Seit Januar sind in London acht Jugendliche ermordet worden. Einer von ihnen war der 14-jährige Paul Erhahon. Sein mutmaßlicher Täter ist nun gefasst, er ist erst 13 Jahre alt.
Der Verdächtige im Londoner Waltham Forest Youth Court ist kaum groß genug, um im Sitzen aus dem Glaskasten der Anklagebank hinausschauen zu können.
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Beim Anblick dieses vergleichsweise zierlichen schwarzen Teenagers im blauen Trainingsanzug erscheint das brutale Verbrechen, dessen er verdächtigt wird, umso unbegreiflicher: Am Karfreitag soll der 13-jährige Junge, der da unruhig auf der Bank hin- und herrutscht und Blicke mit seiner Mutter im Saal wechselt, gemeinsam mit mindestens drei weiteren Verdächtigen den 14-jährigen Schüler Paul Erhahon ermordet haben.
Die Tatwaffe war laut der Londoner Polizei eine 50 Zentimeter lange Schwert- oder Machetenklinge. So archaisch wie dieses Mordwerkzeug wirken auch die Umstände, unter denen die Tat im Londoner Nordosten geschah: Am Freitag werden Paul Erhahon und ein 15-jähriger Freund im Foyer eines Wohnblocks in Leytonstone von etwa einem Dutzend Vermummter mit Stichwaffen und Baseballschlägern angegriffen.
Paul fleht darum, nicht verletzt zu werden. Dann trifft ihn ein Stich ins Herz. Der Teenager stirbt sofort. Sein Freund kann mit Stichwunden in Lunge, Rücken, Bauch, rechtem Bein und rechter Schulter entkommen. Er überlebt, liegt aber nach wie vor in einem kritischen Zustand im Krankenhaus.
Familie und Freunde beschreiben Paul Erhahon als "sanften Riesen", als talentierten Musiker und guten Schüler. Er besuchte die Kingsford Community School im Ost-Londoner Stadtteil Beckton. Auf dieselbe Schule ging auch der 15-jährige Adam Regis, der am 17. März nach einem Kinobesuch in Beckton erstochen wurde.
Erhahon ist der achte Teenager, der seit Jahresbeginn in London ermordet wurde. Fünf der Opfer wurden erstochen, drei erschossen. Am selben Tag, an dem Paul Erhahon starb, erlag eine 22-jährige, schwangere Frau in Südlondon einer Schussverletzung.
"Wieder sind zwei Familien von einer Gewaltkultur zerstört worden, die auf den Straßen Großbritanniens offensichtlich außer Kontrolle geraten ist", kommentiert dieses Norman Brennan von der Opfer-Selbsthilfegruppe "Victims of Crime".
Schon länger wird in Großbritannien über die Zunahme einer "Schusswaffen- und Messerkultur" speziell unter männlichen Teenagern diskutiert. Gut ein Drittel aller Attacken mit tödlichem Ausgang wird mit Messern verübt. Im vergangenen Jahr versuchte die Regierung, mit einer sogenannten "knife amnesty" die Zahl der im Umlauf befindlichen Stichwaffen zu reduzieren.
Dabei sammelte die Polizei etwa 90.000 Klingen aller Art ein. Seit Anfang April ist zudem das Strafmaß für illegalen Waffenbesitz von zwei auf vier Jahre heraufgesetzt worden.
Doch wie nicht erst die jüngste Gewaltwelle in der Hauptstadt zeigt, haben solche Maßnahmen kaum Auswirkungen auf jene Gewaltverbrechen, die von Gangs in den britischen Großstädten verübt werden. Selbst Premierminister Tony Blair hat eingestanden, dass es sich hierbei um "ein spezifisches Problem innerhalb einer speziellen kriminellen Kultur" handelt.
Ein besonders schockierendes Beispiel für Bandengewalt war der Mord am 22-jährigen Familienvater Peter Woodhams im vergangenen August. Er wurde vor seinem Londoner Haus vom Mitglied einer Gang erschossen, die ihn und seine Familie seit Monaten terrorisiert hatte.
Ende März wurde ein Mann namens Bradley Tucker des Mordes an Woodhams für schuldig befunden. Er war zum Zeitpunkt der Tat 17 Jahre alt.
Die Londoner Gangs teilen ihre Zugehörigkeit nach Postleitzahlen ein. Durch die Sozialbausiedlung, in der Paul Erhahon ermordet wurde, verläuft eine Postleitzahlengrenze. Hier kämpfen zwei Gruppen um die Vorherrschaft: Die "Thatched House Boys" stammen aus dem Gebiet mit der Nummer E15, die "Cathall Boys" aus dem mit der Nummer E11.
Paul Erhahon geriet als Unbeteiligter zwischen die Fronten. Ein Freund berichtet, er habe Paul noch wenige Stunden vor der Tat darauf hingewiesen, dass Gangmitglieder auf der Suche nach ihm seien: "Ich habe ihn gewarnt. Er hat das für einen Witz gehalten und gelacht."
"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
(SZ vom 12.4.2007)
Wer mir immer noch weis machen will, Armut führe zu Gewalt, der reise bitte mal nach Indien!
1,x Mrd Inder und eine Kriminalitätsrate, die sich abseits der Tamilenrebellen traumhaft niedrig bleibt.
