Missbrauchsvorwurf Bill Cosby: Verfahren wird nicht eingestellt

  • Ein Richter lehnte am Mittwoch ab, ein Strafverfahren gegen Bill Cosby einzustellen.
  • Es geht um einen Fall der "schweren sexuellen Nötigung" aus dem Jahr 2004.
  • Die Anwälte beharren auf eine damals getroffene Vereinbarung, nach der Cosby nicht strafrechtlich belangt werden würde.

Der Schauspieler und Entertainer Bill Cosby muss sich wegen Vorwürfen sexueller Nötigung weiter vor Gericht verantworten. Ein Richter lehnte es am Mittwoch ab, das Verfahren einzustellen. Damit kommt es nun zu einer Vorverhandlung am 8. März, bei der die Beweislage gegen Cosby geprüft werden soll.

Vorwurf: "schwere sexuelle Nötigung"

In dem Strafverfahren geht es um einen Fall aus dem Jahr 2004, in dem die Staatsanwaltschaft Cosby "schwere sexuelle Nötigung" zur Last legt. Bei einer Verurteilung drohen dem TV-Star bis zu zehn Jahre Haft und 25 000 Dollar Geldstrafe.

Cosby soll im Jahr 2004 die Basketball-Trainerin Andrea Constand betäubt und mit seiner Hand sexuell missbraucht haben. Der Übergriff soll laut Staatsanwalt im Haus des Schauspielers in Cheltenham bei Philadelphia stattgefunden haben. Die Mitarbeiterin habe Cosby damals als "Mentor und Freund" vertraut.

Cosby habe bereits davor, so schreiben es die Ankläger, Constand ungefragt die Hände an die Innenschenkel gelegt oder ihre Hose aufgeknöpft. Bei einem späteren Treffen habe er sie mit Pillen betäubt (Constand war davon ausgegangen, dass es sich um pflanzliche Mittel handelte), und anschließend sexuell missbraucht. Cosby hatte bei einer Befragung betont, dass es sich um einvernehmlichen Sex gehandelt hatte.

Bei dem Fall kam es zwar zu einer Zivilklage, diese wurde jedoch mit Zahlung einer Entschädigung in unbekannter Höhe beigelegt. Ein Strafverfahren gab es damals nicht. Der ermittelnde Staatsanwalt glaubte, nicht genug Beweise gegen den Schauspieler zu haben. Stattdessen stimmte er zu, Cosby nicht anzuklagen, wenn er in einem Zivilverfahren kooperiere. Auf dieses Versprechen pochten jetzt Cosbys Anwälte.

Anwälte von Cosby verweisen auf Vereinbarung

Die Anwälte von Cosby führten nun an, dass ihr Mandant 2005 eine bindende Vereinbarung mit dem damaligen Bezirksstaatsanwalt geschlossen habe. Nach dieser Vereinbarung würde Cosby nicht strafrechtlich verfolgt werden. Diese Argumentationslinie wies Richter Steven O'Neill jedoch zurück.

Der damalige Bezirksstaatsanwalt sagte ebenfalls vor Gericht aus. Wie das Wall Street Journal berichtet, soll er der Überzeugung gewesen sein, dass Cosby die Mitarbeiterin "unangebracht angefasst" hatte. Der Anwalt soll davon ausgegangen sein, dass ausreichend Beweise fehlen würden, um vor Gericht zu gewinnen.

Anschuldigungen von 50 Frauen

Insgesamt beschuldigen inzwischen mehr als 50 Frauen den einstigen Star der "Cosby Show", sie sexuell missbraucht zu haben. Zu Cosbys mutmaßlichen Opfern gehören Models, Kellnerinnen und Mitarbeiterinnen aus dem Showgeschäft.

Die Fälle reichen bis in die 60er Jahre zurück, die meisten sind daher bereits verjährt. Cosby bestreitet die Vorwürfe vehement.

In zwei Fällen war kürzlich entschieden worden, dass sich Cosby nicht vor Gericht verantworten muss. Die Staatsanwaltschaft von Los Angeles verzichtete in beiden Fällen auf eine Anklage, da die Vorwürfe bereits verjährt seien. Außerdem gebe es nicht genügend Beweise gegen Cosby.