Von Jens Schneider

170 Beamte im Einsatz und 1700 Hinweise: Nach fast siebenmonatigen Ermittlungen ist der mutmaßliche Mörder der Achtjährigen aus Leipzig gefasst.

Der junge Mann lebte gleich in der Nachbarschaft, 18 Jahre ist er alt. Am vergangenen Sonntag kam er in Begleitung seiner Mutter zur Polizei. Gut 200 Tage waren an diesem Sonntag seit dem Mord an der acht Jahre alten Michelle bereits vergangen. Fast sieben Monate, in denen die Polizei in Leipzig Tausenden Hinweisen nachgegangen war, aber sehr lange - wie es stets hieß - keine heiße Spur hatte.

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"Die sächsische Polizei hatte null Chancen, das Mädchen lebend zu finden": Das von der Polizei veröffentlichte Foto zeigt die achtjährige Michelle. (© Foto: dpa)

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Michelle war am 18. August des letzten Jahres nicht vom Ferienhort nach Hause gekommen. Drei Tage später wurde ihre Leiche in einem Teich nahe ihrer Wohnung gefunden.Am Sonntag habe der Tatverdächtige zunächst nur zugegeben, dass er die Leiche des Kindes beseitigt habe, erklärt der Leipziger Kriminaldirektor Uwe Matthias am Montagnachmittag auf der Pressekonferenz in Leipzig.

Er habe erklärt, ein Unbekannter habe ihm am Tattag einen Sack mit der Leiche Michelles überlassen und ihn aufgefordert, die Leiche wegzuschaffen, was er auch getan habe. Erst nach stundenlangen Vernehmungen habe der 18-Jährige am Sonntagabend diese Darstellung aber aufgegeben und ein Geständnis abgelegt. Er befinde sich bereits in Untersuchungshaft.

Ursprünglich sei geplant gewesen, ihn am Nachmittag in der Wohnung seiner Familie routinemäßig zu befragen und eine DNS-Probe zu nehmen, sagte der Beamte. Stattdessen sei der 18-Jährige mit seiner Mutter auf einer Polizeidienststelle erschienen und habe ausgesagt, in das Verbrechen verwickelt zu sein. Mit diesem Geständnis ist offenbar - mit höchster Wahrscheinlichkeit, wie die Ermittler sagen - ein Mordfall aufgeklärt, der die Öffentlichkeit in Leipzig und Sachsen monatelang sehr intensiv beschäftigt hatte.

Mehr als 170 Beamte ermittelten

Michelle hatte sich an jenem Augusttag am Nachmittag auf einem Spielplatz von ihrer Freundin verabschiedet; danach verlief sich ihre Spur. Noch am selben Tag sei das Mädchen getötet worden, sagte nun Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo auf der Pressekonferenz in Leipzig. "Die sächsische Polizei hatte null Chancen", so der Innenminister, "das Mädchen lebend zu finden."

Drei Tage lang hatte die Polizei im August nach ihr gesucht. Dann wurde die Leiche des Kindes von einem Spaziergänger in einem Ententeich im Stötteritzer Wäldchen entdeckt, nicht weit von der Schule des Mädchens und der Wohnung ihrer Familie entfernt.

Zeitweise waren in den letzten sieben Monaten mehr als 170 Beamte in die Ermittlungen der "Soko Michelle" einbezogen. Die Polizei stand aber vor einem "außergewöhnlich komplizierten" Fall, wie ein Sprecher zu Jahresbeginn sagte, denn anscheinend hatte niemand etwas gesehen.Fast zehntausend Leipziger wurden während der Ermittlungen von den Beamten befragt, rund 1700 Hinweise gingen bei der Polizei ein.

Als monatelang nichts voranging, setzte Leipzigs Polizei bei der Suche nach dem Täter im November sogar auf die Fernsehsendung "Aktenzeichen XY...ungelöst". Sie bekam danach zahlreiche neue Hinweise, auch auf ein Phantombild hin, das seinerzeit einen 40 bis 50 Jahre alten Mann zeigte, der - wie es damals hieß - auch ein Zeuge der Tat gewesen sein konnte.

Doch auch danach fehlte weiter fehlte jede heiße Spur. Auch waren kaum Einzelheiten bekannt. Unter welchen Umständen die achtjährige Schülerin getötet wurde, hatte die Polizei in den letzten Monaten nie bekanntgegeben. Auch ob Michelle sexuell missbraucht wurde, blieb unklar. Ebenso wurde nichts über den Tatort in Leipzig bekannt.

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