Ob Terrorismus oder Bandenkriege: SO blöd sind die Asozialen nicht, dass sie glauben, nach einem Gewaltverbrechen ginge es ihnen wirtschaftlich besser.
Dazu muss man schon ausgewiesener (Alt-)Marxist sein...
Und liefert ihnen damit im nachhein eine Rechtfertigung für das, was die Rechtsprechung richtiger als "niedere Motive" bezeichnet.
Danke dafür!
TF
Nie habe ich mich in London unsicher gefühlt auch nicht in den Multikultistadtteilen südlich der Themse. Trotzdem bleibt jedoch festzustellen, daß kaum ein alt EU Land soviel soziale Ungleichheit und Ausgrenzung aufweist wie GB.
Der jährliche Report der privaten Joseph Rowntree Foundation zieht Bilanz dieser Politik:
http://www.poverty.org.uk/reports/mpse%202006.pdf
Von offizieller Seite gibt es meines Wissens bezeichnenderweise keine Armutsforschung
Vielmehr glaube ich daß diese von Thatcher eingeleitete und von Blair konsequent weitegeführte Politik für diese Phänomene Schuld trägt.
Auch die RotGrünen Schröderschen "Reformen" haben diese Politik zum Vorbild (Schröder/Blair Papier)
Wie sehr wir die Lehren im sozialen Bereich aus 2 Weltkriegen vergessen haben, lässt sich so wunderbar an diesem amerikanischen Lehrfilm von 1946 aufzeigen (ca 15 Min)
http://de.video.yahoo.com/video/play?ei=UTF-8&b=6&vid=31452&gid=107265
Einige von Ihnen kennen Ihn bestimmt schon
in diesem Sinne......
Mit Multikulti oder Black against black hat das nichts zu tun. Sondern mit gesellschaftlichen Perspektiven. Wenn Menschen nur mehr den Ausweg sehen - oder oft auch nur überhaupt als einzigen Weg sehen - sich mit Rücksichtslosigkeit zu nehmen, worauf sie meinen, einen Anspruch zu haben. Die Millionäre am Starnberger See machen das mit ihren Mitteln, siehe hier: http://www.zeit.de/2006/52/Starnberg
Andere greifen zum Messer. Wobei ich persönlich finde, dass man Menschen, die an der Armutsgrenze leben, eher nachsehen kann, dass sie sich an der "Oberschicht" orientieren und sich halt einfach nehmen, was sie brauchen. Mit ihren Mitteln.
Solange wir eine Wirtschaftsform, die den Egoismus und die Profitsucht über jeden anderen moralischen Maßstab hebt, als Vorbild für unsere Gesellschaft glorifizieren ("Was soll der arme Vorstand denn machen, er muss die Leute auf die Straße setzen, schließlich ist er dem Profit seiner Firma verpflichtet" - "Gesetzliche Versicherung? Ich zahl doch nicht für die ganzen armen Kranken mit!"), wird sich dieses Muster eben auch verstärkt durchsetzen. Auch auf der Straße. Solange Ackermänner sich als Ehrenmänner sehen, weil sie doch den Profit ihres Unternehmens mehren und der Durchschnittsbürger darauf sinnt, sich der gemeinschaftlichen Verantwortung zu entziehen (z. B. Steuern zahlen; oder "warum ich?), solange wird es vermehrt Kinder geben, die ihre Heimat (und oft auch ihren kleinkriminellen Gewerbebereich) mit Waffen verteidigen.
Wer das nicht will, sollte sich gut überlegen, wen und was in unserer Gesellschaft er lobt und unterstützt.
Hallo Herr Viehrig.
Multikulti ist in London/ England gerade nicht gescheitert ! Ich bin in meinem Urlaub nur Bus gefahren und man hat dort Leute aus allen Herrn Ländern fahren sehen. im friedlichen nebenmeinander. Auch die gesamte Stadt und das land lebt doch von den Einwanderen, genauso wie die USA oder Kandada.
Diese Morde könnten doch nur als beispile für ein Scheitern gelten wenn weisse inder schwarze ermodert hätten oder umgekehrt. Iich kenne zwar nicht die details der einzelheiten der Fälle, gehe aber davon aus, dass hier auch das Phänomen des "Black on Black Crime" sich bewahrheiten wird.
Die Perspektivlosigkeit ist ausschlaggebend, nicht das Multikulturelle miteinenader.
Ich komme gerade von einem Kururlaub aus London zurück. Es ist faszinierende Metropole, die in vieler Hinsicht noch Trends setzt.
Leider setzt London aber auch die Trends in der Jugendkriminalität. Was dort passiert ist die auch die Konsequenz einer Politik, die bewusst in Kauf nimmt, dass ein Teil der jugendlichen gar keine Perspektiven besitzt, um erfolgreich am gesellschaftlichen Leben teilzunhemen.
Die drastische Zunahme der Gewaltkriminaität in London/England muss eine Warnung für alle Politiker in Deutschland sein, zu verhindern dass in Deutschalnd sich dieselben Strukturen festezen, die diese Gewalt der Jugendlichen untereinander verursachen.
Es gibt keine Ausreden, wenn dieses Ziel nicht erreicht wird.
Mike Bender
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