Mexiko Der Papst im Drogen-Knast

Weibliche Gefangene haben ein Lied für den Papst einstudiert. Nun kehren sie in ihre Zellen zurück, bewacht von einem Aufseher.

(Foto: Jose Luis Gonzales/Reuters)

In Mexiko besucht Franziskus eines der berüchtigtsten Gefängnisse des Landes. Doch so schlimm sei es in Cereso 3 gar nicht mehr, behauptet der Leiter der Anstalt.

Von Sebastian Schoepp

Lange Zeit galt Cereso 3 als das gefährlichste Gefängnis Lateinamerikas. Es liegt in einer der gefährlichsten Gegenden der Welt, nämlich bei Ciudad Juárez an der Grenze Mexikos zu den USA, wo Drogenkartelle ihr mörderisches Unwesen treiben. Diese Superlative müssen anziehend auf Papst Franziskus gewirkt haben, getreu seiner Devise, dass man sich auf den staubigen Wegen des Lebens halt die Füße schmutzig mache, wie er mal bei einem Gefängnisbesuch in den USA sagte. Nun wird Franziskus im Rahmen seiner Mexikoreise am Mittwoch Cereso 3 aufsuchen.

Die Gelegenheit zu beweisen, dass sich einiges geändert hat

Jorge Bissuet Galarza ist vor der Visite nicht bange. Er sieht sie vielmehr als Gelegenheit zu beweisen, dass sich einiges geändert hat, seit er im Bundesstaat Chihuahua Chef der Centros de Reinserción Social (Ceresos) ist, der Zentren für soziale Wiedereingliederung, vulgo Gefängnisse. Lange hätten in den Mauern die Kartelle über die etwa 3000 männlichen und 280 weiblichen Gefangenen geherrscht, berichtete er dem Magazin Proceso. Es gab Erpressung, Gewalt, eine interne Hierarchie der Häftlinge, die die Anstalt faktisch lenkte. Immer wieder gab es Tote bei Kämpfen zwischen den Gangs, zuletzt 2009, als 20 Menschen starben. Keine Seltenheit in Mexiko, erst am Donnerstag sollen bei einer Gefängnis-Revolte in Monterrey 52 Menschen ums Leben gekommen sein.

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In Cereso 3 seien diese Zeiten vorbei, gelobt Bissuet Galarza. 2015 bekam die Anstalt sogar einen Preis der International Corrections und Prisons Association ICPA. Für den Besuch des Heiligen Vaters wurde auch optisch einiges getan; Grünflächen wurden auf dem sonst sehr kargen Ambiente angelegt, die Anstaltskirche El Salvador umgebaut. Der Papst wird erst von einem Kordon von Angehörigen empfangen, danach wird er Gefangene treffen, die eigens einen Tango für den argentinischen Papst einstudiert haben.

"Hier käme nicht mal der Chapo raus"

Ausgesucht wurden Häftlinge, die religiöse Devotion hatten erkennen lassen. "Der Heilige Vater kommt als Hirte zu uns, aber auch als Bruder, der sich in die Situation der Gefangenen hineinversetzen kann und der die Spannungen versteht, denen wir und unsere Angehörigen ausgesetzt sind", sagte ein Insasse dem Heraldo de Chihuahua.

Auch das Sicherheitssystem wurde verbessert. "Hier käme nicht mal der Chapo raus", jubelt eine Lokalzeitung. Mexikos gefährlichster Gangster sollte nach seiner Wiederergreifung tatsächlich nach Cereso 3, wurde dann aber ins Hochsicherheitsgefängnis Altiplano bei Mexiko-Stadt gebracht, wo er täglich die Zelle wechseln muss, damit er nicht wieder einen Tunnel graben kann. Die Bibel liest El Chapo dort nicht, sondern den Don Quijote - eine Lektüre, die die Anstaltsleitung als angemessen erachtete für den einstmals mächtigsten Drogenboss der Welt.

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