Manila "Ein krimineller Akt eines offenkundig emotional verstörten Individuums"

Bilder einer Überwachungskamera zeigen den Angreifer in dem Hotel- und Casinokomplex in Manila

(Foto: AP)

Der Angriff auf ein Casino in Manila mit 36 Toten sei kein Terrorakt, sagt die Regierung. Trotzdem ist die Bevölkerung verunsichert - islamistische Terroristen fassen auf den Philippinen immer mehr Fuß.

Von Arne Perras, Singapur

Täter, die in das Muster des "einsamen Wolfs" passen, sind in Südostasien gefürchtet. Die Regierung in Singapur hat gerade erst erklärt, dass radikalisierte Individuen die größte Terrorgefahr für den reichen Stadtstaat darstellen. Kaum ist die Warnung verklungen, schockiert nun ein Angriff auf ein Casino in der philippinischen Hauptstadt Manila die Region. Erschrocken verfolgten die Philippiner Bilder vom Tatort, wo kurz nach Mitternacht Gewehrfeuer zu hören war und wo bald dicke Rauchschwaden aufstiegen.

Den Ermittlungen zufolge hatte ein bewaffneter Mann die Casino-Anlage gestürmt und um sich geschossen, dabei aber nicht auf Menschen gezielt. Stattdessen zündete er Teppiche und Spieltische an, wodurch sich ein starker Brand entwickelte. Mindestens 36 Menschen erstickten in einem höheren Stockwerk am Rauch. Der Täter flüchtete in die fünfte Etage, wo er sich offenbar aufs Bett legte, in eine Decke wickelte, sich mit Benzin übergoss. Dann zündete er sich an und erschoss sich angeblich selbst.

Dutzende Tote bei Überfall auf Hotelkomplex in Manila

Die Polizei geht von einem Raubüberfall aus, auch wenn zuvor eine dem IS nahestehende Gruppierung die Tat für sich reklamiert hatte. mehr...

War es der Angriff eines Extremisten? Terrorexperte Rohan Gunaratna, Leiter des International Centre for Political Violence and Terrorism Research in Singapur, erklärt nach der Attacke: "Wir haben nicht genügend Informationen, um eine klare Schlussfolgerung zu ziehen." Das Motiv ist weiterhin unklar.

Der philippinische Polizeichef Ronald dela Rosa, genannt Bato, stufte den nächtlichen Angriff durch einen schwer bewaffneten Mann zunächst als möglichen Raubüberfall ein. "Keine Panik, dies ist kein Grund, alarmiert zu sein. Wir können dies nicht auf Terrorismus zurückführen." Danach erklärte der Sprecher des philippinischen Präsidenten, Ernesto Abella, dass es sich bei der Tat um einen "kriminellen Akt eines offenkundig emotional verstörten Individuums" handele. Ob es Hintermänner gibt, ist noch nicht bekannt.

Terrorexperte Gunaratna sagte der Süddeutschen Zeitung über die Bedrohung durch den sogenannten Islamischen Staat: "In den Philippinen haben 16 Gruppen dem IS Gefolgschaft geschworen." Ein Führer der Extremistengruppe Abu Sayyaf, Isnilon Hapilon, ist demnach schon 2014 als Anführer einer "Ostasien-Abteilung" von der IS-Führung in Nahost anerkannt worden. Die frühere Regierung in Manila habe diese Entwicklungen ignoriert, sagt Gunaratna. Doch der Einfluss des IS weite sich in der Region aus. Aktuell gibt es Kämpfe mit der Armee in der belagerten Stadt Marawi auf der Insel Mindanao.

Die südlichste und überwiegend von Muslimen bewohnte, rohstoffreiche Insel ist seit Jahrzehnten Schauplatz einer Rebellion gegen den philippinischen Staat. Die separatistischen Bewegungen splitterten sich immer mehr auf und wurden teils überlagert durch militantes Banditentum, das sich auf Kidnapping und Lösegelderpressungen konzentrierte. In jüngster Zeit machen vor allem jene Gruppen von sich reden, die sich mit dem IS verbünden. Mehrere westliche Geiseln waren in den vergangenen Monaten von ihren Entführern getötet worden.

Warnung an Reisende

Präsident Duterte rief vergangene Woche das Kriegsrecht auf Mindanao aus und warnte, dass der IS auch auf der nördlichen Insel Luzon Fuß gefasst habe. Der IS hatte sich zu zwei früheren Angriffen in Manila im April und Mai bekannt, bei denen es mindestens zwei Tote und mehrere Verletzte gegeben hatte. Die Polizei wollte damals den Zusammenhang aber nicht bestätigen. Terrorexperte Gunaratna stuft diese Attacken als Taten ein, mit denen Extremisten offenbar das Terrain und die Umgebung "testen" wollten, um weitere Angriffe vorzubereiten.

Die australische Botschaft und Vertretungen mehrerer anderer Länder riefen Reisende zu erhöhter Vorsicht auf, vor allem mit Blick auf die verschlechterte Sicherheitslage auf Mindanao, die auf den Rest des Landes austrahle. "Reisende seien an die erhöhte Gefahr von Terrorattacken auf den Philippinen erinnert, Manila eingeschlossen."

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