Limburger Bischof Tebartz-van Elst Vatikan soll von Stückelung der Baukosten gewusst haben

In Rom wird der Fall Limburg beim Papst erörtert. Doch die Empörung mancher Kirchenmänner ist scheinheilig. Denn der Vatikan hat bereits vor dem Baubeginn der Bischofsresidenz von der Stückelung der Kosten gewusst.

Von Matthias Drobinski

An diesem Donnerstag also will Erzbischof Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, mit dem Papst über den Limburger Bischof Tebartz-van Elst reden, dem vorgeworfen wird, die wahren Kosten von mittlerweile mindestens 31 Millionen Euro seines neuen Bischofssitzes verschwiegen zu haben. "Im Laufe des Tages" werde dies geschehen, sagt Matthias Kopp, der Sprecher der Bischofskonferenz; genauer möchte er nicht werden. Dazu ist die gegenwärtige Lage auch für Zollitsch zu heikel, der erkennen lassen hat, dass er einen Rücktritt des Amtsbruders begrüßen würde.

Denn so einfach ist die Sache nicht, und dass Papst Franziskus am Ende der Audienz empört aufspringt und Tebartz-van Elst des Amtes enthebt, ist unwahrscheinlich. Er wird, was immer Zollitsch vorbringen wird, auch die andere Seite hören wollen - einen Termin scheint es da aber bislang nicht zu geben.

Für eine Amtsenthebung muss es schwerwiegende Gründe geben, die muss der Papst erst einmal prüfen. Hat Tebartz-van Elst gegen das Kirchenrecht verstoßen? Wie groß ist der Schaden für die katholische Kirche? Ist das Vertrauen im Bistum zum Bischof unwiederbringlich zerstört?

Jähes Ende oder endloser Schrecken?

Die Katholische Nachrichtenagentur berichtet, dass der Vatikan bereits vor dem Baubeginn 2010 über die Stückelung der Bausumme in zehn Einzelprojekte wusste; der damalige Vatikan-Botschafter in Berlin, Claude Perisset, habe dem ausdrücklich zugestimmt. Trifft das zu, ist der Vorwurf nicht haltbar, Tebartz-van Elst habe den Papst austricksen wollen.

Solche Erkenntnisse stärken jene, die gegen einen schnellen Rücktritt des Limburgers sind. Statt des jähen Endes könnte es also auch den endlosen Schrecken geben: Tebartz-van Elst kehrt aus Rom als Bischof in sein Bistum zurück, wo er sich kaum aus dem Haus trauen kann und ihm selbst die Vertretung der Priester das Misstrauen ausgesprochen hat. Er selber sehe noch keinen Grund, von sich aus den Rücktritt anzubieten, heißt es.

Rücktritt als einziger Ausweg

Bischof Tebartz-van Elst will bei Papst Franziskus persönlich Rechenschaft ablegen. Wird der Bischof überhaupt Gehör finden? Wie einfach ist es denn, eine Audienz beim Papst zu bekommen? Welche Sanktionsmöglichkeiten hätte die Katholische Kirche für Bischöfe? mehr ...

In Deutschland wollen nun die (Erz-)Bistümer Köln, Regensburg und Hildesheim die Finanzen des Bischöflichen Stuhls offen legen, zehn der 27 katholischen Bistümer haben diesen Schritt angekündigt oder getan. Über den Bischof von Limburg streiten sich zudem Bayerns Katholiken: Albert Schmid, der Vorsitzende des bayerischen Landeskomitees der Katholiken, nimmt Tebartz-van Elst in Schutz. Der Vorsitzende des Diözesanrats in München-Freising, Hans Tremmel, spricht dagegen von einem "immensen Flurschaden".