Letzte Worte vor der Hinrichtung "Let's roll"

Ausgestreckt auf einer Liege wie dieser im texanischen Huntsville-Gefängnis sprechen die Todeskandidaten ihre letzten Worte.

(Foto: dpa)

Sie bitten um Vergebung oder zitieren amerikanische Helden. Der US-Bundesstaat Texas hat die letzten Worte von zum Tode verurteilten Straftätern im Internet veröffentlicht. Gegner der Todesstrafe kritisieren das Vorgehen.

Er wusste nicht, dass er an diesem Tag sterben würde. Er war ein einfacher Mechaniker, der lediglich Charly Brooks, einen Kunden bei der Testfahrt begleiten sollte. Doch plötzlich stoppte Brooks das Fahrzeug. Gemeinsam mit einem Komplizen zwang er den Mechaniker in den Kofferraum und sie fuhren zu einem Motel. Dort fesselten sie ihn. Brooks schoss dem Opfer in den Kopf und floh. Am 12. Juli 1982, sechs Jahre nach der Tat, sprach er seine letzten Worte:

"Verily unto Allah do we belong, Verily unto him do we return. Be strong." ("Wir gehören Allah und zu ihm kehren wir zurück. Seid stark.")

Charly Brooks war 1982 der erste Mensch in Texas, der nach der Wiedereinführung der Todesstrafe durch die Giftspritze hingerichtet wurde. Er mag seit mehr als 30 Jahren tot sein, doch seine Worte sind geblieben. Texas hat sie protokolliert, archiviert und nun online gestellt. Der Bundesstaat mit den meisten Exekutionen in den Vereinigten Staaten hat die letzten Worte aller Hingerichteten auf einer Behördenwebsite veröffentlicht. Bisher gab es das nur in Kalifornien.

Manche Straftäter bitten in ihren Erklärungen die Opfer und deren Angehörigen um Vergebung. So wie Michael Eugen Sharp, der eine Mutter und ihre zwei Töchter sexuell missbrauchte und dann mit dem Messer auf sie einstach. Nur eines der Mädchen überlebte.

Kritik an der Todesstrafe

In einigen letzten Worten klingt auch Kritik an der Todesstrafe an. So widmete auch der Polizistenmörder Henry Porter seine letzten Worte diesem Thema:

"I didn't tie anyone to a stretcher. I didn't pump any poison into anybody's veins from behind a locked door. You call this justice. I call this and your society a bunch of cold-blooded murderers." ("Ich habe niemanden auf eine Bahre geschnallt. Ich habe niemandem hinter einer verschlossenen Tür Gift in die Venen gespritzt. Und ihr nennt das Gerechtigkeit. Ich nenne das und eure Gesellschaft eine Bande kaltblütiger Mörder.")

David Ray Harris hielt sich dagegen kurz:

"Sir, in honor of a true American hero. 'Let's roll'." (Zu Ehren eines amerikanischen Heldens sage ich: Los geht´s.")

Harris hatte bei dem Versuch, dessen Freundin zu entführen, einen Mann erschossen. Das Zitat stammt von Todd Beamer, der als Passagier des berühmten Flugs UA 93 am 11. September 2001 starb.

Trauriger Rekord

Ihre letzten Worte sprechen die Todeskandidaten in ein Mikrofon, das im Hinrichtungsraum von der Decke hängt. Journalisten und Anwälte hören sie. Aber auch die eigene Familie und Angehörige der Opfer. Gefängnismitarbeiter, die im Büro des Wärters sitzen, schreiben sie mit. Aufnahmen existieren nicht. Dass die Statements nun online gestellt wurden, begründet ein Sprecher der Gefängnisbehörde in der New York Times mit dem hohen Interesse von Öffentlichkeit und Presse.

Doch Gegner der Todesstrafe kritisieren das Vorgehen. Der Hinrichtung würde in der Regel ein langer Prozess vorausgehen, der oft mehr als zehn Jahre dauere. Die letzten Worte für sich genommen seien daher nur von sehr begrenzter Aussagekraft und ihre Wiedergabe würde den Hingerichteten schaden. "Wie soll man das beurteilen, wenn jemand kurz vor dem Tod sagt 'Go Cowboys'?", zitiert die New York Times Rick Halperin, Chef des Menschenrechtsprogramms der Southern Methodist University in Dallas.

Kimberly McCarthys Hinrichtung Ende Juni war die 500. in Texas. Ein trauriger Rekord des Bundestaats. Das Urteil gegen die 52-Jährige ist umstritten. In einem Berufungsverfahren hatten ihre Anwälte vergeblich geltend gemacht, dass rassistische Vorurteile im Prozess eine Rolle gespielt hätten. McCarthy war schwarz, das Opfer wie auch elf der Geschworenen waren weiß. Bevor McCarthy durch die Giftspritze starb, dankte sie drei Menschen: ihrer Anwältin Maurie Levin, einem gewissen Pfarrer Campbell und dem Vater ihres Sohnes Darrian.