Sie hat keine zweite Chance. Wir haben keine zweite Chance." Später sagt sie, dass ihr egal ist, wie hoch die Strafe für Marc Hoffmann ausfällt: "Eine gerechte Strafe wird es nicht geben, denn er lebt weiter und sie nicht".

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Dann spricht Levkes Mutter über das Leben in der Familie, seit Levke verschwand. "Sie war ein Stück von uns. Sie hat die Familie mit geprägt. Sie war so ein lebendiges, fröhliches Kind.

Keine Antwort

Sie fehlt uns morgens, mittags, abends." Es gebe ja, sagt Frau S., Familienrituale, "jeder weiß das, der Kinder hat. Die Frage am Frühstückstisch: Was willst du auf dein Brot? Und die Antwort war immer: Mettwurst. Wir konnten lange Zeit keine Mettwurst mehr essen." Die Zuhörer spüren, wie sehr das Mädchen noch gegenwärtig ist für ihre Mutter.

Ulrike S. verfällt in ihrer Erzählung in die Gegenwartsform: "Sie singt gern. Sie flötet gern. Das ist alles weg." Während der langen Zeit der Ungewissheit über Levkes Schicksal hätten sie versucht, die Geschwister in alles mit einzubeziehen, berichtet sie. "Wir haben gemeinsam Suchplakate gestaltet. Wencke hat die Socke gemalt, die Levke anhatte, mit dem Känguru drauf. Und jetzt müssen wir mit einem Grab leben.

Die Kinder stehen davor und fragen, warum. Ich kann ihnen keine Antwort geben, weil's keine Antwort gibt." Wencke, sagt Ulrike S., hätte gern selbst vor Gericht ausgesagt, was der Verlust der Schwester für sie bedeute, "aber das wollten wir ihr nicht zumuten".

Also hat Wencke zwei Collagen angefertigt - wie das Leben vor Levkes Verschwinden war, und wie nachher. Das Gericht nimmt sie in Augenschein. "Oft denke ich, deine Stimme zu hören", hat die 14-Jährige geschrieben. "Ich vermisse dich mehr, als ich mit Worten ausdrücken kann." Da stehen alle vor dem Richtertisch in ihren schwarzen Roben, Staatsanwälte, Verteidiger, und betrachten die Dokumente kindlicher Trauer.

Da ist noch etwas; Frau S. berichtet es auf Fragen ihrer Rechtsanwältin. Die Mordwaffe, oder das "Tatwerkzeug", der Kabelbinder, mit dem Marc Hoffmann Levke erdrosselt hat.

Solche Dinger, sagt Ulrike S., begegnen einem ja öfter, als man glaubt, neulich zum Beispiel bei Aldi, im Sonderangebot. "Mir ist übel geworden, ich musste rausrennen. Diese Bilder sind einfach da, die werden mich mein Leben lang begleiten. Das Gesicht von Herrn Hoffmann werde ich vergessen. Aber die Kabelbinder nie."

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(SZ vom 11.05.2005)