Mordserie in Toulouse TV sendet Gespräche zwischen Attentäter und Polizei

Was passierte in den 32 Stunden, in denen sich der Attentäter von Toulouse in einer Wohnung verschanzte? Der Fernsehsender TF1 hat jetzt Tonaufnahmen von den Gesprächen zwischen Polizisten und Mohamed Merah ausgestrahlt. Die Angehörigen seiner sieben Opfer sind entsetzt.

Er spricht gefasst, keine Zeichen der Nervosität sind in seiner Stimme zu hören. Fast eineinhalb Tage lang verschanzte sich der Attentäter von Toulouse, Mohamed Merah, in einer Wohnung, ehe er von Elitepolizisten erschossen wurde. Stundenlang hatten die Polizisten zuvor auf den Attentäter eingeredet. Auszüge aus den Gesprächen sind jetzt von dem privaten französischen Fernsehsender TF1 veröffentlicht worden.

Insgesamt will der Sender über viereinhalb Stunden Material verfügen. Ein erster Teil der Aufnahmen wurde am Sonntagabend von dem ehemaligen öffentlich-rechtlichen Sender TF1 ausgestrahlt. Darin gab der 23-Jährige an, dass er angeblich noch zu weiteren Morden bereit gewesen sei.

Merah hatte im März dieses Jahres bei drei Attentaten in Toulouse insgesamt sieben Menschen erschossen, darunter drei Kinder und einen Lehrer vor einer jüdischen Schule. Der Attentäter hatte sich als Mitglied des islamistischen Terrornetzwerks al-Qaida bezeichnet.

Die Veröffentlichung der Aufnahmen löste in Frankreich Empörung aus. Angehörige der Opfer des Attentäters zeigten sich schockiert und entsetzt. Ihre Anwälte kündigten einen Eilantrag an, um jegliche weitere Ausstrahlung der Mitschnitte verbieten zu lassen. Die Rundfunkaufsichtsbehörde CSA erklärte am Sonntagabend, sie habe den Fernsehsendern empfohlen, auf eine Ausstrahlung zu verzichten.

Zudem prüft die französische Justiz nun Schritte gegen den Sender. Die Pariser Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen wegen Verletzung des Ermittlungsgeheimnisses auf.

Auch die Politik ist empört. Innenminister Manuel Valls warf den Verantwortlichen des Senders vor, nichts getan zu haben, um die Familien der Opfer zu respektieren. Es stelle sich die Frage, wie der Sender an die Aufzeichnungen gekommen sei.