Der mutmaßliche Sexualmörder der achtjährigen Levke hätte nach Medienberichten viel früher gefasst werden können, wenn seine DNA beim Bundeskriminalamt erfasst gewesen wäre. Dieser These widersprechen allerdings die Ermittler.
Als vorbestrafter Sexualtäter hätte Mark H. Nach dem 1998 in Kraft getretenen und seitdem mehrfach verschärften DNA-Identitätsfeststellungsgesetz längst eine DNA-Probe genommen werden können, berichtete das Magazin.
Anzeige
Polizei und Staatsanwaltschaft haben dem Spiegel-Bericht allerdings widersprochen. Bis heute liege den Ermittlern kein verwertbarer genetischer Fingerabdruck des Täters vor, sagte der Leiter der Sonderkommission, Torsten Oestmann.
Selbst wenn der jetzt unter dringendem Tatverdacht verhaftete Marc H. In der Bundesdatei erfasst wäre, hätte er demnach nicht als Täter identifiziert werden können. Auch die Haare, die im August am Fundort der Leiche entdeckt wurden, hätten keinen brauchbaren genetischen Fingerabdruck ergeben. "Wir haben derzeit keine DNA, die uns in Lage versetzt, einen Abgleich durchzuführen", sagte Oestmann. Die vorhandenen DNA-Spuren seien höchstens geeignet, einen Verdacht zu erhärten.
Dagegen geht das Hamburger Magazin davon aus, dass sich an Jacke, Ranzen und Sporttasche DNA-Spuren des 31-Jährigen befunden hätten, die einen Tag nach dem Verschwinden der Achtjährigen gefunden wurden.
Ein Abgleich mit den mehr als 310.000 DNA-Datensätzen des Bundeskriminalamtes (BKA) sei jedoch ergebnislos verlaufen. Dabei hätten die Behörden laut Spiegel die DNA-Daten des als Sexualstraftäters Vorbestraften längst speichern können.
Nach dem 1998 in Kraft getretenen Gesetz werden in der Datenbank DNA-Muster von verurteilten Straftätern und auch von Beschuldigten gespeichert, denen ein schweres Verbrechen zur Last gelegt wird. Voraussetzungen sind ein Richterbeschluss und eine Prognose, dass der Betreffende auch künftig wieder eine schwere Straftat begehen könnte.
Ob diese Vorgaben auf den 31-Jährigen zutreffen, war zunächst unklar. Sicher ist, der am Mittwoch verhaftete Tatverdächtige war im Jahr 1994 wegen versuchter Vergewaltigung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden; in einem anderen Fall sexuellen Missbrauchs wurde gegen ihn ergebnislos ermittelt.
Der 31-Jährige hat gestanden, die achtjährige Levke am 6. Mai in Altenwalde im Süden von Cuxhaven in sein Auto gezerrt zu haben. Die Polizei geht davon aus, dass er sein Opfer binnen weniger Stunden missbrauchte und tötete.
Ein Pilzsammler fand die Leiche am 23. August in einem Wald bei Attendorn im Sauerland, rund 400 Kilometer von Cuxhaven entfernt. Bis zu 72 Beamte ermittelten gleichzeitig und häuften laut Spiegel 17.000 Überstunden an.
"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
(sueddeutsche.de/AP/dpa)
Bundespräsident Gauck in Jerusalem