Malaysischer Aktivist verurteilt 100 Tweets‎ als Entschuldigung

Früher mussten unartige Schüler an die Tafel schreiben, was sie falsch gemacht haben. Ein malaysisches Gericht holt dieses Prinzip ins Internet-Zeitalter - und verurteilt einen Mann dazu, sich wegen Beleidung hundert Mal über Twitter zu entschuldigen.

In einem Beleidigungsverfahren hat ein malaysisches Gericht einen Mann dazu verurteilt, sich hundert Mal über Twitter zu entschuldigen. Das teilte sein Anwalt mit. Fahmi Fadzil, der Mitarbeiter eines malaysischen Oppositionspolitikers ist und sich auch als Kommentator in sozialen Fragen einen Namen gemacht hat, hatte im Januar über Twitter geklagt, seine schwangere Freundin werde von ihrem Arbeitgeber, einem Magazin des Verlags BluInc Media, schlecht behandelt.

Zwar entschuldigte er sich schon ein paar Stunden später für seine Worte über Twitter, aber die Anwälte des Verlags verklagten ihn trotzdem und forderten Schadenersatz und Entschuldigungen in den großen Zeitungen des Landes. Die Klage wurde beigelegt, indem Fahmi sich bereit erklärte, sich innerhalb von drei Tagen hundert Mal auf Twitter zu entschuldigen.

Am 4. Juni twitterte Fahmi seine letzte Entschuldigung - auf seinem Account bekennt er sich dazu, das Magazin mit unwahren Tweets verleumdet zu haben und zieht die Beleidung zurück: "100/100 I've DEFAMED Blu Inc Media & Female Magazine. My tweets on their HR Policies are untrue. I retract those words & hereby apologize", heißt es da. Fahmi hat mehr als 4.200 Follower auf Twitter.

Es sei vermutlich das erste Mal, dass bei einer Einigung zu einer Beleidigungsklage Twitter eine Rolle gespielt habe, sagte der Anwalt. Die Behörden und Unternehmen in Malaysia gehen immer wieder mit Beleidigungsklagen gegen Kritiker und Aktivisten vor. Im Internet wurde danach die Frage aufgeworfen, ob derartige Strafen demnächst wohl zur Regel würden.