Sechs Babys mussten in China sterben, weil Unternehmen verseuchte Milch in Umlauf gebracht hatten. Jetzt stehen 15 Verdächtige vor Gericht, darunter vier Hersteller.
Im Skandal um mit Melamin verseuchtes Milchpulver müssen sich in China vier Hersteller wegen "Gefährdung der öffentlichen Sicherheit" seit Montag vor Gericht verantworten. Insgesamt stehen 15 Verdächtige vor Gericht. Den vier Milchpulver-Herstellern wird in der nordchinesischen Stadt Shijiazhuang der Prozess gemacht - dort, wo auch der Milchkonzern Sanlu seinen Sitz hat.
Bild vergrößern
Betroffener Säugling: Fast 300.000 Babys sind wegen des verunreinigten Milchpulvers in China erkrankt. Mindestens sechs sind an den Folgen gestorben. (© Foto: Reuters)
Anzeige
Allen 15 Verdächtigen wird vorgeworfen, die Chemikalie Melamin hergestellt und verkauft zu haben. Sie wurde der Milch offenbar zugesetzt, um einen höheren Proteingehalt vorzutäuschen.
Die Ankläger am Gericht in Shijiazhuang argumentierten, das Proteinpulver habe eine "ernste Gefahr für die Gesundheit und das Leben von Verbrauchern" dargestellt, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.
Es handelt sich um die schärfste Anklage, seit das Gesundheitsministerium bekanntgab, dass verunreinigtes Milchpulver für den Tod von mindestens sechs Säuglingen und die Erkrankung von fast 300.000 Babys verantwortlich sein soll. Bei Kindern kann Melamin in hoher Konzentration zu Nierenversagen führen.
Die vier Tatverdächtigen sollen zwischen Dezember 2007 und August 2008 mehr als 200 Tonnen Proteinpulver unter Beimischung von Melamin hergestellt und verkauft haben. Falls sie schuldig gesprochen werden, droht ihnen mindestens eine Strafe von zehn Jahren Haft bis hin zur Todesstrafe.
Fünf weitere Angeklagte müssen sich seit Montag wegen "Herstellung und Verkauf von giftigen Nahrungsmitteln" verantworten. In China laufen bereits andere Prozesse gegen mehrere Milchhändler.
Chinas Milchindustrie will Entschädigung zahlen
Den Berichten zufolge soll am Mittwoch auch der ehemalige Hauptgeschäftsführer des Milchkonzern Sanlu, Tian Wenhua, vor dem Gericht in Shijiazhuang gestellt werden. Der im Zentrum des Skandals stehende Milchkonzern Sanlu hatte in der vergangenen Woche Insolvenz angemeldet. Nach Behördenangaben hatte Sanlu seit März von der verseuchten Milch gewusst, startete jedoch die nationale Rückrufaktion erst im September.
Unterdessen haben die in den Milchpulver-Skandal verwickelten chinesischen Lebensmittelkonzerne einen Fonds für Entschädigungszahlungen der Betroffenen gegründet. Alle Opfer erhielten eine einmalige Zahlung in unbekannter Höhe, berichteten chinesische Medien.
Damit wollten sich die 22 Hersteller nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua bei den Familien entschuldigen. Zudem stellten die Milchproduzenten Geld bereit, um Kosten von möglichen Folgeerkrankungen abzudecken.
"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
- China: Milchpulver-Drama Pleite einer Skandalfirma 26.12.2008
- China 27 Festnahmen im Milchskandal 30.09.2008
- Babymilch-Skandal in China Zehntausende Kinder erkrankt 22.09.2008
- Milchskandal in China Drama um vergiftete Kinder 21.09.2008
- China "Chaotische Zustände der Milchindustrie" 18.09.2008
(dpa/hai/bre)
Bundespräsident Gauck in Jerusalem
Interessant was die so in China machen. Unser bayerischer Landwirtschaftsminister hätte in so einem Falle bei uns gedroht Namen zu nennen, wenn das in den nächsten zwei Jahren mehr als 20 mal vorkommt.