Missbrauch in katholischer Kirche "Ehe wird trotz Missbrauchsfällen nicht abgeschafft"

sueddeutsche.de: Kritiker sagen, das zölibatäre Leben sei eine Ursache für den Missbrauch an Jugendlichen durch Geistliche.

Dybowski: Das sind zwei verschiedene Themen, die an zwei verschiedenen Stellen überlegt und diskutiert werden müssen. Aber die Tatsache, dass sexueller Missbrauch nicht allein nur in der katholischen Kirche passiert, wäre für mich zumindest die Erklärung dafür, dass es keinen Zusammenhang gibt.

sueddeutsche.de: Schließen Sie ihn aus?

Dybowski: Nein. Aber ich denke, es gibt Prinzipien, die gehen weit über diese konkreten Fälle hinaus.

sueddeutsche.de: Sie meinen das Prinzip der Ehelosigkeit?

Dybowski: Es kann ja nicht sein, dass man die Lebensform ändern soll, nur weil, wie jetzt, ein solcher Fall vorliegt.

sueddeutsche.de: Wie geht die katholische Kirche intern mit dem Thema Missbrauch um?

Dybowski: Da hat ein Bewusstseinswandel eingesetzt. Die Kirche lernt. Über die ganze Beziehungsproblematik wurde lange geschwiegen. Jetzt setzt sich die Kirche damit auseinander, zeigt Transparenz und Ehrlichkeit. Auf diesem Weg wollen wir altes Unrecht aufarbeiten und zukünftige Opfer vermeiden.

sueddeutsche.de: Transparenz und Ehrlichkeit sind abstrakte Begriffe, können Sie ein Beispiel nennen?

Dybowski: Man versucht das Thema Missbrauch überall dort anzusprechen, wo Menschen mit anderen in Berührung kommen. Denn überall da gäbe es ja die Möglichkeit. Konkret muss sicherlich noch stärker in der Priesterausbildung thematisiert und beobachtet werden. Auch ob bei Menschen solche Neigungen zu erkennen sind.

sueddeutsche.de: In der Öffentlichkeit entsteht der Eindruck, dass sich diese Fälle häufen.

Dybowski: Sie finden auch Missbrauchsfälle in der Ehe, in der Familie. Deswegen würde man nicht auf die Idee kommen, die Ehe abzuschaffen.

sueddeutsche.de: Haben sich im aktuellen Missbrauchsvorwurf weitere Opfer bei Ihnen gemeldet?

Dybowski: Bis jetzt kann ich dazu nichts sagen. Es ist ja ganz frisch, dass wir in der Gemeinde darüber gesprochen haben. Das wird sich zeigen.