Mister Germany 2013 "Jeder Mensch ist eine Marke"

Der Moment des Triumphs: Jörn Kamphuis wurde am Wochenende zum schönsten Mann Deutschlands gekürt - das Resultat monatelanger harter Arbeit, wie er selbst sagt.

(Foto: dpa)

Im Anzug, in Jeans, oben ohne: Jörn Kamphuis, 24, macht, nun ja, eine gute Figur. Am Wochenende wurde er deshalb zum schönsten Mann Deutschlands gewählt. Unsere Autorin kennt Mister Germany noch aus der Schule. Ein Gespräch über strenge Selbstdisziplin und konsequente Selbstvermarktung.

Interview: Charlotte Theile

Jörn Kamphuis ist der Promi im Abi-Jahrgang unserer Autorin. C-Promi sagen manche ehemaligen Mitschüler, die seine Bemühungen, ins Fernsehen zu kommen, lächerlich finden. Durchtrainiert und dauergutgelaunt gewinnt er einen Schönheitswettbewerb nach dem anderen, wird als Werbefigur "Schlag den Super-Schultheiss" in Berlin zur lokalen Berühmtheit. Er macht einen Bachelor in Sportökonomie, gründet eine Firma, die beim Kennenlernen und Flirten helfen sollen und verkauft kohlenhydratarmes Brot übers Internet. Am Wochenende ist er nun Mister Germany geworden.

Seit der Schulzeit habe ich nicht mehr mit ihm gesprochen und erwarte einen überdrehten, angestrengt-fröhlichen Moderator, einen Profi. Doch Jörn ist ernst und seine Stimme klingt wie die eines Mannes, der zu viel arbeitet. Das Leben auf der Bühne scheint härter zu machen, als ich dachte.

SZ.de: Das letzte Mal, dass wir uns gesehen haben, war 2007 nach dem Abitur. Du wolltest danach als Animateur nach Mallorca. Richtig?

Jörn Kamphuis: Nach Griechenland. Dort war ich vier Monate lang als Allround-Entertainer für das abendliche Animationsprogramm mitverantwortlich, hab jongliert und Kleinkunst gemacht. Wenn die Bühne dein Zuhause ist, und das ist sie bei mir, dann ist das toll.

Du warst bei Richter Alexander Hold, hast im Kinderkanal den "Partycheck" komoderiert, dich als "Super-Schultheiss" im Kostüm vor einem Laden in Berlin schau-geprügelt. Jetzt Mister Germany. Hast du erreicht, was du wolltest?

Jörn Kamphuis hat Sportökonomie in Potsdam studiert. Für seinen weiteren Karriereweg hat der 24-Jährige einen genauen Plan.

(Foto: Privat)

Ich bin zufrieden, ja. Es steckt aber auch sehr viel Arbeit hinter den Erfolgen. Um Mister Germany zu werden, habe ich monatelang sechs Mal die Woche trainiert, bin jedes Mal bis an meine Grenzen und darüber hinaus gegangen. Ich hab mir täglich sechs Mahlzeiten selbst gekocht. Das ist ein riesiger logistischer Aufwand, man braucht viel Selbstdisziplin, viel Motivation. Das habe ich nicht gemacht, weil ich denke, ich will der schönste Mann Deutschlands sein. Mir geht es um Netzwerke. Mister Germany ist Teil eines größeren Plans für meine Zukunft, ein Puzzleteil im Puzzle meines Lebens.

Wo soll das hinführen? Du hörst dich an, als hättest du sehr klare Ziele vor Augen.

Die großen Ziele kann ich nicht verraten. Zwei Dinge sind mir wichtig: Ich will Moderator im Kinderfernsehen werden, nicht nur Ko-Moderation, sondern etwas Eigenes. Und ich will meine Firma, neulich.de, ein Start-Up, das ich mit drei Freunden gegründet habe, erfolgreich machen. Daneben gibt's noch jede Menge anderer Ziele: körperliche, private, zwischenmenschliche.

Du hast zwei Start-Ups gegründet, arbeitest als Model, Moderator, Werbefigur. Kannst du davon leben?

Ja. Ich schwimme nicht im Geld, denn alles, was ich verdiene, investiere ich direkt - in meine Firmen und in mich selbst.

Du bist ein großer Selbstvermarkter.

Jeder Mensch ist eine Marke und ich will meine eigene Marke stark machen. Ich will immer besser werden, Dinge erreichen, auf der Bühne stehen. Wichtig dabei ist: natürlich wirken, sympathisch. Das haben mir auch bei Mister Germany viele gesagt: "Hey Jörn, du kamst total natürlich rüber." Genau darum geht es.

Ist die ständige Selbstoptimierung nicht unglaublich anstrengend?

Einerseits ja. Andererseits: Mein Leben ist die absolute Vielfalt. Ich stehe jeden Morgen um halb sieben auf, meine Woche hat 70 Stunden, mindestens. Aber ich führe zu hundert Prozent das Leben, das ich führen will. Ich weiß, wofür ich das alles mache. Andere wissen das natürlich nicht - und manches, was ich tue, sieht für sie vielleicht komisch aus.

Hast du Angst, dass Leute dich für unseriös halten, wenn du dich in ein Superman-Kostüm zwängst oder dich für Mister Germany ausziehst?

Irgendwie schon. Denn die Gesellschaft hinterfragt nicht, wofür ich das alles tue, was die Ziele dahinter sind, wenn ich bei Richter Alexander Hold sitze oder für Mister Germany laufe. Wer mich kennt, weiß aber, wofür ich das alles tue.

Lass mich raten: Du willst berühmt werden.

Nein, will ich nicht. Es ist schön, bekannt zu sein, aber Berühmtheit ist etwas ganz anderes. Das kann dein Privatleben kaputt machen. Das will ich nicht.

"Eine Stadt, die dich verändert." Jörn Kamphuis, Mister Germany 2013, zur Zeit seines Umzugs nach Berlin - und anderthalb Jahre danach. Er sagt, es gebe keinen besseren Ort, um sich selbst zu verwirklichen.

(Foto: Privat)

Entschuldige, du bist gerade Mister Germany geworden.

Ach was. Ich werde zwei Wochen lang relativ gefragt sein, normalerweise geht's auch zu Stefan Raab. Deshalb bin ich aber nicht berühmt. Genauso wenig bin ich der schönste Mann Deutschlands. Ich funktioniere einfach gut auf der Bühne - deshalb habe ich diesen Wettbewerb gewonnen. Für ein Profi-Model hat mein Gesicht aber zu wenig Kanten, ist nicht "duck-face", also Entengesicht, genug.

Als du Mister Berlin wurdest, hat die Berliner Zeitung über dich geschrieben: "Wenn Berlin so wäre wie Jörn, wäre alles gut, möchte man meinen." Wie war das für dich?

Sehr schmeichelhaft, toll. Berlin ist ein großartiger Ort, um sich selbst zu verwirklichen. Anders als in der Grafschaft Bentheim, wo wir Abitur gemacht haben, ist der Anpassungsdruck nirgendwo so gering wie hier. In Berlin konnte ich vieles ausprobieren, was zu Hause nicht möglich gewesen wäre. Als wir uns das letzte Mal begegnet sind, war ich nicht ich selbst.