Mikronationen Der Globus der Fantasten

  • Ein Tscheche hat ein "Liberland" gegründet und sich zum Präsidenten wählen lassen.
  • Weltweit gibt es einige Mikronationen, die sich als souveränes Land ausgeben.
  • Monaco und Vatikanstadt sind aber die einzigen völkerrechtlich anerkannten Mini-Staaten.
Von Julia Rothhaas

Wer von einem eigenen Land träumt mit eigenen Regeln, hat sich meist über etwas geärgert. Vielleicht über eine Baustelle vor der Tür, einen unhöflichen Menschen in der U-Bahn oder das Wetter. Vít Jedlička aus Prag, Mitglied der Partei der Freiheitlichen in Tschechien, hält nicht viel vom Träumen. Er hat gemeinsam mit ein paar Mitstreitern in der vergangenen Woche einfach ein "Land" gegründet - und sich gleich zum Präsidenten wählen lassen.

Liberland ist nur sieben Quadratkilometer groß und liegt am westlichen Ufer der Donau zwischen Kroatien und Serbien. Für das Stück Niemandsland habe sich keines der Nachbarländer im Rahmen ihrer Gebietsstreitigkeiten je interessiert, so Jedlička. Praktisch, denn die Gründer Liberlands waren mit der Regierung in ihrer Heimat sowieso unzufrieden. Jetzt wollen sie alles besser machen: "Leben und leben lassen", lautet ihr Motto. Auf liberland.org rufen sie Menschen jeder Hautfarbe, Religion oder Ethnie auf, sich als Einwohner zu bewerben, von Nazis und Kommunisten abgesehen.

Warten auf die diplomatische Anerkennung

Bisher sind mehr als tausend Bewerbungen für eine Staatsangehörigkeit per E-Mail eingegangen, auf Facebook hat Liberland 20 000 Fans. Und so warten die Liberländer nur noch auf eines: ihre diplomatische Anerkennung. Ein kühnes Vorhaben. Zwar gibt es weltweit eine Reihe von Mikronationen, die sich als eigenes souveränes Land ausgeben. Doch obwohl sie sich alle Mühe geben mit bunten Flaggen, Briefmarken und Währungen, sind sie international nicht anerkannt. Auch die Pässe, die viele von ihnen ausstellen, dürften bei Grenzbeamten und am Flughafen eher Schmunzeln auslösen. Die Länder sind Kuriositäten, echte Randerscheinungen. Auch wenn sich die Gründer selbst oft sehr ernst nehmen und sich selbstbewusst mit Monaco oder Vatikanstadt vergleichen. Mit dem großen Unterschied, dass diese Zwergstaaten völkerrechtlich anerkannt sind.

Was den Mikronationen niemand nehmen kann, sind die oft skurrilen Geschichten ihrer Gründung. Etwa die Besetzung einer verlassenen Plattform in der Nordsee, um einen illegalen Radiosender zu führen (Sealand), oder der Ärger über Warteschlangen vor einem Grenzposten (Conch Republic). Aber Achtung: Zu viel sollte man sich von solchen Ländern nicht erwarten. Wer etwa meint, knapp 600 Kilometer vom australischen Perth aus nördlich in die Wüste fahren zu müssen, um dort Prinz Leonard im Fürstentum Hutt River zu treffen (und im besten Fall Prinzessin zu werden . . .), wird enttäuscht. Ja, man sitzt kurz auf seinem Holzthron. Und, ja, im besten Fall wäre man Herrscherin über 75 Quadratkilometer Staub. Nach stundenlangen Fahrt weiß man aber auch: Der Prinz ist 89.