Meteoriten-Einschlag in Russland Wenn das Weltall Bauschutt schickt

Es regnet Gestein, mehr als 20.000 Mal im Jahr. Meist bleiben die Brocken aus dem All unbemerkt, doch diesmal hat es die Menschheit böse erwischt: Fast 1000 Verletzte zählen die Behörden nach dem Meteoritenregen in Russland. Hätte der Einschlag verhindert werden können? Und was passiert, wenn ein richtig großer Brocken auf Kollisionskurs ist?

Von Jana Stegemann

Die Erde steht unter Dauerbeschuss. Regelmäßig prasseln Steinchen und Körnchen aus dem All auf unseren Planeten ein. Statistiken gehen von 20.000 Meteoriten mit mehr als 100 Gramm Gewicht jährlich aus. Doch meistens beschäftigen diese Gesteinskörper - neben Wissenschaftlern - nur Romantiker, die beim Aufglühen von Sternschnuppen am Nachthimmel einen Wunsch formulieren. Doch einen folgenschweren Fehler macht, wer den kosmischen Steinregen unterschätzt.

In Russland wurden mehrere hundert Menschen durch die Folgen des Einschlags eines Meteoriten verletzt, einige von ihnen schwer. "Es ist der für den Menschen wohl bislang folgenschwerste Meteoriten-Einschlag eines Gesteinskörpers auf der Erde", sagt Björn Voss, Astronom im Planetarium des LWL-Naturkundemuseums in Münster. Der verantwortliche Meteorit war zwar mit etwa drei Metern Durchmesser nur ein sehr kleiner kosmischer Brocken, vergleichbar schlimme Folgen habe es in den vergangenen Jahrzehnten aber nicht gegeben.

Meteoriten sind Gesteinsbrocken, die von der Entstehung des Sonnensystems vor mehr als viereinhalb Milliarden Jahren übrig geblieben sind. "Man könnte sagen, sie sind der Bauschutt des Weltalls, der große Bruder der Sternschnuppen", sagt Voss. Und so kreisen sie um die Sonne und kreuzen eher durch Zufall die Bahn der Erde. Das jedoch in den vergangenen Jahren immer häufiger.

Forscher aus aller Welt warnen bereits seit Jahren vor den "Warnschüssen aus dem All". So habe sich in den vergangenen Jahren im Tiefseeschlamm mehr Weltraummaterial abgelagert als zu früheren Zeiten - ein Alarmsignal, das eine Phase dichteren Meteoroiden - und Asteroidenverkehrs anzeige, warnte Nasa-Experte David Morrison schon vor zwei Jahren.

Mit 50.000 Stundenkilometern Richtung Erde

Aber was ist in Russland überhaupt passiert? "Ein Meteorroid ist bei seinem Eintritt in die Erdatmosphäre in mehrere Teile zerbrochen. Das verursachte eine gewaltige Explosion, die eine starke Druckwelle ausgelöst hat. Dadurch sind unter anderem Fensterscheiben zerborsten, weshalb so viele Menschen von umherfliegenden Splittern getroffen und verletzt wurden", sagt Astronom Voss.

Mit etwa 50.000 Stundenkilometern sei der mehrere Meter große Brocken zuvor in die Atmosphäre unterwegs gewesen, die Luft habe den tonnenschweren Klotz von der Größe eines Kleinwagens so stark abgebremst, dass er zerbarst. Durch die Wucht und Hitze glühte das Gestein stark auf, was die Lichtblitze, von denen Augenzeugen berichteten, am Himmel erklärt.

Den Einschlag hätte man nur sehr schwer vorhersehen können, sagt der Experte: "Das Problem ist, dass es sich bei dem Meteoroiden um einen vergleichbar kleinen handelte, der mit Teleskopen nur durch Zufall und mit großem Glück zu erkennen ist."