Mordanklage gegen Paralympics-Star Wirbel um Doping-Vorwürfe gegen Pistorius

Die südafrikanischen Ermittler scheinen überzeugt, dass Oscar Pistorius seine Freundin ermordet hat. Zeitweise kamen auch noch Doping-Vorwürfe dazu. Die südafrikanische Polizei gab an, in Pistorius' Haus Testosteron und mehrere Spritzen gefunden zu haben. Auch wenn diese Angaben später korrigiert wurden, fürchten Verbände um das Image des Behindertensports.

Die Ermittler beschuldigen ihn des "vorsätzlichen Mordes", jetzt haben sie Oscar Pistorius zusätzlich des Dopings bezichtigt. Vor Gericht in Pretoria legte die südafrikanische Polizei die Ergebnisse einer Hausdurchsuchung bei Pistorius offen. Demnach fanden sie im Anwesen des Athleten das Mittel Testosteron, in seinem Schlafzimmerschrank lagen mehrere Spritzen.

So lautete zumindest die erste Version, die Chefermittler Hilton Botha - der inzwischen selbst unter Verdacht des versuchten Mordes steht - im Gerichtssaal vorbrachte.

Pistorius' Verteidiger Barry Roux erklärte, dass es sich dabei nur um ein pflanzliches Heilmittel mit dem Namen "Testo Compositum Coenzyme" gehandelt habe und nicht um verbotene Steroide. Auf Nachfrage räumte Botha ein, dass er nicht den gesamten Namen des Medikaments gelesen habe. Und in einer Mitteilung der zuständigen Staatsanwaltschaft hieß es später: "Es ist nicht klar, um was es sich handelt, bis die forensischen Tests abgeschlossen sind."

Doch auch wenn sich der Doping-Vorwurf derzeit als haltlos darstellt, hat er bereits Wellen geschlagen.

Zwar würde ein verurteilter Mörder Pistorius vermutlich noch keinen Schatten auf den gesamten Behindertensport werfen, da man seine Leistungen von dem trennen müsse, "was der Mensch Pistorius gemacht hat", wie Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), betonte.

Ein Dopingfall Pistorius würde aber für alle einen erheblichen "Beigeschmack" haben, befürchtet der DBS-Sportdirektor Frank-Thomas Hartleb. Das würde "den Hero des Behindertensports vom Sockel stoßen" und dem internationalen Behindertensport zugleich auch den größten Dopingskandal seiner Geschichte einbringen.

Lichtgestalt Pistorius

Pistorius ist die mit Abstand größte Identifikationsfigur seines Sports. Wie kein anderer hat es der Sprinter geschafft, eine weltweite Aufmerksamkeit auf die Paralympics zu lenken. Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) profitierte von ihm und warb bei jeder Gelegenheit mit ihm. Doch im Zuge der Mordanklage und des Dopingverdachts gegen den Südafrikaner sind nun auch schon die ersten Absatzbewegungen bei den Offiziellen zu erkennen.

Präsident Philip Craven schrieb bereits am Dienstag einen Brief an alle Mitglieder des IPC, in dem er versuchte, die Aufmerksamkeit vom Fall Pistorius auf die vielen jungen Nachwuchshoffnungen des Behindertensports zu lenken. "Wir haben so viele kommende Stars in unseren Reihen, dass das für uns kein Problem sein wird", meinte der frühere Rollstuhl-Basketballer aus Großbritannien mit Blick auf einen möglichen Ausfall des "Blade Runners" als paralympisches Zugpferd.

Andere Funktionäre äußerten sich wesentlich zurückhaltender. "Ich glaube nicht, dass die paralympische Bewegung ein Imageprobleme bekommt. Es werden schon seit längerem Dopingproben bei den Paralympics durchgeführt. Außerdem ist es noch nicht bewiesen, dass Pistorius auch gedopt hat", sagte der Generaldirektor des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Christophe de Kepper. Auch DBS-Sportdirektor Hartleb betonte: "Eines muss man festhalten: Der Fund von Dopingmitteln ist keine positive Dopingprobe. Er ist vielleicht ein Indiz, kann aber noch nicht gegen ihn vorgebracht werden", sagte er.

Hartleb unterstrich aber auch, dass die weit verbreitete Ansicht "Behinderter Sportler ist gleich ehrlicher Sportler" so pauschal nicht zutreffe. Ein Dopingfall Pistorius würde seiner Meinung nach bedeuten, dass "der Behindertensport in der Realität angekommen ist. Behindertensportler sind keine besseren Menschen als andere Sportler", meinte er.

Das Kosmetikunternehmen Thierry-Mugler teilte am Mittwoch mit, dass Pistorius künftig nicht mehr für das Parfüm "A*Men" werben wird. Aus Respekt und Mitgefühl gegenüber der von dem Verbrechen an Reeva Steenkamp betroffenen Familien seien alle Kampagnen mit Pistorius eingestellt worden, teilte das Unternehmen mit. Die Entscheidung gelte für alle Werbemittel und Länder. Pistorius war seit 2011 das Aushängeschild für das Parfum.

Eine frühere Version dieses Artikels trug die Überschrift "Pistorius jetzt auch unter Dopingverdacht". Das war so nicht korrekt und irreführend. Titel und entsprechende Textpassagen haben wir entsprechend geändert.