Limburg Vatikan schont Tebartz-van Elst

Muss nicht zahlen: Limburgs früherer Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst.

(Foto: dpa)

Franz-Peter Tebartz-van Elst muss keinen Schadenersatz zahlen, das hat Rom entschieden. In Limburg ist man darüber nicht glücklich. 3,9 Millionen Euro sind endgültig weg.

Von Matthias Drobinski

Der ehemalige Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, ist um eine Sorge ärmer: Er muss keinen Schadenersatz für die hohen Baukosten der Bischofsresidenz in Limburg zahlen, die auch durch seine zahlreichen Sonderwünsche entstanden sind. So haben es im Vatikan das Staatssekretariat und die Bischofskongregation entschieden. Man halte dort ein entsprechendes Verfahren nicht für angebracht, teilte die Pressestelle des Bistums Limburg mit.

Damit hat das Bistum eine schmerzhafte Niederlage in der Auseinandersetzung mit seinem ehemaligen Bischof erlitten, der inzwischen für den Päpstlichen Rat für die Neuevangelisierung in Rom arbeitet. Der gegenwärtige Diözesanadministrator und Paderborner Weihbischof Manfred Grothe hatte das Verfahren in Rom angestrengt, um wenigstens einen Teil der insgesamt 3,9 Millionen Euro von Tebartz zurückzubekommen, die das Bistum in den Jahren 2012 und 2013 außerplanmäßig hatte abschreiben müssen.

"Politisch nicht gewollt"

Immerhin hatte Kardinal Marc Ouellet, der Präfekt der Bischofskongregation, den Interimsverwalter Grothe vergangene Woche in den Vatikan geladen, um ihm persönlich die Entscheidung mitzuteilen. Die Gespräche seien konstruktiv und zielführend gewesen, teilte Grothe am Mittwoch tapfer mit. Es sei nun eine Entscheidung gefallen, "die auch Klarheit über das weitere Vorgehen gibt". Zielführend hin oder her: Der Weihbischof, der den Limburger Finanzskandal aufarbeiten soll, kommt mit leeren Händen zurück.

Die Enttäuschung bei denen, die sich gewünscht hätten, dass Papst Franziskus schärfer gegen den verschwenderischen Tebartz-van Elst vorgeht, ist groß. "Was kirchenrechtlich möglich und notwendig gewesen wäre, hat Rom politisch nicht gewollt", sagt der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller. "Die Botschaft des Papstes lautet: Das Bistum ist Bittsteller, der Bischof kann das Recht brechen, ohne sanktioniert zu werden." Das Kirchenrecht werde so "zur Farce".

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Tebartz-van Elst hat mächtige Unterstützer in Rom

Tatsächlich gibt es Fälle, wo Bischöfe einen Teil des Schadens zahlen mussten, den sie angerichtet hatten; eine Entscheidung gegen Tebartz-van Elst wäre also möglich gewesen. Allerdings hätten die Kirchenbehörden mühsam untersuchen müssen, welche Verantwortung der Bischof für die Kostensteigerungen des 30-Millionen-Euro-Baus trägt - welche aber auch das Domkapitel und der einstige Vermögensverwaltungsrat. Dann hätte geklärt werden müssen, wofür der Bischof persönlich haftbar gemacht werden kann, was also mehr war als eine Fehlentscheidung aus bestem Wissen und Gewissen. Doch dies herauszuarbeiten, erschien in Rom offenbar zu schwierig - und zu heikel.

Denn nach wie vor hat Tebartz-van Elst mächtige Unterstützer in Rom: den emeritierten Papst Benedikt XVI., Kardinal Gerhard Ludwig Müller, den Präfekten der Glaubenskongregation, Erzbischof Georg Gänswein, den Präfekten des Päpstlichen Hauses - und auch Kardinal Oullet sei ihm wohlgesinnt, heißt es. Sie haben dafür gesorgt, dass der Skandalbischof weich gefallen ist, mit einem schönen Posten samt ordentlichem Gehalt. Aus Deutschland erhält der Bischof offenbar ein Ruhegehalt von mehr als 6000 Euro, vom Vatikan sollen 3000 Euro kommen. "Gehaltszahlen kommentieren wir nicht, sagt Stephan Schnelle, der Bistumssprecher. Er bestätigt aber, dass die Zahlungen des Bistums mit den Einkünften aus der Arbeit in Rom verrechnet werden sollten - "da bemühen wir uns um eine Lösung", sagt er.

"Für Ruhe im Bistum wird das nicht sorgen", sagt der Kirchenrechts-Professor Schüller. Tatsächlich ist der Beschluss aus Rom eine Hypothek für den künftigen Bischof von Limburg, der das zutiefst gespaltene Bistum befrieden soll. Wann der kommen soll, ist weiterhin unklar - er hoffe auf den Sommer 2016, sagt Diözesanadministrator Rohde. Wichtiger als das Geld seien vier Worte, die Tebartz-van Elst sprechen müsste, sagt ein Bistumsmitarbeiter: "Es tut mir leid."