Mord in Hameln Drei Schüsse im Büro

Kerzen und Blumen zum Gedenken an den erschossenen Rüdiger Butte.

(Foto: dpa)

Offenbar ein kühl geplantes Attentat: Noch wird spekuliert über das Motiv des 74-Jährigen, der den Hamelner Landrat Rüdiger Butte getötet hat. Er hatte Streit mit den Behörden - wegen eines Zauns.

Von Charlotte Frank, Hamburg

Das Attentat soll kühl geplant gewesen sein, die Schüsse trafen gezielt: Nur einen Schuss aus seiner großkalibrigen Smith & Wesson brauchte nach Polizeiangaben der 74-jährige Hans B. am Freitag, um den Landrat Rüdiger Butte zu töten. Ein zweiter Schuss ging leer in den Raum. Nur einen dritten Schuss brauchte er, um sich anschließend selbst umzubringen. Das ergaben erste Ermittlungen um das tödliche Attentat auf Rüdiger Butte. Der Verwaltungschef von Hameln-Pyrmont wurde am Freitag in seinem Büro erschossen.

Das Motiv des Täters ist weiterhin unklar. Den Ermittlungen zufolge soll es einen jahrelangen Streit zwischen dem Täter und den Behörden gegeben haben: um einen Zaun. Das ergab die Auswertung diverser Dokumente, die Polizisten im Haus des Mannes sicherten. Sie nahmen außerdem sein Handy und seinen Computer zur Auswertung mit.

Hans B. besaß in seiner Heimat Nienstedt bei Bad Münder ein Grundstück in einem Landschaftsschutzgebiet, auf dem er Heidschnucken hielt. Vor sechs Jahren musste er den Zaun erneuern, er spannte Maschendraht und darüber Stacheldraht. Auf die Wiese zimmerte er zudem einen Unterstand für die Schafe. Doch 2009 schrieb ihm die Behörde, der Zaun sei zu hoch und für die Hütte liege keine Baugenehmigungen vor. Hans B. musste Bußgeld zahlen und den Zaun abreißen. Das ist drei Jahre her. Den Streit mit den Behörden soll er trotzdem erbittert weitergeführt haben. Ob die Auseinandersetzung das Motiv für die Bluttat war, konnten die Ermittler am Sonntag noch nicht sagen.

Hans B. setzte sich zunächst ruhig in den Wartebereich

Es war nicht das erste Mal gewesen, dass Hans B. Ärger mit den Behörden hatte. Mit 27 Jahren wurde er zum ersten Mal wegen Körperverletzung verurteilt, das war Ende der sechziger Jahre. Seitdem fiel der Mann, der geschieden ist und in seinem Haus alleine lebt, immer wieder auf, unter anderem wegen Betrugs und Körperverletzung. 1988 wurde ihm der Waffenschein entzogen. 2009 wurde er wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz verurteilt. Aber eine Waffe besaß er offenbar weiterhin.

Hans B., das ergaben die Ermittlungen, hatte seit Mitte vergangener Woche versucht, Rüdiger Butte telefonisch im Büro zu erreichen. Am Freitagmorgen kam er endlich durch, also war er sicher, den Landrat im Kreishaus anzutreffen. Um kurz vor zehn traf er dort ein. Er meldete sich in Buttes Vorzimmer im zweiten Stock, wechselte wenige Worte mit Buttes Sekretärin, setzte sich ruhig in den Wartebereich. Für das, was dann geschah, hinter der Bürotür des Landrats, gibt es keine Zeugen. "Da der Täter tot ist, müssen wir viele Fragen wie bei einem Puzzle lösen", sagt eine Polizeisprecherin.

Noch am Freitagabend kamen in Hameln im Weserbergland mehr als 500 Menschen zu einer Gedenkfeier für Rüdiger Butte zusammen. "Angesichts der Grausamkeit und angesichts des Todes sind wir sprachlos", sagte die Pastorin Münsterkirche St. Bonifatius. Rüdiger Butte wurde 63 Jahre alt. Er gehörte der SPD an und war seit 2005 Landrat im Kreis Hameln-Pyrmont. Er hinterlässt eine Frau, zwei Kinder und fünf Enkel.