Das Martyrium der Jugendlichen im Ferienlager auf Ameland zog sich über Tage hin. Nun wirft die niedersächsische SPD-Landtagsfraktion der Landesregierung schwere Versäumnisse vor.
Albtraum im Ferienlager: Das Misshandlungsmartyrium, das sechs 13-Jährige während einer Sommerfreizeit auf der niederländischen Insel Ameland erleiden mussten, schockiert andere Teilnehmer, Eltern und Verbände.
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Die westfriesische Insel Ameland: Die idyllische und von Kinderfreizeiten gerne besuchte Insel wurde für sechs junge Freizeitteilnehmer zum Ort der Misshandlung . (© dpa)
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Nun meldet sich auch die Politik zu Wort: Die SPD-Landtagsfraktion in Niedersachsen wirft der Landesregierung schwere Versäumnisse vor. Vize-Fraktionschef Uwe Schwarz kritisierte in der Neuen Osnabrücker Zeitung, dass sich die CDU/FDP-Regierung aus der Fort- und Weiterbildung von Jugendleitern fast komplett zurückgezogen habe.
Das Land lasse die Verbände bei der Finanzierung allein, betonte Schwarz, der unter anderem auf eine Kürzung der Fördermittel für Bildungsstätten seit 2003 verwies. Er regte an, auch in Niedersachsen die Vorlage eines Führungszeugnisses von Jugendleitern zu prüfen.
Inzwischen gibt es neue Geständnisse in dem Fall. Ein Polizeisprecher sagte, zwei weitere Tatverdächtige hätten die Vorwürfe vollständig zugegeben. Er bestätigte damit einen Bericht der Neuen Osnabrücker Zeitung. Inzwischen stünden drei Jugendliche als Beschuldigte fest. Es gebe aber weitere Tatverdächtige, möglicherweise mehr als acht. Die Vernehmungen sollten bis zum Ende der Ferien Anfang August beendet sein.
Osnabrücks Oberbürgermeister Boris Pistorius zeigt sich bestürzt über die Übergriffe im Feriencamp des Stadtsportbunds Osnabrück auf der niederländischen Insel Ameland : "Als ich von den Vorwürfen erfahren habe, war ich entsetzt. Ich hoffe, dass die Ermittlungsbehörden die Geschehnisse lückenlos aufklären können, die Opfer professionellen, medizinischen und psychologischen Beistand erfahren und die mutmaßlichen Täter rechtliche Konsequenzen zu erwarten haben."
"Nicht zu tolerierende Angelegenheit"
Dass Kinder körperlich und seelisch zu Schaden gekommen seien, sei eine sehr ernste und nicht zu tolerierende Angelegenheit, schrieb Pistorius auf der Homepage der Stadt Osnabrück. Pistorius wies darin auch auf mögliches Versagen den Betreuer hin: "Sehr schwer wiegt der Vorwurf, dass möglicherweise ehrenamtliche Betreuer von den Vorfällen wussten, aber nicht in der Lage waren, zu reagieren." Die zuständigen städtischen Fachbereiche stünden in ständigem Kontakt mit der Polizei.
Wie die Neue Osnabrücker Zeitung berichtete, habe die Osnabrücker Polizei allen Eltern beziehungsweise den minderjährigen Opfern bereits eine psychologische Betreuung angeboten. Diese sei bislang allerdings nicht in Anspruch genommen worden.
In dem Forum der Stadt Osnabrück, der Internet-Plattform OScommunity.de, zeigten sich Jugendliche zum Teil erschüttert oder überrascht von den Nachrichten von Ameland, berichtete die Neue Osnabrücker Zeitung.
"Keiner hat das wirklich ernst genommen"
Eine Schülerin schrieb demnach: "Also ich bin mitgefahren, und für die Jungs war das immer eher ein Gag, und ich selbst hab nicht wirklich geglaubt, dass die Kerle das echt gebracht haben. Ich glaube, das hat keiner so wirklich ernst genommen, was da abging... selbst die Betreuer nicht." Von einer anderen jungen Nutzerin heißt es laut Neue Osnabrücker Zeitung: "Ich war da... und die Betreuer haben das mitgekriegt und nichts unternommen." Beide Beiträge seien inzwischen gelöscht worden, so die Neue OZ.
Der Präsident des Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, appellierte derweil an Eltern, genau darauf zu achten, mit wem sie ihre Kinder in den Urlaub schickten. Auch bei Reisen mit freien Trägern sollte es selbstverständlich sein, dass die Leitung eine gute sozialpädagogische Ausbildung, möglichst ein entsprechendes Studium und ausreichende Erfahrung hat, sagte er der Zeitung.
Hilgers betonte, dass er bisher den Eindruck gehabt habe, dass die freien Träger ihre Angebote sehr ordentlich organisieren. Vermutlich sei das auch bei dem Feriencamp auf Ameland der Fall gewesen. Dann allerdings sei die einzige Erklärung, die er für den Vorfall habe, dass einige Betreuer Urlaub gemacht hätten, statt ihre Aufgaben wahrzunehmen. Das Klima der Angst und Gewalt, das dort geherrscht haben müsse, müsste ihnen sonst aufgefallen sein, sagte er.
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(sueddeutsche.de/dpa/ehr)
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Zum Schicksal des Berufspolitikers gehört es leider, dass scheins alles Gesagte auch politisch produktiv sein muss - das gilt auch für die Stellungnahmen aus der SPD-Fraktion in Niedersachsen und damit auch für Uwe Schwarz.
Uwe Schwarz liegt mit seinen Hinweisen und Forderungen dennoch nicht verkehrt. Wenn man bedenkt, wieviele Lehrer mit ihren Jugendlichen jährlich auf Schulreise gehen und sich selbst die Reise zum persönlichen Extra-Urlaub ummodellieren, könnte es durchaus sein, dass über Umwege, wie das Ereignis und die Berichterstattung hier, Beiträge geliefert werden, wodurch auch Pädagogen sich an den eigenen Ohren gezogen fühlen und sich hierdurch vielleicht zumindest für kurze Zeit an ihre Aufgabenpakte während Schulfreizeiten erinnern.
das beste ist, wenn eine Familie als solche Urlaub macht. Kinder gehören nicht mit irgendwem irgendwohin.
Wenigstens haben wir es jetzt Schwarz auf Weiß: Hätte die SPD regiert, wäre das alles nie geschehen!
Die Verharmolsung der Vergewaltigungen 13-Jähriger Jungs durch andere etwa gleichaltrige Jungs während o.g. Ferienfreizeit, durch diese in den Kontext normaler männlicher Entwicklungsprozesse zu setzten, ist mir auch aufgefallen. Im Fernsehen lächelte ein Psychoanlalyst und Familientherapeut dabei. Merkwürdigerweise hat keiner die Frage gestellt, ob die Täter nicht auch schon einmal Opfer waren, bevor sie beschlossen andere Kinder zu vergewaltigen.
Ich frage mich wessen Interesse es dienen soll, dass Vergewaltigungen von Jungs durch Jungs als normal angesehen werden?
Da können sich die Jungs und Mädels ja auf was gefasst machen. Ohne Ausbildung in Selbstverteidigung und ohne Ausrüstung mit Tränengas sollten Kinder wohl nicht mehr auf Freizeiten geschickt werden.
Auch ein ausgebildeter Jugendleiter hätte das nicht verhindern können.Anhänger der Reformpädagogik hätten es evtl.noch gutgeheissen, wie wir seit dem Fall der Odenwaldschule wissen.
Unserer Gesellschaft ist der Kompass abhandengekommen !
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