Von J. Cáceres

Die Auslieferung wird zur TV-Soap: Ein mutmaßlicher Aktienanlage-Betrüger wird 18 Jahre nach der Tat in Mexiko enttarnt - und von den Spaniern gefeiert.

Natürlich flossen auch Tränen, wie könnte es anders sein. Achtzehn Jahre lang hatte José Pérez Díaz, 57, in Mexiko ein Doppelleben als Roberto García Pérez geführt und spanischen Boden nicht mehr betreten.

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"Pepe von der Popular-Bank": Roberto García Pérez ist mittlerweile fast allen Spaniern ein Begriff. (© Foto: dpa)

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Nun stand er schluchzend in der Ankunftshalle des Flughafens Madrid-Barajas und fiel seiner Tante und einigen Cousins um den Hals - im Blitzlichtgewitter, wie es einem Medienstar gebührt, der mittlerweile fast allen Spaniern ein Begriff ist.

Hinter dem Allerweltsnamen José Pérez Díaz verbirgt sich "Pepe el del Popular", zu Deutsch in etwa: "Pepe von der Popular-Bank." Der einstmals respektierte Direktor der Filiale Nummer eins der Banco Popular de España in Santander hatte Anfang der 90er Jahre die Flucht aus der Heimat ergriffen, weil ihm ein sagenhafter, millionenschwerer und bis heute ungeklärter Betrug vorgeworfen worden war.

Er galt als einer der berühmtesten Flüchtigen - bis er vor wenigen Wochen in Mexiko gefasst wurde und sich sein Auslieferungsprozess zur TV-Soap entwickelte.

Pepe wird vorgeworfen, Anfang der 90er Jahre sechs Milliarden Peseten ergaunert haben, rund 36 Millionen Euro. Angeblich hatte er einer Auswahl seiner insgesamt 2000 Filialkunden ein todsicheres Investitionsangebot mit einer zwölfprozentigen Rendite versprochen; 300 Klienten gingen ihm damals auf den Leim.

Angeblich wurde ihr Geld nie auf Konten der Bank gutgeschrieben, was aber aus den Millionen wurde, ist bis heute ein Rätsel. Die Bank behauptet, dass sie Pérez auf die Schliche gekommen war. Pérez wiederum beteuert steif und fest, er habe das Geld nicht eingesackt. "Hätte ich sonst in Mexiko ein so bescheidenes Leben geführt?", fragt er.

Bis seine Rechtslage endgültig geklärt sei, wolle er lieber schweigen, rief der Beschuldigte am Samstag in 40 Mikrofone, die ihm in der Flughafenhalle vors Gesicht gehalten wurden. Mittlerweile geht das Gerücht, dass Pérez von einem Fernsehsender in einem Luxushotel einquartiert wurde und dort von den Medien abgeschottet wird, bis diese Woche ein Exklusiv-Interview ausgestrahlt ist.

Eigentlich hätte Pérez nichts zu befürchten, ein spanischer Richter hatte am Karfreitag befunden, dass sein Fall verjährt sei. Angeblich will aber die Banco Popular nicht locker lassen. Sie hat über ihren Anwalt angekündigt, auf einem Prozess gegen den Rückkehrer zu bestehen.

Dass er überhaupt die Heimreise antreten musste, liegt daran, dass er am 23. März in Mexiko in einem US-Konsulat um ein Visum ersuchte. Er wollte zu einer Baumesse nach Chicago reisen. Kaum hatten die Konsularbeamten den Abdruck von Pepes rechtem Zeigefinger mit den Datenbankbeständen abgeglichen, klickten schon die Handschellen. Pérez Díaz wurde in das Gefängnis Indalecio Allende der mexikanischen Hafenstadt Veracruz verbracht, eine fehlende Fingerkuppe beseitigte den allerletzten Zweifel an seiner Identität.

Im Gefängnis wurde "Pepe el del Popular" dann richtig populär - zumindest zur Essenszeit in Spanien. In etlichen Fernsehinterviews, die mittags in den Hauptnachrichtensendungen oft genug zum Aufmacher wurden, beteuerte der Exil-Spanier immer wieder seine Unschuld. Seine Ehefrau Diana Ortega erlangte ebenfalls Kultstatus. Die frühere Lokalpolitikerin der PRI-Partei will nicht nur bezüglich der Betrugsvorwürfe ahnungslos gewesen sein.

Ahnungslose Ehefrau

Sie habe nicht mal gewusst, mit wem sie vierzehn Jahre lang ein Haus bei Mexiko-Stadt bewohnte und einen nunmehr zehnjährigen Buben zeugte. Für sie war "Pepe el del Popular" genauso wie für die mexikanischen Behörden Roberto García Pérez, ein auf den Verkauf von Fliesen und Badezimmerzubehör spezialisierter Händler.

Sie liebt ihn noch immer, beim tränenreichen Abschied machte sie ihm immer wieder Kreuzzeichen auf die Stirn und auf die Brust. Die mexikanischen Behörden waren nicht so wohlwollend. Kaum waren die Vorwürfe in Spanien fallengelassen worden, hatten sie Roberto alias Pepe auch schon einen Ausweisungsbefehl ausgehändigt.

"Ich will vor allem meine Identität zurückerobern und meinen Vater besuchen", sagte Pepe, als er wieder spanischen Boden betrat. 94 Jahre ist Pepes Papa nun alt, Angehörige berichten, dass man ihm die ganze Geschichte vorenthalten habe, aus Rücksicht auf sein Alter. Letztmalig wurde der verlorene Sohn Pepe 1991 gesehen, bei der Trauerfeier für einen Bankkollegen, mit dem er mal ein Abenteuer überstanden hatte. Gemeinsam hatten sie einen bewaffneten Bankräuber in die Flucht geschlagen.

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(SZ vom 21.04.2009)