Loveparade-Katastrophe "Ein Aufstand gegen die Schöpfung"

Der Salzburger Weihbischof Andreas Laun verhöhnt die Opfer der Katastrophe von Duisburg - als er in einem Internet-Kommentar die theologische Frage nach einem "strafenden Gott" behandelt. Heftige Reaktionen folgten prompt.

Von Moritz Baumstieger

Manche Vergleiche gehen immer schief. Eine dieser Fallgruben ist das Dritte Reich. Und obwohl schon jeder C-Promi von seinem Medienberater beigebracht bekommt, nie, nie, nie etwas oder jemanden mit Hitler zu vergleichen - von Justizministerinnen bis hin zu Fußballmoderatorinnen plumpsen öffentliche Figuren gleich serienmäßig in die Falle.

Seit der Massenpanik auf der Loveparade gibt es ein weiteres heikles Gleichnis: Die Ruhrpott-Stadt Duisburg wird in die Nähe der alttestamentarischen Städte Sodom und Gomhorra gerückt, die tragische Katastrophe mit einer Strafe Gottes übersetzt. Die erste Lautsprecherin, die in diese Falle tappte, war die Ex-Tagesschau-Moderatorin Eva Herman. Sie schrieb im Zusammenhang mit den Loveparade-Opfern: "Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen."

"Abstoßendes Erscheinungsbild"

Nun der nächste Fall. Der Salzburger Weihbischof Andreas Laun schreibt eine regelmäßige Kolumne für das Internetportal Kath.net , sie trägt den Titel "Klartext". Sein Text vom Freitag sollte das Thema des "strafenden Gottes" behandeln. Laun hängte seine theologische Betrachtung an der Loveparade auf, was zu zu Missverständnissen einlud. "Das Mitleid mit den Opfern ist eine Sache", schrieb der Weihbischof. Eine andere sei die Feststellung, dass die Loveparade und die Teilnahme an ihr "abgesehen vom abstoßenden Erscheinungsbild objektiv eine Art Aufstand gegen die Schöpfung und gegen die Ordnung Gottes" sind, ja gar "Sünde und Einladung zur Sünde!"

Dass Gott die Katastrophe schickte, um die Teilnehmer zu bestrafen, meinte der Weihbischof ausdrücklich nicht, wie er später klarstellte. Der Satz "Man weigert sich anzuerkennen, dass die Loveparade (...) auch mit Sünde zu tun haben könnte und darum, folgerichtig, auch mit dem richtenden und strafenden Gott" deutete einen Kausalzusammenhang zwischen der Lebensführung der Loveparade-Teilnehmer und der Katastrophe zumindest an.

Die Reaktionen waren heftig. Ein User erkannte ganz richtig, dass "im Internet-Zeitalter ein Text, der in einem katholischen Nachrichtenportal veröffentlicht wird, in Sekundenschnelle um die ganze Welt gehen kann". Und so fragten einige, weshalb Gott die Loveparade-Teilnehmer bestraft hat: "Wofür? Für die Skandale der katholischen Kirche in der letzten Zeit?". Andere gingen ins theologische Detail und wiesen darauf hin, dass "Gottes Gericht erst am Jüngsten Tage, nicht auf einer Loveparade" kommt.

Die Klarstellung der Klarstellung

So sah sich Laun gezwungen, Samstagnacht eine "Klarstellung zur Klarstellung" hinterher zu schieben. Es stehe "keinem Menschen zu, über die Toten zu urteilen und darüber hinaus zu behaupten, ihr Tod sei eine - natürlich gerechte - 'Strafe Gottes' für die Sündigkeit der Love-Parade", so Laun. Die Opfer verhöhnte er dennoch: Ihr Erscheinungsbild sei "krankhaft", die Parade "dürfe nicht schöngeredet werden als 'harmloses Feiern' netter junger Menschen!"

Außerdem schickte Laun noch eine Warnung an seine Kritiker: "Seid vorsichtig", so schloss der Weihbischoff sein Traktat, "euer Spott könnte auch die Muslime treffen". Die glauben zwar anders, aber auch an einen strafenden Gott, so Laun - und könnten "auf Euren Angriff vielleicht anders reagieren als ich es tue!". Auch dies ein recht unklarer Teil des "Klartextes". Und auch dies ein Vergleich, der leicht schiefgehen kann.

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