Mord an Prager Taxifahrer Satanisten auf der Anklagebank

Sie hatten "Durst auf Blut": In Tübingen beginnt der Prozess gegen zwei Männer, die einen Taxifahrer in Prag mit 42 Beil-Hieben ermordet haben sollen. Die Staatsanwaltschaft spricht von einem "ausgeprägten Interesse am Satanismus und Vampirismus".

Von Kim Björn Becker

Weil sie "Durst auf Blut" gehabt haben sollen, müssen sich ein 16-jähriger Jugendlicher und ein 22-jähriger Mann seit Donnerstag vor dem Landgericht Tübingen verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt den beiden Männern aus Rottenburg gemeinschaftlichen Mord sowie versuchten gemeinschaftlichen Mord zur Last. Sie seien bereits einige Zeit vor den mutmaßlichen Taten verhaltensauffällig gewesen und leiden mit großer Wahrscheinlichkeit an einer Form des Asperger-Autismus.

Den Angeklagten wird vorgeworfen, in der tschechischen Hauptstadt Prag Anfang Juni des vergangenen Jahres einen 39-jährigen Taxifahrer mit insgesamt 42 Beil-Hieben ermordet zu haben. Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft hatten beide Männer "ein ausgeprägtes Interesse am Satanismus und Vampirismus". Bei dem 16-Jährigen sollen darüber hinaus Bilder sichergestellt worden sein, auf denen er sich als Vampir dargestellt habe.

Um ihren Blutdurst zu stillen, seien sie am Abend des 8. Juni 2013 an einen Taxistand am Stadtrand der tschechischen Hauptstadt gegangen und hätten einen dort wartenden Taxifahrer gebeten, sie an eine abgelegene Stelle zu bringen. Laut Staatsanwaltschaft handelte es sich um einen Ort "ohne zusammenhängende Bebauung und ohne jegliche Straßenbeleuchtung" in der Nähe eines Friedhofs.

Daumen abgetrennt

Nach der Ankunft sollen die beiden Männer und der Taxifahrer ausgestiegen sein, daraufhin habe der 22-jährige Mann den Taxifahrer festgehalten, während der 16-Jährige mehrfach mit einem Beil auf ihn einschlug. Dabei habe er dem Fahrer den Daumen abgetrennt und die Halsschlagader getroffen. Der Schädelknochen des Mannes war nach Angaben der Staatsanwaltschaft mehrfach gebrochen. Die Leiche des Opfers sollen die beiden Männer im Gebüsch versteckt, die Wertsachen des Familienvaters an sich genommen haben.

"Nach der Tat fuhren sie mit dem Taxi des Opfers noch ein paar Hundert Meter weit und übernachteten dann im Fahrzeug", sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Tübingen. Die Polizei wurde auf die Männer aufmerksam, weil der jüngere Angeklagte persönliche Dokumente im Taxi zurückgelassen habe. Darüber hinaus seien die Männer auf der Rückreise nach Deutschland im Zug von Prag nach München ohne Fahrkarte erwischt worden. Weil der 16-Jährige zu diesem Zeitpunkt bereits als vermisst gemeldet gewesen sei, wurden die Behörden schnell auf die Reisenden aufmerksam.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat das Duo schon einige Wochen zuvor versucht, einen Menschen zu töten. Zusammen mit einem Bekannten, gegen den gesondert ermittelt wird, sollen sie sich im Frühjahr 2013 in den Weinbergen nahe Metzingen auf die Suche nach einem Opfer gemacht haben. Mit einem Beil im Gepäck, so heißt es, haben sie sich einem geparkten Auto genähert. Der Fahrer sei allerdings weggefahren, als er die drei Männer habe näherkommen sehen.

Die Staatsanwaltschaft hält die beiden mutmaßlichen Täter für voll schuldfähig. Dem Älteren droht im Falle einer Verurteilung eine lebenslängliche Freiheitsstrafe, dem Jüngeren bis zu zehn Jahre Haft. Die Angeklagten hätten schon ein Geständnis abgelegt, heißt es. Zu Beginn des Prozesses äußerten sie sich allerdings nicht. Für den Prozess sind zehn weitere Verhandlungstage angesetzt, das Urteil soll spätestens Ende Mai fallen.