Leichenfund im Uni-Keller Madrider Universität ließ Spenderleichen verwesen

Wie in einem "Horrorfilm": Im Leichenkeller der Complutense-Uni in Madrid stapeln sich einem Bericht zufolge Spenderleichen bei Zimmertemperatur. Die Hochschule verspricht eine rasche Lösung - doch das Problem scheint die Wirtschaftskrise zu sein.

Wer seinen Körper nach dem Tod einer medizinischen Fakultät zur Verfügung stellt, möchte damit vor allem der Wissenschaft einen Dienst erweisen. Medizinstudenten sollen an der Leichen lernen und forschen können.

Dass die Leichen nach den Unterrichtseinheiten allerdings langsam im Keller einer Universität verwesen, statt im Krematorium verbrannt zu werden, ist vermutlich nicht im Sinne der Menschen, die sich für eine Körperspende entscheiden. An der Madrider Universität Complutense ist das aber anscheinend seit einiger Zeit Praxis.

Spaniens größte Universität wird von einem Medizinskandal erschüttert: Nach Recherchen der spanischen Zeitung El Mundo stapeln sich im Leichenkeller des anatomischen Instituts der Uni etwa 250 Spenderleichen "ohne jede Kontrolle und Hygiene".

Die Leichen lägen dort bei Zimmertemperatur herum, schreibt das Blatt unter Berufung auf Institutsangehörige. Nachdem an ihnen geforscht und unterrichtet wurde, warten die Leichen im Keller der medizinischen Fakultät zum Teil jahrelang auf ihre Verbrennung.

Einige der Leichen oder Leichenteile habe die Uni für Forschungsseminare auch an private Unternehmen vermietet, wie El Mundo berichtet. Die Miete für eine Spenderleiche koste zwischen 500 und 750 Euro. Die Körper würden vor allem an Ärzte vermietet, die privat an Wochenenden Fortbildungskurse anbieten. Diese Praxis sei zwar legal und an vielen spanischen Universitäten üblich. Außergewöhnlich sei allerdings die große Menge an Leichen im Keller der Complutense, weshalb der Verdacht aufkomme, die Uni habe mit den Leichen Geld verdienen wollen.

Uni nennt Personalprobleme als Ursache

Die Hochschule räumte inzwischen "Probleme" ein und verwies auf Kürzungen wegen der Krise: Man habe die freigewordene Stelle des Krematoriumsbeamten nicht nachbesetzen können. Der frühere Zuständige sei im Dezember in vorzeitigen Ruhestand gegangen. Ein Grund für die unbesetzte Stelle sei auch gewesen, dass Gewerkschaften sich darüber beklagt hätten, dass der 1991 installierte Ofen gesundheitsschädliche Gase ausstoße.

In einer Mitteilung versichert die Hochschule, dass man vor einigen Tagen ein Beerdigungsunternehmen mit der "Beseitigung" der Leichen beauftragt habe. Dies solle noch in der laufenden Woche geschehen. Außerdem habe die Hochschulleitung eine Untersuchung des Falls angeordnet.

Der Zeitung El País zufolge weist die Hochschule darauf hin, dass das Verfahren der Körperspende vollständig und korrekt geregelt sei und von diesem Vorfall nicht tangiert werde. Die Complutense kritisiert, dass die spanische Presse den Leichenfund als Horrorkabinett inszeniert habe.

El Mundo zeigte auf seiner Webseite ein Video der überfüllten Leichenkammer. Der Raum ist etwa 25 bis 30 Quadratmeter groß und mit Dutzenden teilweise offenbar bereits mumifizierten Leichen gefüllt. Die Zeitung berichtet von einem "Horrorfilm" und von "riesigen Leichenstapeln", die gefährlich und gesundheitsschädlich seien. Die Hochschule teilte mit, die Fotos seien ohne die nötige Genehmigung gemacht worden. Die Echtheit der Bilder wird aber nicht bestritten.