Neue Details zum Amoklauf von Lörrach: Die Täterin erlitt vor Jahren eine Fehlgeburt in der Klinik, in der sie um sich schoss. Die kürzliche Trennung von ihrem Ehemann könnte eine Ursache für die Tat der Sportschützin sein.
Die Amokläuferin von Lörrach - möglicherweise hatte sie ein spezielles Motiv. Sie hatte in dem Krankenhaus, in dem sie am Ende einen Krankenpfleger erschoss, im Jahr 2004 eine Fehlgeburt gehabt. "Ob das der Grund war, dass sie sich dorthin wandte, wissen wir nicht," sagt Oberstaatsanwalt Dieter Inhofer am Montagnachmittag auf einer Pressekonferenz von Polizei und Staatsanwaltschaft in Lörrach.
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Polizisten suchen an einem der Tatorte, dem Elisabethen-Krankenhaus in Lörrach, nach Spuren. Unterdessen gab die Staatsanwaltschaft neue Details zum Amoklauf bekannt (© dpa)
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Dabei wird der Ablauf noch einmal deutlich. Nachdem die Frau die Klinik gestürmt hatte, griff sie sofort den Pfleger an. Der 56-Jährige erlitt Stichverletzungen und Kopfschüsse, die genaue Todesursache ist noch unklar.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war die Frau früher Mitglied in einem Schützenverein. Die Waffe besaß sie legal. Bei dem Messer handelt es sich nach Angaben der Polizei um "eine Art Fahrtenmesser".
Staatsanwalt Inhofer sagt, nach den derzeitigen Ermittlungen liege es nahe, "dass eine Beziehungsproblematik Auslöser für die Tat war". Vor der finalen Schießerei im Krankenhaus hatte die 41-jährige Rechtsanwältin in einem Wohnhaus gegenüber der Klinik ihren Ehemann mit einer Kleinkaliberwaffe erschossen, als dieser den gemeinsamen Sohn bei ihr abholen wollte.
Die beiden Eheleute lebten seit Juni getrennt voneinander, der Sohn wohnte beim Vater. Von einem gerichtlichen Sorgerechtsstreit ist den Ermittlern jedoch nichts bekannt. Der gemeinsame fünfjährige Sohn starb an "stumpfen Verletzungen", die endgültigen Ergebnisse der Obduktionen von Vater und Kind stehen noch aus.
Nach der Tat in dem Wohnhaus legte die Täterin in dem Haus Feuer mit einer zuvor ausgeschütteten explosiven Nitro-Lösung und drang dann mit einer Waffe des Kalibers .22 und einem Messer in die Klinik ein. Der Einsatzleiter der Polizei, Michael Granzow, sagt, die Täterin habe etwa 300 Schuss Munition dabei gehabt.
Auf dem Weg ins Krankenhaus verletzte die Frau zwei Passanten. In der Klinik habe sie gezielt zehn Mal auf die Tür eines Patientenzimmers geschossen. Die Beamten hätten daraufhin Schüsse auf sie abgegeben. Polizei sowie die Oberbürgermeisterin von Lörrach, Gudrun Heute-Bluhm, rechtfertigten das Verhalten der Polizisten. "Ich bin mir sicher, dass die Beamten vielen Menschen das Leben gerettet haben," sagte Einsatzleiter Granzow.
Anzeichen für eine psychische Erkrankung der Frau seien bisher nicht bekannt. Sie habe aber in jüngster Zeit den Eindruck hinterlassen, "psychisch angespannt zu sein", gab Staatsanwalt Inhofer zu Protokoll.
Unterdessen beginnt wie nach jedem Amoklauf auch nach der Tat von Lörrach die Diskussion über das Waffenrecht. Forderungen nach einer Verschärfung widersprach Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU) in den ARD-Tagesthemen. Er hält das deutsche Recht nach wie vor für ausreichend.
Die Gesetze seien gut, auskömmlich und umfänglich, sagte Rech. Das Waffenrecht sei schließlich erst nach dem Amoklauf von Winnenden im vergangenen Jahr verschärft worden - auch der ereignete sich in Baden-Württemberg. Rech sprach sich auch dagegen aus, Sportschützen zu zwingen, ihre Waffen im Klub einzuschließen.
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(dapd/dpa/jab/liv)
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>>>Es kann daher nur eine Lösung geben: Totaler Verzicht auf Schusswaffen oder Bewaffnung für alle. Ich bevorzuge die erste variante.<<<
Was glauben sie, wer seine legal besessenen Waffen abgeben würde? Richtig, die gesetzestreuen. Fühlen sie sich von denen bedroht? Wohl eher nicht.
