In Deutschland dürfen Frauen nach der Geburt acht Wochen lang nicht beschäftigt werden. Frankreichs Justizministerin Rachida Dati ist nach nur fünf Tagen wieder im Dienst.

Die französische Justizministerin Rachida Dati ist fünf Tage nach der Geburt ihres ersten Kindes wieder zum Dienst angetreten. Die 43-Jährige kam am Mittwochvormittag zu Fuß zur Kabinettssitzung im Élysée-Palast.

Bild vergrößern

Strahlend zurück im Dienst: Frankreichs Justizministerin Rachida Dati. (© Foto: Reuters)

Anzeige

Im dunklen Kostüm und mit Stöckelschuhen ließ sich die Ministerin kurz fotografieren, bevor sie mit Kollegen im Amtssitz von Präsident Nicolas Sarkozy verschwand. Der gratulierte der "jungen Mama", die am ersten Arbeitstag nach der Geburt gleich vier Termine wahrnahm.

Datis Tochter Zohra war am Freitag zwei Wochen vor dem geplanten Geburtstermin auf die Welt gekommen. Die Klinik verließ sie erst am Mittwochmorgen. Zur schnellen Wiederaufnahme der Amtsgeschäfte durch Dati sagte Regierungssprecher Luc Chatel, ein Ministerposten bedeute Anwesenheit "in jedem Augenblick". "Minister sein ist eben kein Beruf wie jeder andere", fügte er hinzu.

Dati hatte bereits vor der Geburt angekündigt, dass sie höchstens eine Woche aussetzen wolle. Sie hatte am vergangenen Freitag per Kaiserschnitt entbunden und war am Mittwochmorgen aus der Klinik entlassen worden.

Dati versuche eben, ihr Familienleben und ihren Einsatz in der Regierung miteinander zu kombinieren. In Deutschland dürfen Frauen nach der Geburt acht Wochen lang nicht beschäftigt werden.

"Es geht mir sehr gut, danke", sagte Dati strahlend, als sie den Élysée-Palast wieder verließ. Die aus einer Einwandererfamilie stammmende Politikerin weigert sich bisher standhaft, den Namen des Vaters ihres Kindes zu nennen, was Anlass zu wilden Spekulationen gibt.

Mehrere Politiker, darunter Sportstaatssekretär Bernard Laporte und Spanies Ex-Regierungschef José María Aznar, haben offiziell dementiert, Vater des Kindes zu sein. Die Ministerin selbst hatte im September lediglich gesagt, sie habe "ein kompliziertes Privatleben".

In den vergangenen Monaten war mehrfach über eine baldige Ablösung Datis spekuliert worden. Die Ministerin mit einer Schwäche für Luxus-Kleider hatte anfangs zu den Stars von Sarkozys Regierung gehört, büßte ihre Beliebtheit nach heftigem Widerstand gegen ihre Reformen im Justizsystem aber ein. In Frankreich ist Dati bereits die vierte Ministerin, die während ihrer Amtszeit ein Kind auf die Welt bringt. Unter ihnen war auch die ehemalige sozialistische Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal, die 1992 als Umweltministerin mit dem letzten ihrer vier Kinder niederkam und auch schon kurz darauf wieder ihre Amtsgeschäfte wiederaufnahm.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Der Trauertänzer

"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...

(dpa/AFP/hai)