Madrid Katholische Kirche spricht früheren Opus-Dei-Chef selig

Er galt als rechte Hand von Opus-Dei-Gründer Escrivá: In Madrid ist der spanische Bischof Álvaro del Portillo seliggesprochen worden. Ein Gesandter von Papst Franziskus zelebrierte die Ehrung für den langjährigen Leiter der umstrittenen Organisation.

  • In Madrid ist der langjährige Leiter der umstrittenen katholischen Organisation Opus Dei selig gesprochen worden.
  • Der 1994 verstorbene spanische Bischof Álvaro del Portillo war zunächst die rechte Hand von Opus-Dei-Gründer Josemaría Escrivá de Balaguer, bevor er nach dessen Tod den Vorsitz übernahm.

Zehntausende feiern Seligsprechung von Ex-Opus-Dei-Chef

Der spanische Bischof Álvaro del Portillo, langjähriger Leiter der erzkonservativen katholischen Organisation Opus Dei, ist in Madrid seliggesprochen worden. Am Samstag zelebrierte Kardinal Angelo Amato als Gesandter von Papst Franziskus zu Ehren del Portillos eine Messe unter freiem Himmel. An der Zeremonie nahmen nach Angaben der Organisation mehr als 200 000 Menschen aus 80 Ländern teil. Die Gläubigen verfolgten das Ereignis auf Großbild-Leinwänden. ​

Anwesend war auch politische Prominenz wie die spanischen Minister Jorge Fernández Díaz (Inneres) und Luis de Guindos (Wirtschaft) sowie Generalstaatsanwalt Eduardo Torres-Dulce.

Rechte Hand des Gründers

Der aus Madrid stammende del Portillo hatte die Führung der Organisation 1975 nach dem Tod von Opus-Dei-Gründer Josemaría Escrivá de Balaguer übernommen. Del Portillo leitete sie bis zu seinem Tod im Jahr 1994. Als Papst Johannes Paul II. Opus Dei (wörtlich übersetzt: Werk Gottes) 1982 zu einer Prälatur machte - und damit als offizielle Organisation innerhalb der katholischen Kirche anerkannte -, bestellte er den Spanier zum Prälaten.

Der verstorbene Pontifex hatte den Opus-Dei-Gründer Escrivá bereits 2002 in Rom heiliggesprochen.

Erzkonservativ und umstritten

Der Hauptsitz von Opus Dei, dem mehr als 2000 Priester angehören, befindet sich in Rom. Die Organisation ist bekannt für ihre erzkonservativen Positionen in umstrittenen gesellschaftlichen Fragen. Sie lehnt Schwangerschaftsabbrüche ebenso ab wie voreheliche Beziehungen und verlangt von ihren Mitgliedern eine strikt religiöse Lebensführung. Bekanntheit erlangte Opus Dei vor allem durch die Romane des US-Schriftstellers Dan Brown, in denen die Organisation im Mittelpunkt einer Verschwörung innerhalb des Vatikans steht.

Opus Dei hat nach eigenen Angaben weltweit 90 000 Mitglieder, etwa ein Drittel davon in Spanien. Dort wirkte die Organisation in den 1950er Jahren als starke Stütze der Diktatur von Francisco Franco. Auch für das Militärregime von Augusto Pinochet in Chile hegten Mitglieder der Organisation Sympathien. In Deutschland soll die Organisation etwa 600 Anhänger haben.