LGBT-Community in Libanon Regenbogen unerwünscht

Beirut gilt als liberalste Stadt der arabischen Welt. Trotzdem ist Homophobie allgegenwärtig.

(Foto: Joseph Eid/AFP)

Eigentlich gibt es eine aktive Szene von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender in Libanon. Doch jetzt haben Behörden  das LGBT-Festival "Beirut Pride" gestoppt.

Von Paul-Anton Krüger, Kairo

Das freizügige Nachtleben hat Beirut den Ruf eingebracht, die liberalste Stadt der arabischen Welt zu sein. Restaurants, Bars, Clubs locken Besucher aus der Region und Europa an. Es gibt eine sichtbare und aktive Szene von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Menschen mit anderen geschlechtlichen Orientierungen (LGBT+). Mit "Beirut Pride", einem neuntägigen Festival, wollten sie in dieser Woche für Toleranz, Vielfalt und Anerkennung werben, sich gegen die weitverbreitete Diskriminierung wehren. Ein Brunch zu Ehren von Eltern, die sich offen zu den sexuellen Identitäten ihrer Kinder bekennen, bildete vergangenen Samstag den Auftakt. Doch bald wurde klar: Die Behörden unterbinden die restlichen Events dieser für die arabische Welt einmaligen Veranstaltung.

Bei einer Theaterlesung auf einer kleinen Studiobühne erschienen am Montag Mitarbeiter der Sicherheitsbehörden und verlangten, die Veranstaltung zu beenden - es sei nicht die nötige Genehmigung der Zensurbehörde eingeholt worden. Dem Organisator, Hadi Damien, war nach dessen Angaben jedoch gesagt worden, es sei keine Bewilligung erforderlich, als er diese beantragen wollte.

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Es nutzte nichts, er wurde auf eine Polizeistation gebracht und befragt, auch über das weitere Programm. Die Beamten forderten von ihm, so sagte er es in mehreren Interviews, eine Erklärung zu unterschreiben, dass die verbleibenden Veranstaltungen annulliert werden. Andernfalls würde gegen ihn ein Strafverfahren wegen Verletzung der öffentlichen Moral eröffnet - und die Behörden hätten die Veranstaltungen unterbunden.

Es sei Anzeige erstattet worden, teilte man Damien mit, nicht aber, von wem, nur dass es sich um einen "religiösen Würdenträger" handele. Denkbar ist, dass die Behörden Beirut Pride wegen des Fastenmonats Ramadan nicht tolerieren. Die meisten der 18 anerkannten Religionsgemeinschaften in Libanon lehnen Homosexualität kategorisch ab, muslimische wie christliche. Nach Rücksprache mit seinem Anwalt unterschrieb der Aktivist, auch, um andere nicht zu gefährden und zu befürchtende Razzien gegen die LGBT-Szene zu vermeiden. "Beirut Pride hat viele Leute stolz auf Libanon gemacht", sagte er der New York Times nach der Polizeivernehmung. "Und diese Absage hat viele Leute traurig gemacht und enttäuscht."

Vergangenes Jahr, bei der ersten Auflage von Beirut Pride, mussten einige Veranstaltungen nach Drohungen von Extremisten abgesagt werden, darunter die geplante Parade, die in diesem Jahr schon nicht mehr vorgesehen war. In vielen arabischen Staaten steht Homosexualität unter Strafe, manchmal direkt, manchmal durch Gummiparagrafen zum Schutz der öffentlichen Moral.

In Libanon ist "Geschlechtsverkehr entgegen der Ordnung der Natur" gesetzlich verboten - was darunter zu verstehen ist, liegt in der Hand eines jeden Richters. Es gab dort auch schon Urteile, die Homosexuelle aufgrund dieses Paragrafen freigesprochen haben. Ägyptens Behörden veranstalteten im vergangenen Herbst wochenlang eine Hetzjagd auf die LGBT-Szene, nachdem im Publikum bei einem Konzert der libanesischen Band Mashrou' Leila Regenbogenflaggen geschwenkt worden waren. Der Sänger der Gruppe, Hamed Sinno, ist einer der bekanntesten offen Schwulen im Nahen Osten und eine Identifikationsfigur für viele Homosexuelle.

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