Zum Inzest-Fall von Amstetten kommen immer neue Details ans Licht. Während der geständige Verdächtige Josef F. im Gefängnis vor Mithäftlingen geschützt wird, betreuen Psychologen die traumatisierten Opfer.

Ein österreichischer Haftrichter hat für den 73-jährigen Josef F., der seine Tochter seit 1984 in einen Keller gesperrt und missbraucht hatte, am Dienstag Untersuchungshaft angeordnet. Die Staatsanwaltschaft in St. Pölten teilte mit, die Untersuchungshaft gelte zunächst für zwei Wochen, könne aber im Rahmen der Ermittlungen verlängert werden. Der Mann hatte am Montag ein komplettes Geständnis abgelegt.

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Demnach sperrte er seine heute 42 Jahre alte Tochter Elisabeth 24 Jahre lang im Keller ein, schlug und missbrauchte sie und zeugte sieben Kinder mit ihr. Drei der Kinder zog er mit seiner Frau groß, drei lebten im Keller, eines war kurz nach der Geburt gestorben. Die Familie des Mannes, der in den Medien als herrischer Tyrann mit einem teuflischen Doppelleben beschrieben wird, befand sich am Dienstag in der Obhut von Psychologen.

Den Umständen entsprechend gehe es ihnen gut, sagte der Kinderpsychologe Paulus Hochgatterer im Fernsehsender ORF. Es handelt sich um die 69-jährige Frau des Täters, seine 42-jährige Tochter sowie fünf ihrer Kinder. Eine weitere Tochter liegt in lebensbedrohlichem Zustand im Krankenhaus. Die Familie werde zunächst weiterhin von der Außenwelt abgeschirmt, da sie sehr traumatisiert sei und vor zuvielen Eindrücken sowie der Neugier der Medien geschützt werden solle, erläuterte Hochgatterer. Erst "sehr allmählich" sollten sie mit ihrer Umwelt in Kontakt treten.

Die seit ihrer Geburt in einem dunklen Kellerverlies lebenden Kinder werden möglicherweise von Amtswegen eine neue Identität erhalten. Damit solle ihnen eine geordnete Zukunft ohne ständige Verfolgung durch die Medien ermöglicht werden. Dies betonte der Bezirksvorsteher der niederösterreichischen Kleinstadt Amstetten, Hans-Heinz Lenze, am Dienstag in der ORF-Nachrichtensendung "Zeit im Bild". Zurzeit werde "im Einvernehmen mit der Familie nach einer Lösung gesucht", sagte der Politiker.

Man müsse sich aber "mit dem Gedanken vertraut machen, dass wir hier eine Namensänderung herbeiführen". Ob dies auch für die in dem Kellerverlies gefangen gehaltene älteste Tochter Elisabeth gilt, sagte Lenze nicht. Der Bezirkspolitiker betonte, dass die drei bislang verheimlichten Kinder nicht standesamtlich registriert und damit "noch nicht einmal österreichische Staatsbürger" seien. Dies sei allerdings nur eine Formalie. Wichtiger sei es jetzt, sich Gedanken über die schulische Ausbildung der drei Kinder zu machen, die ihr ganzes Leben lang in dem Kellerverlies eingesperrt waren.

Seinen Angaben zufolge werden die Opfer des Martyriums, die 42-jährige Elisabeth und fünf ihrer sechs Kinder, nach wie vor in einem "geschützten Bereich" des Landesklinikums Amstetten-Mauer betreut und behandelt. Für das betreuende Ärzte- und Therapeutenteam habe der Schutz der Patienten "oberste Priorität". Die Experten gehen davon aus, dass die Behandlung der Opfer mehrere Wochen in Anspruch nehmen wird. Unverändert kritisch ist der Zustand des sechsten Kindes, der 19-jährigen Kerstin, die auf der Intensivstation des Krankenhauses von Amstetten liegt. Dort werde sie künstlich beatmet, einer Antibiotikabehandlung und einer Dialyse unterzogen.

Keine akute Selbstmordgefahr

Der geständige Josef F. wird derweil im Gefängnis von den übrigen Gefangenen abgeschirmt, um ihn vor Übergriffen zu schützen. Der 73-Jährige habe bei seiner Einlieferung "einen ruhigen und gefassten Eindruck gemacht", sagte der Leiter der Justizanstalt St. Pölten, Günther Mörwald, der österreichischen Nachrichtenagentur APA. F. sei bereits von einem Psychologen und einem Psychiater untersucht worden. Beide hätten festgestellt, dass derzeit keine akute Selbstmordgefahr bestehe.

Die Auswahl der Kinder, die in der oberen Wohnung leben durften, und derjenigen, die im Keller einsperrt wurden, dürfte davon abhängig gewesen sein, in welchem Gesundheitszustand sich die Kleinen befanden und ob sie "Schreikinder" waren. Das sagte Chefinspektor Leopold Etz vom Landeskriminalamt Niederösterreich der APA. Allerdings seien noch nicht alle Details bekannt. "In den drei bis vier Stunden der Einvernahme konnten wir nicht 24 Jahre Geschichte abfragen", sagte Etz.

Schwierige Annäherung der Kinder

Die Annäherung zwischen den Kindern aus dem Keller und jenen, die im Haus aufwuchsen, sei natürlich eine sensible Angelegenheit, sagte Bezirkshauptmann Lenze. Es werde in der Landesnervenklinik dafür gesorgt, "dass alle eine Beschäftigung haben". Die Kinder seien alle zusammen in einem Bereich untergebracht. Für die Geschwister der 42-Jährigen beziehungsweise die Mitschüler der Kinder, die bei den Großeltern aufwuchsen, gebe es Kriseninterventionsteams, diese könnten im Bedarfsfall zur Verfügung stehen, sagte Lenze.

Josef F. ist nach Angaben seines Anwalts aufgrund der jüngsten Ereignisse "emotional gebrochen". Der Strafverteidiger Rudolf Mayer sagte der Nachrichtenagentur APA am Dienstag, er habe sich mit dem 73-Jährigen, der seit Montag im Gefängnis von St. Pölten sitzt, am Dienstagmorgen etwa zehn Minuten unterhalten. Sein Mandant habe "ernst, betroffen, emotional gebrochen" gewirkt. Der Strafverteidiger betonte, er habe sich mit seinem Mandanten über die im Raum stehenden Vorwürfe "noch nicht unterhalten". F. muss mit Anklagen wegen Vergewaltigung und schwerer Freiheitsberaubung rechnen. Ihm droht dabei insgesamt eine Höchststrafe von 25 Jahren.

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(AP/AFP/dpa/ihe/dgr)