Lesbische Paare mit Kinderwunsch Zwei Mütter und ein Baby

Wenn lesbische Frauen sich ein Kind wünschen, kann es kompliziert werden - ein Paar berichtet über seine Erfahrungen mit Samenbanken und Behörden.

Von Bastienne Mues

Irgendwann, da ist sich Theresa sicher, wird es für Lucia zum Problem werden, dass sie zwei Mütter hat. "In einem gewissen Alter wollen Kinder nicht auffallen, schon gar nicht wegen ihrer Eltern." Noch ist Lucia ein Baby, ein Jahr alt, noch weiß sie nicht, dass Eltern in den meisten Fällen ein Mann und eine Frau sind. Ihre biologische Mutter ist Theresa, ihre soziale Mutter heißt Sabine.

Die beiden Münchnerinnen sind seit elf Jahren ein Paar, fast zehn Jahre lang haben sie darüber geredet, wie sehr sie sich ein Kind wünschen. Sabine wollte schon in ihrer vorigen Beziehung ein Kind, "da wäre ich die biologische Mutter geworden." In ihrer jetzigen Beziehung ist sie mit 47 Jahren die Ältere. Deswegen hat sich die 37-jährige Theresa künstlich befruchten lassen. Das Sperma ließ sie sich von einer amerikanischen Samenbank nach Deutschland schicken.

11.400 Kinder gleichgeschlechtlicher Paare

Homosexuelle Eltern wie Sabine und Theresa werden von der Gesellschaft inzwischen stärker wahrgenommen und immer mehr akzeptiert. So sagte zum Beispiel Bundespräsident Horst Köhler in seiner Rede beim Jahresempfang der Evangelischen Akademie Tutzing, dass es auch in gleichgeschlechtlichen Familien gelingen könne, Kinder auf das Leben vorzubereiten.

Bernd Eggen von der Familien-Forschung Baden-Württemberg hat Zahlen aus dem Mikrozensus ausgewertet: Rund 11.400 Kinder lebten demnach 2004 mit homosexuellen Eltern in Deutschland. Er schätzt, dass der eigentliche Wert dreimal so hoch liegt.

Doch gerade in Deutschland können sich lesbische Frauen ihren Kinderwunsch nur sehr mühsam erfüllen. Eine Adoption ist für gleichgeschlechtliche Paare noch schwieriger als für heterosexuelle und erst seit zwei Jahren rechtlich überhaupt möglich.

Die meisten Betroffenen entscheiden sich für eine künstliche Befruchtung. Worauf sich die Frage stellt: Wie kommt man an das Sperma? Viele Paare sehen sich in ihrem Freundeskreis nach einem Mann um, den sie darum bitten könnten. Auch Theresa und Sabine haben einen schwulen Freund, der lange mit dem Gedanken spielte, ihnen sein Sperma zu geben. "Doch dann fand er den Partner seines Lebens", erzählt Sabine.

Eine Vaterschaft wollte er daraufhin nicht mehr eingehen - aus rechtlichen und emotionalen Gründen. Verständlich: Ein Samenspender kann zum Vater mit Rechten und Pflichten werden. Das heißt, er muss eventuell Unterhalt zahlen und kann andererseits auch sein Umgangsrecht einklagen.

Auch wenn Theresa und Sabine ein bekannter Spender lieber gewesen wäre, entschieden sie sich für die Samenbank. Was sie dabei erlebten, führt weit ins Dickicht der deutschen und europäischen Gesundheitsrichtlinien. Die beiden wollten, dass ihr zukünftiges Kind den Namen seines Vaters möglichst früh erfahren sollte. Doch diese Information kann ein Kind bei europäischen Samenbanken frühestens mit 16 Jahren einfordern.

Fortpflanzungstourismus in der EU

Abgesehen davon ist es für lesbische Paare grundsätzlich schwer, in Deutschland eine künstliche Befruchtung vorzunehmen. Laut Bundesärztekammer kommen alleinstehende Frauen und gleichgeschlechtliche Paare dafür nicht in Frage. Samenbanken in Großbritannien, Dänemark oder Spanien dagegen behandeln auch lesbische Frauen, weshalb es längst einen regelrechten Fortpflanzungstourismus in diese Länder gibt.

"Ja, die Nachfrage lesbischer Frauen hat stark zugenommen", sagt Thomas Katzorke, der Leiter des Zentrums für Reproduktionsmedizin in Essen, der größten Samenbank Deutschlands. Er behandelt jedes Jahr etwa 3000 Ehepaare, lesbische Frauen nur in Ausnahmefällen; schließlich bewegt er sich als Arzt in einer rechtlichen Grauzone. Ihm ist klar, dass die Samenbank als "Erzeuger" finanziell belangt werden kann. "Lesbische Patientinnen hängen etwas in der Luft. Ich hoffe, dass sich in Deutschland demnächst auch für sie Behandlungsmöglichkeiten ergeben", sagt Thomas Katzorke.