Mallorca Rechtsradikale Touristen - und wie Mallorca sie zu bekämpfen versucht

In den Bierkönig am Ballermann kommen Menschen, um Lieder wie "Geile Zeit" zu grölen, jetzt waren Sprüche wie "Ausländer raus!" zu hören.

(Foto: imago stock)
  • Die spanische Polizei ermittelt gegen 13 Angehörige einer rechtsradikalen Gruppe auf Mallorca.
  • Sie riefen während eines Schlagerkonzerts ausländerfeindliche Parolen und rollten eine Reichskriegsflagge aus.
  • Die Behörden werfen den Personen Verletzung von Grundrechen vor, dafür sind in Spanien Freiheitsstrafen von bis zu vier Jahren vorgesehen.
Von Brigitte Kramer, Palma

Eigentlich waren die deutschen Touristen in den "Bierkönig", Mallorcas bekannteste Ballermann-Kneipe, gekommen, um "Geile Zeit" oder "Mallorca da bin ich daheim" zu hören, irgendeinen der vielen Schlager der 30-jährigen Stimmungsmacherin Mia Julia Brückner. Nach einigen Liedern aber wurde das Konzert unterbrochen, weil deutsche Männer und Frauen, einige tätowiert mit Hakenkreuzen, "Ausländer raus!" brüllten und eine Reichskriegsflagge ausrollten - wie Bilder und Videoaufnahmen zeigen. Jetzt ermittelt die spanische Polizei gegen 13 Angehörige einer rechtsradikalen Gruppe. Nazisymbole sind in Spanien zwar nicht verboten. In ihrem Bericht an die Staatsanwaltschaft und an die Nationalpolizei werfen die Behörden in Palma ihnen aber "Verletzung von Grundrechten" vor. Dafür sind in Spanien Freiheitsstrafen von bis zu vier Jahren vorgesehen.

Die Sängerin hatte ihr Konzert zunächst unterbrochen und die Gruppe aufgefordert, die "Scheiß-Fahne" wegzunehmen. Dann skandierte sie 15 Minuten lang mit ihren Fans "Nazis raus". Sicherheitskräfte zwangen dann die Gruppe Rechtsradikaler den Bierkönig zu verlassen.

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Der Vorfall erinnert an die Festnahme des ehemaligen Hells-Angels-Chefs Frank Hanebuth 2013 auf Mallorca. Der Auftritt der Rechtsradikalen am vergangen Freitag fand nun spanienweit großes Medien-Echo. Der Vorfall reiht sich ein in die Negativschlagzeilen über Touristen auf Mallorca: Die Insel erlebt in diesem Jahr eine Rekordsaison. Im Mai, so berichten Hoteliers, kamen bereits so viele Menschen wie im August des letzten Jahres. Selbst Hoteliers klagen über Überfüllung. Die Regionalregierung bastelt an einem Tourismusgesetz, in dem die Zauberformel stehen soll: Wie kann eine Insel, die vom Tourismus lebt, den Touristenstrom bremsen? Für die Einheimischen ist jedenfalls eine neue Eskalationsstufe erreicht.

Weiße Korbstühle, höhere Preise und Lounge-Musik sollen Saufhallen verdrängen

Nachrichten von deutschen Neonazis oder betrunkenen Briten, die jüngst splitternackt durch den Ferienort Palmanova torkelten, vermitteln den Eindruck: Mallorca habe die Kontrolle verloren. Offiziell will die Insel schon lange keine Billigtourismus mehr. Doch jeden Sommer sorgt der erneut für mieses Image. Wobei man auch sagen muss, dass die Betreiber seit den 1980er Jahren Millionen mit den Billigtouristen verdienen.

Dabei versuchen einige Hoteliers und Wirte, die Partymeile in der Bucht von Palma in ein zweites Miami Beach zu verwandeln: weiße Korbstühle, höhere Preise und Lounge-Musik sollen Saufhallen verdrängen. Ein Sprecher des Bierkönig sagte, das könne eben passieren, versicherte aber, dass man fortan strengere Eingangskontrollen durchführe. Allerdings ist der Bierkönig ein offener Biergarten, es gibt keine Türen.

Wahrscheinlich ist es so: Solange es den Ballermann gibt, wird es Schlagzeilen geben. Groteske Schlagzeilen wie diese: Ausländer, die im Ausland gegen Ausländer hetzen. Im aktuellen Fall bedankte sich Mia Julia Brückner bei ihren Fans und schrieb: "Auf Mallorca sind wir immer noch Gast in einem fremden Land, vergesst das bitte nie."

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