Von Martin Zips

Der Lotto-Jackpot wurde gleich zweimal geknackt: Einmal per Tippschein und - völlig überraschend - einmal übers Internet. Das Netzwettbüro verlor daraufhin 16 Prozent seine Börsenwertes.

Die Geschichte des Jackpots ist immer auch eine Geschichte enttäuschter Lieben. Erst will jeder das Geld haben, wird der Topf aber von einem anderen geplündert, so berufen sich alle darauf, dass Geld allein nicht glücklich macht.

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Hoffnung auf den Jackpot: Ein Lottospieler beim Tippen (© Foto: ddp)

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Diesmal wurde der Jackpot gleich zweimal geknackt: Einmal, laut Lotto Bayern, von einem namenlosen Oberbayern per Tippschein, das hat Tradition. Zum anderen wurde er - und das ist neu - von einem namenlosen 33-Jährigen unbekannter Herkunft im Internet gewonnen.

Beide Gewinner dürfen nun für sich beanspruchen, mit 31,7-Millionen-Euro den zweithöchsten Einzelgewinn der Lottogeschichte eingestrichen zu haben. Wenn auch unter verschiedenen Voraussetzungen: Während der traditionelle Tippschein-Ausfüller aus Oberbayern aus dem normalen Jackpot bedient wird, den er auch mit seinen elf Euro Spieleinsatz gefüllt hat, bekommt der Online-Spieler sein Geld über eine sogenannte Zweitlotterie.

Tipp24-Aktie stürzt ab

Die unterhält der börsennotierte Internetanbieter Tipp24, der über eine Tochterfirma von England aus im Internet Tippscheine für das deutsche Lotto annimmt. Hier tippte der 33-Jährige alle richtigen Jackpot-Zahlen und soll nun die gleiche Summe von Tipp24 ausgezahlt bekommen. Das führte am Donnerstag zu einem Absacken der Tipp24-Aktien an der Frankfurter Börse.

Die Titel rutschten in der Spitze um mehr als 16 Prozent auf 21,37 Euro ab und waren damit größter SDax-Verlierer. Wegen der Auszahlung des Lottogewinns müsse die Prognose "für 2009 um zehn Millionen auf mindestens 30 Millionen Euro nach unten geschraubt werden", erklärte das Unternehmen.

Es klingt ein bisschen nach enttäuschter Liebe, wenn sich Erwin Horak, Präsident der Staatlichen Lotterieverwaltung Bayern, zu diesem Doppelgewinn äußert. Schließlich sei das Online-Glücksspiel doch mit Inkrafttreten der letzten Stufe des Glückspiel-Staatsvertrags am 1. Januar 2009 verboten. Wieso spielen also immer noch Menschen bei der Konkurrenz?

Horak ärgert es, dass es weiterhin Firmen gibt, die "illegalerweise diese Dinge anbieten". Wettbewerbswidrig würden solche Anbieter die Ziehung der Lottozahlen in Deutschland ausnutzen und "Wetten auf das deutsche Lotto aus dem Ausland in Deutschland" anbieten. Der Deutsche Lottoblock gehe dagegen mit einer Wettbewerbsklage vor. Erst vor wenigen Tagen, so Horak, habe sich zudem der Europäische Gerichtshof auf die Seite des staatlichen Glücksspielmonopols auch in Sachen Internetangebot gestellt. Eigentlich dürfte es solche Online-Angebote damit nicht mehr geben, findet er.

"Erstmals in der Geschichte konnten wir einem Gewinner den Jackpot über unsere Zweitlotterie auszahlen", freut sich hingegen Andrea Fratini von Tipp24. "Und das Schöne ist: Er muss sich noch nicht einmal seinen Gewinn teilen." Laut Punkt 8.2. der Allgemeinen Geschäftsbedingungen bei Tipp 24 erhält der Online-Spieler immer den Betrag, den auch alle anderen Jackpot-Gewinner bekommen.

Die Gewinnzahlen sind übrigens geradezu von erschreckender Einfachheit: 3, 4, 23, 30, 43 und 44, die Superzahl lautet 6. Weil die erste Gewinnklasse seit Anfang August in zwölf aufeinander folgenden Ziehungen ohne Treffer geblieben war, kletterte die Gewinnsumme auf den vierthöchsten Stand aller Zeiten. Lediglich im Oktober 2006 hatte ein Nordrhein-Westfale mit einer Gewinnsumme von 37,7 Millionen Euro einen größeren Einzelgewinn erzielt. Ob er mit dem Geld glücklich geworden ist, ist nicht bekannt.

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(SZ vom 25.9.2009/aho)