Was ist aber mit den anderen? Die würden sich zu den bisherigen illegalen Waffenbesitzern hinzugesellen. Gehts Ihnen dann besser?
Soweit ich es aus den bisher veröffentlichten Fakten herauslese, war die Frau einmal SV-Mitglied und hat damals eine WBK und Waffen erworben. Nach ihrem Austritt hätte sie die Waffen veräußern oder anderweitig abgeben sollen/müssen. Nachdem sie sich daran nicht gehalten hat, wie hoch währe wohl die Wahrscheinlichkeit, dass sie sie an ein Waffenverbot halten würde?
hier wird ja ständig argumentiert, das eine [Gesetzes-]Änderung eh' keinen Sinn hätte, weil ja schon x-Millionen legale und y-Millionen illegale Waffen in Umlauf wären.
Da ist natürlich was dran, ohne einen *Umtausch* der existierenden legalen Waffen und der Sicherstellung der illegalen bleibt eine Änderung natürlich Makulatur. Dem Opfer ist es wurscht, ob es mit einer illegalen oder legalen Waffe erschossen wird.
So wie es dem Täter wurscht ist.
Da der Umtausch also komplett unrealistisch ist, kann man genauso gut argumentieren, dass man Waffen komplett freigeben sollte, damit sich $Bürger wenigstens gegen die Amokläufer wehren kann: Wäre der Pfleger bewaffnet gewesen, würde er vieleicht noch leben - überspitzt betrachtet.
Es kann daher nur eine Lösung geben: Totaler Verzicht auf Schusswaffen oder Bewaffnung für alle. Ich bevorzuge die erste variante.
Zitat:"Nur ein kleiner Vergleich: .22 Patronen besitzen, je nach Typ, eine Geschossenergie von bis zu 270 Joule und eine Anfangsgeschwindigkeit bis zu 510m/s"
Ihre Angaben mögen für eine Patrone vom Kaliber .22 lfB HV oder .22 Magnum, die zu jagdlichen Zwecken aus einem Gewehr verschossen wird, passen. Hier aber handelt es sich eindeutig um eine Sportpistole.
Sportschützen dürfen nur Munition kaufen, die auch zu ihrer Waffe passt. Die Frau wird also auch nur Patronen im Kaliber .22lfB (allenfalls noch .22lr) bei sich gehabt haben. Verschossen aus einem 15 cm langen Lauf (Pistole) erreichen diese Geschosse eine V0 von nur etwa 270 m/s und eine E0 von etwa 95 Joule.
Warum heißt es hier eigentlich "Amokschützin"? Die Frau hat die Tat geplant, die Beschaffung des Nitros inkl. inBrandsetzen der Wohnung zeugt davon. Eine geplante Tat ist jedoch kein Amoklauf.
Amok (malaiisch: meng-âmok ‚in blinder Wut angreifen und töten‘) ist eine psychische Extremsituation, die durch Unzurechnungsfähigkeit und absolute Gewaltbereitschaft gekennzeichnet werden kann.
Diese Definition ist absolut nicht auf die Tat anzuwenden. (im Übrigen ebenso wie auf die Taten in Winnenden und Erfurt)
Bei geplanten Taten spielen die akute Verfügbarkeit der Mittel nur eine untergeordnete Rolle. Natürlich werden die Mittel hergenommen, die leicht erreichbar sind. Stehen die jedoch nicht zur Verfügung, sind es halt andere. (nochmal Verweis auf das Nitro) Das Kind ist z.b. wohl nicht erschossen worden und auch bei dem Pfleger war wohl das Messer die Hauptwaffe.
Inwieweit dann ein generelles Waffenverbot effektiv wäre, ist diskussionswürdig. Sicher wäre es in dem Bezug effektiv, als das keine Taten mehr mit legal besessenen Waffen ausgeführt würden. Allerdings würde es halt mehr (als jetzt schon die ca. 20 Mio.) illegale Waffen geben. Und potentielle Täter würden ihre Planungen halt entsprechend den verfügbaren Mitteln "anpassen".
Bei einem tatsächlichen Amoklauf würde ich hingegen den Bedenkenträgern recht geben: In diesen Fällen wäre die leichte Zugänglichkeit einer Schußwaffe möglichst zu unterbinden. Allerdings ist dies nach den derzeitigen rechtlichen Normen bereits Fakt. Das Problem liegt nur in der Anwendung und der Kontrolle. Ob das allerdings besser wird, wenn man Waffenbehörden, Polizisten und Waffenbesitzer alle 1-2 Jahre mit neuen Vorschriften konfrontiert, sei dahingestellt.
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