige Spuren

Seit dem 17.November 2006 versuchen nun deutsche, spanische und französische Kriminalbeamte, die blutigen Spuren nachzuzeichnen, die E. als Fahrer einer Spedition aus dem sächsischen Oelsnitz quer durch Süd- und Westeuropa gezogen hat. Entlang internationaler Frachtverkehrsrouten wurden in den vergangenen Jahren Dutzende ermordete junge Frauen gefunden, ohne dass bislang die Täter gefasst sind.

Die Ermittler suchen in den Fahrtaufzeichnungen der von E. gelenkten Transporter nach zeitlichen und räumlichen Übereinstimmungen zu den Fundorten von 13 Frauenleichen. Anhaltspunkte können Mobilfunkabrechnungen und Aufzeichnungen von Kreditkartenfirmen über Zahlvorgänge an Tank- und Mautstellen liefern.

Der Prozess soll E. am Landgericht in Hof gemacht werden, obwohl keiner der ihm bisher angelasteten Morde in Bayern geschehen ist. Ursprünglich sollte der Fernfahrer nach Spanien ausgeliefert werden. Die Hofer Staatsanwaltschaft und der Kulmbacher Anwalt des Mordverdächtigen erreichten jedoch, dass das Verfahren in der Bundesrepublik belassen wird.

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(SZ vom 22. 3. 2007)