Menschenrechte Junge Frau in Iran hingerichtet

Hätte gerettet werden können, wenn die Familie ihres Vergwaltigers sie begnadigt hätte: Reyhaneh Jabbari.

(Foto: dpa)
  • In Iran wurde die 26-jährige Reyhaneh Jabbari hingerichtet. Sie war 2009 zum Tode verurteilt worden, weil sie den Mann erstochen hatte, der sie nach eigenen Angaben vergewaltigen wollte.
  • An dem Gerichtsverfahren gab es massive Kritik. Im Internet protestierten Hunderttausende Menschen. Auch Amnesty International und die Vereinten Nationen schalteten sich ein.
  • Die USA und Großbritannien verurteilten die Hinrichtung.

Iran richtet junge Frau hin

Alle Rettungsversuche waren vergeblich: Iran hat die 26-jährige Reyhaneh Jabbari hingerichtet. Das bestätigte ihre Mutter Shole Pakrava in einem Interview mit der BBC, die Nachrichtenagentur AP berichtet unter Berufung auf die staatliche Nachrichtenagentur Irna von der Hinrichtung. Jabbari saß seit fünf Jahren wegen des Mordes an einem früheren Geheimdienstmitarbeiter in der Todeszelle. Jabbari hatte auf Notwehr plädiert. Sie sagte aus, dass Morteza Abdolali Sarbandi sie angegriffen und versucht habe, sie zu vergewaltigen. Sie habe sich mit einem Messer gewehrt und dem Mann in die Schulter gestochen. Später wird es heißen, er sei daran verblutet.

Jabbari floh nach der Tat, wurde aber aufgegriffen und für 56 Tage ins Gefängnis gesteckt, wo sie den Mord angeblich gestandt. 2009 wurde sie zum Tode verurteilt, im März 2014 wurde das Urteil an die Vollstreckungsbehörden übergeben. Damit konnte die junge Frau jeden Moment hingerichtet werden. Die Exekution durch Erhängen wurde aber mehrfach verschoben. Am Freitag sollen ihre Eltern einem Onkel zufolge schließlich einen Anruf aus dem Gefängis erhalten haben: Sie könnten sich nun von ihrer Tochter verabschieden.

Internationale Proteste halfen nicht

Der Fall der jungen Frau hatte international Proteste ausgelöst. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International schalteten sich ein, ebenso die Vereinten Nationen und das US-Außenministerium. Sie äußerten ernsthafte Bedenken an der Rechtmäßigkeit des Verfahrens. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz forderte seinen Amtskollegen Ali Larijani auf, das Urteil zu überdenken, da er mehrere Hinweise erhalten habe, dass Reyhaneh Jabbari keinen fairen Prozess erhalten habe. Im Internet unterschrieben mehr als 240 000 Menschen eine Petition zur Rettung der 26-Jährigen. Die Facebook-Seite "Save Reyhaneh Jabbari From Execution In Iran" hatte zuletzt 17 137 Unterstützer.

Jabbaris Familie hoffte darauf, dass die Familie des getöteten Vergewaltigers Gnade walten lässt. Ihr Einspruch gegen die Vollstreckung des Urteils wäre nach iranischem Recht die einzige Möglichkeit gewesen, die Hinrichtung noch zu vermeiden.

USA und Großbritannien verurteilen die Hinrichtung

Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Jen Psaki, verurteilte die Hinrichtung. Es gebe "ernsthafte Bedenken" zu den Umständen des Falls. Auch bestünden Zweifel, ob der Prozess im Jahr 2009 "fair" geführt worden sei. Berichten zufolge seien Geständnisse unter "starkem Zwang" zustande gekommen. Der für den Nahen Osten zuständige britische Minister Tobias Ellwood erklärte sein "tiefes Bedauern" über die Vollstreckung des Todesurteils und verwies auf Londons Proteste vor der Hinrichtung

Die UN haben in diesem Jahr bereits mehr als 250 Hinrichtungen im Iran gezählt.