Die Polizei forscht fieberhaft nach der Ursache für das Linienbusunglück bei Radevormwald: Die Leiche des Fahrers wird obduziert, die Technik überprüft.
Einen Tag nach dem schweren Busunglück in Radevormwald mit fünf Todesopfern und sieben Verletzten haben Sachverständige begonnen, das Wrack des Unfallfahrzeugs zu untersuchen. Die Ermittler hoffen zudem auf neue Erkenntnisse aus einer Obduktion der Leiche des Busfahrers, wie Polizei und Kölner Staatsanwaltschaft mitteilten. Untersucht wird unter anderem, ob möglicherweise gesundheitliche Probleme des Mannes Auslöser dafür waren, dass er die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor.
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Völlig demoliert ist der mittlerweile aus der Wupper geborgene Linienbus, der am Dienstag eine Böschung hinabgestürzt war. (© Foto: AP)
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Berichte über einen Schwächeanfall des Busfahrers wiesen Polizei und Staatsanwaltschaft aber als "reine Spekulation" zurück. "Wir untersuchen in alle Richtungen, auch ob es gesundheitliche Probleme des Fahrers gab oder ein technischer Defekt vorlag", sagte eine Polizeisprecherin.
Mit dem 45-jährigen Fahrer waren ein älteres Ehepaar aus Schwerte sowie ein Mann, 38, und eine Frau, 80, aus Radevormwald getötet worden. Der Linienbus war in Richtung Wuppertal aus noch ungeklärter Ursache etwa 15 Meter tief einen steilen Abhang hinuntergestürzt. Eine Person wurde schwer-, sechs weitere leichtverletzt. Eine Frau, die zunächst in Lebensgefahr schwebte, befindet sich auf dem Weg der Besserung.
Zeit- und personalaufwendige Bergung
Die Bergungsarbeiten an der unwegsamen Stelle zogen sich bis in die Nacht hin. Um besser an das Unglücksfahrzeug heranzukommen, mussten Feuerwehrleute zunächst zahlreiche Bäume fällen und so Platz für einen Kran schaffen, der den Bus schließlich anheben konnte. Die Landstraße 414 war in Höhe der Unfallstelle bis kurz vor Mitternacht gesperrt. Insgesamt waren 150 Helfer im Einsatz.
Am Unglücksort selbst dauere die Spurensicherung noch an, sagte eine Polizeisprecherin. Ein Autokran hat das Wrack bereits am Dienstagabend aus dem Flussbett der Wupper und auf einen Tieflader gehievt. Jetzt werde es von der Staatsanwaltschaft und einem Gutachter auf mögliche Defekte - etwa an den Bremsen - untersucht. Der Fahrtenschreiber wurde ausgebaut, auch um Informationen zur Geschwindigkeit zu erhalten.
Ob das Fahrzeug tatsächlich ungebremst mit 100 Stundenkilometern die abschüssige Straße hinunterraste - wie einige Medien berichteten - steht noch nicht fest. Es werde voraussichtlich noch einige Tage dauern, bis Ergebnisse zur Unfallursache vorliegen, sagte eine Polizeisprecherin. Der Bus soll allerdings neu gewesen sein, der Fahrer sehr zuverlässig.
Reaktionen auf das Unglück
Die 23.000 Einwohner der kleinen Stadt im Bergischen Land stehen nach dem Unglück unter Schock. Es gebe Reaktionen, die die deutliche Betroffenheit zeigten, sagte Bürgermeister Josef Korsten mehreren Fernsehesendern. Theaterprogramme seien abgesagt worden und die beiden großen Parteien CDU und SPD hätten vereinbart, den Bundestagswahlkampf in Radevormwald einzustellen.
Der Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer, Martin Kaßler, zeigte sich derweil aufgeschlossen für Überlegungen nach einem besseren Insassenschutz. "Zum Thema Gurt muss man sagen, es ist immer sehr schwierig, im öffentlichen Personennahverkehr mit Gurtsystemen zu arbeiten", sagte er. Im Berufsverkehr seien sehr viele unterwegs, die meisten stehend. "Vielleicht sollte man zukünftig darüber nachdenken, wie man stehende Leute in U-Bahn, S-Bahn oder Bus anders schützen kann", sagte er.
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(sueddeutsche.de/AP/dpa/abis/ehr)
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