Die Anwälte von Marco W. haben in Straßburg Beschwerde gegen die lange Untersuchungshaft des 17-Jährigen eingelegt. Der Prozess wegen sexuellen Missbrauchs im türkischen Antalya wird erst am Nachmittag fortgesetzt.

Im Fall des in der Türkei inhaftierten 17-jährigen Marco W. haben dessen Anwälte den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eingeschaltet. Wie eine Sprecherin des Gerichts am Freitag mitteilte, traf die Beschwerde am Vorabend ein. Den Angaben zufolge machen die Anwälte unter anderem einen Verstoß gegen das Grundrecht auf Freiheit durch die lange Untersuchungshaft geltend. Außerdem argumentieren sie, die lange Haft stelle eine Gefahr für die Gesundheit des Jugendlichen dar.

Matthias Waldraff und Michael Nagel, Anwälte von Marco W., ddp

Die Anwälte von Marco W., Matthias Waldraff und Michael Nagel, kämpfen nicht nur im Gericht in Antalya für die Interessen ihres Mandanten, sondern auch am Menschengerichtshof in Straßburg. (© Foto: ddp)

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Marcos Anwälte wollen erreichen, dass der Gerichtshof eine Haftverschonung für den Jugendlichen anordnet. Ob das Straßburger Gericht die Beschwerde in einem beschleunigten Verfahren vorrangig behandelt, war zunächst nicht klar.

Der Prozess gegen den seit acht Monaten inhaftierten Schüler wird erst am Freitagnachmittag fortgesetzt. Die Verhandlung gegen den 17-Jährigen, dem die Staatsanwaltschaft sexuellen Missbrauch einer 13-jährigen Britin vorwirft, wurde bis zur Mittagspause nicht aufgerufen. Dieser Prozesstag ist Marcos letzte Chance, Weihnachten im Kreise seiner Familie verbringen zu dürfen.

Die Verteidigung will in der Gerichtsverhandlung erneut die Freilassung Marcos beantragen, wie Rechtsanwalt Michael Nagel sagte. Man erwarte nicht, dass sich das Gericht bereits inhaltlich mit den Anklagevorwürfen auseinandersetzen werde, meinte er.

Vor Ort in Antalya hält sich der SPD-Europaabgeordnete Vural Öger auf. Nach Angaben seines Abgeordnetenbüros hat der Reiseunternehmer den 17-Jährigen am Donnerstagabend im Gefängnis besucht.

Inzwischen liegt dem Gericht die schriftliche und übersetzte Aussage der Britin Charlotte vor. Ihr Anwalt hat angekündigt, die Höchststrafe von 10 Jahren Haft zu fordern. Der Junge bestreitet die Vorwürfe.

Während zahlreiche Medienvertreter sowie Marcos Vater und Anwälte auf die Fortsetzung des Prozesse in Antalya warten, ist die Mutter des 17-Jährigen diesmal nicht mit in die Türkei geflogen. Sie wartet in Uelzen auf die Entscheidung des Gerichts.

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(AFP/AP/dpa/gal/bavo)