Zwischen 500.000 und 800.000 Deutsche sind mit Hepatitis C infiziert - sie tragen eine tickende Zeitbombe. Ihnen droht eine Leberzirrhose, die zu Krebs führen kann. Nun werden die Aussichten auf einen Impfstoff besser.
Süditalienische Alltags-Idylle. In den kunstledernen Sesseln der Barbiere liegen die Männer. Sie haben den Kopf weit zurückgelegt, und mit jeder Schneise, die das blitzende Messer des Friseurs durch den dicken Rasierschaum schlägt, kommen die Kunden dem Ziel eines makellos glatten Kinns ein Stück näher.
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Aber auch der Infektion mit Hepatitis C.
38 Prozent der sizilianischen Friseure, die sich und ihre Kundschaft mit demselben Instrument rasieren, haben Antikörper gegen das Virus im Blut, ein Zeichen dafür, dass sie sich irgendwann einmal angesteckt und das Virus möglicherweise auch weitergegeben haben.
38 Prozent. Das ist Weltrekord. Schätzungen zufolge tragen weltweit rund 170 Millionen Menschen das Hepatitis-C-Virus in sich, für Deutschland schwanken die Angaben zwischen 500.000 und 800.000 chronisch Infizierten.
Drei von vier Infizierten nehmen die Krankheit nicht wahr, sie verläuft oft jahrelang ohne Symptome. In dieser Zeit aber können diese Menschen das Virus an andere weitergeben.
"Hepatitis C ist eine stille Epidemie"
"Hepatitis C ist eine stille Epidemie", sagt Ralf Bartenschlager. Der Direktor der Abteilung Molekulare Virologie an der Universitätsklinik Heidelberg hatte vor kurzem Kollegen aus aller Welt zu einem Kongress über Hepatitis C eingeladen.
Das Problem: Nur bei jedem fünften Infizierten heilt die Infektion von selbst wieder aus, bei allen anderen geht das akute Krankheitsstadium irgendwann in ein chronisches über.
Die Dauergäste im Körper sind eine tickende Zeitbombe: Nach durchschnittlich acht Jahren haben vier von zehn Betroffenen eine Zirrhose, aus der sich in jedem fünften Fall Leberkrebs entwickelt. Dann rettet nur noch eine Transplantation vor dem Tod.
Bisher gibt es keinen Impfstoff gegen die Krankheit. Denn das Hepatitis-C-Virus ist für Forscher eine harte Nuss. Um den Erreger zu studieren, müssten Wissenschaftler ihn eigentlich in der Kulturschale vermehren. Doch das erwies sich bisher als ungemein schwer.
Bartenschlager und sein Team hatten zwar vor fünf Jahren eine Miniversion des Virus durch genetische Veränderung so weit aufgepäppelt, dass es in menschlichen Zellen in der Kulturschale überlebte.
Aber neue infizierte Zellen kapern, wie es die Grundlage der Viren-Ausbreitung ist, das konnte diese Minimalvariante nicht. Jetzt ist Bartenschlager ein großes Stück weitergekommen. Zusammen mit Takaji Wakita von der Universität Tokio konnte er die Viren dazu bringen, auch im Labor ihre Angriffslust zu zeigen und neue Zellen zu befallen.
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