In Bangladesch fallen jedes Jahr Hunderte Frauen Säureattentaten zum Opfer. Monira Rahman kämpft dagegen an - und wird nun dafür ausgezeichnet.
Manchmal vergisst sie es einfach. Dann reicht Monira Rahman Fotos herum wie Urlaubserinnerungen, unbekümmert, weil sie ja weiß, dass es ihren Mädchen auf den Bildern gut geht. Weil sie sich gerne erinnert an diesen Tag, an dem sie alle zusammen in einem Vergnügungspark bei Dhaka waren und im Wasser herumtollten. Weil sie Freude sieht, wo andere nur Grauen sehen.
Frauenrechtlerin Monira Rahman (© Foto: ap)
Anzeige
Manchmal vergisst Monira Rahman einfach, dass andere noch nie solche Gesichter gesehen haben. Von Säure zerfressen, überzogen mit fleischfarbenen Mustern, durchkreuzt von dunklen Hautstreifen. Zerlaufene Gesichter, der Mund eine unförmige Öffnung, die Nase ein Loch. Überreste männlicher Allmachtsphantasien, Opfer einer Modeerscheinung, die in Bangladesch jedes Jahr Hunderte Frauen trifft: Säureattentate.
Doch für Monira Rahman ist jedes dieser Gesichter auch eine Erfolgsgeschichte. Denn sie weiß, wie die Mädchen ganz am Anfang ausgesehen haben, als sie bei ihr in der Acid Survivors Foundation (ASF) in Dhaka eingeliefert wurden. Sie weiß, was ein Zahnputzglas Säure im Gesicht und im Leben eines Menschen anrichten kann.
Mädchen krümmen sich vor Schmerzen
Seit Jahren sitzt die Frauenrechterlin schon an den Betten der Mädchen und redet ihnen das Weiterleben ein. Sie hält den Spiegel, wenn sie ihr zerstörtes Gesicht das erste Mal sehen wollen. Sie macht ihnen vor den zahllosen kosmetischen Operationen Mut. Sie hält die Hände der Mädchen, die sich vor Schmerzen krümmen. Sie streichelt Köpfe, während die Familie den Selbstmord des eigenen Kindes erhofft. Sie demonstriert mit ihnen, sie weint mit ihnen, sie leidet mit ihnen. Und sie ist fassungslos mit ihnen.
Nie wird sie begreifen, warum es in Bangladesch noch immer so einfach ist, ein Leben zu zerstören. Warum man noch immer in jedem Juwelierladen und in jeder Autowerkstatt Säure kaufen kann, diese primitive Waffe. Nie wird Monira Rahman verstehen, warum für die Täter die Tat meist keine Folgen hat. Neun von zehn Tätern werden nie belangt. "Ich kann den Gedanken nicht ertragen, dass die meisten frei herumlaufen", sagt Monira Rahman. Dann lächelt sie. Es ist ein trauriges Lächeln.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
So glamourös wie beherzt: Angelina Jolie hat in Berlin ihren Film über den Bosnienkrieg vorgestellt. Jetzt lesen ...
Single Awareness Day